UPDATE: Einen ausführlichen Artikel zur Medizin-Nobelpreis-Forschung finden Sie hier.

Dank der Wirkstoffe, die sie entdeckten, wurden seit den 1970er Jahren Millionen Menschenleben gerettet. Drei Parasiten-Forscher erhalten deshalb dieses Jahr den Nobelpreis in Medizin/Physiologie.

Einen Teil der Auszeichnung teilen sich der Ire William C. Campbell und der Japaner Satoshi Ōmura. Sie fanden Mittel gegen krankheitserregende Fadenwürmer. Die andere Hälfte geht an die chinesische Forscherin Youyou Tu. Sie isolierte einen Pflanzenwirkstoff, der zur Therapie von Malaria eingesetzt wird.

Campbell und Ōmura entdeckten Ende der 1970er den Wirkstoff für das Medikament Ivermectin, das Fadenwürmer unschädlich macht. Solche Würmer sind Parasiten – auch Schmarotzer genannt –, das heißt sie leben im Körper eines anderen Lebewesens (Forscher sprechen von einem Wirt). Befallen Parasiten einen Menschen und vermehren sich in dessen Blutbahn, kann das lebensgefährlich werden.

Zwei schwere Wurminfektionen, sind Elephantiasis und Flussblindheit. (Einen Hintergrundartikel finden Sie hier auf ZEIT ONLINE). Beide Erkrankungen werden von der Weltgesundheitsorganisation WHO als vernachlässigt eingestuft. Obwohl es Medikamente dagegen gibt, sind diese Infektionen überall dort weiterhin ein Problem, wo weder ausreichend Ärzte noch Arzneimittel verfügbar sind. Unbehandelt enden viele Parasiteninfektionen tödlich.

Youyou Tu entdeckte den aus Beifußblättern stammenden Pflanzenwirkstoff Artemisinin. Sie isolierte den Stoff in den 1970er Jahren und konnte nachweisen, dass er gegen Malaria tropica wirkt. Malaria-Erkrankungen gehen ebenfalls auf Parasiteninfektionen zurück, verursacht durch Einzeller (Plasmodien), die von Mücken während des Blutsaugens übertragen werden.

Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung leidet unter Infektionen mit parasitischen Würmern, besonders in Subsahara-Staaten, dem Süden Asiens und Mittel- und Südamerika. Malaria ist besonders in tropischen Regionen bis heute ein gewaltiges Gesundheitsproblem. Mittlerweile arbeiten Wissenschaftler an Impfstoffen gegen die Seuche. Jährlich sterben weltweit rund 450.000 Menschen letztlich an den Folgen eines Mückenstichs, durch den sie mit Malaria infiziert wurden.

Letztes Jahr wurden Hirnforscher geehrt

Mit dem Medizin-Nobelpreis wurden im vergangenen Jahr der Neurowissenschaftler John O'Keefe und das Ehepaar Moser für ihre Erforschung des Orientierungssinns geehrt. Sie waren im Gehirn von Säugetieren auf die Grundlagen des "inneren GPS" gestoßen – jener neuronalen Landkarte, die nötig ist, damit wir uns orientieren können.

Echter Nobelpreis oder Satire? Raten Sie, welche Forschung den nicht ganz ernst gemeinten Ig-Nobelpreis erhielt:

Am Dienstag – 6. Oktober – können Sie die Bekanntgabe des Physik-Nobelpreises hier auf ZEIT ONLINE live aus Stockholm verfolgen. Die Übertragung beginnt ab 11.45 Uhr.