Am Universitätsklinikum Heidelberg wurden offenbar die Daten von Herzkranken manipuliert, um ihnen schneller Transplantationen zu ermöglichen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen "des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung durch manipulierte Listungen von Herztransplantationspatienten" gegen mehrere Personen.

Das Universitätsklinikum bestätigt in einer Mitteilung, dass die Prüfkommission der Bundesärztekammer bei insgesamt 34 Patienten aus den Jahren 2010 und 2011 "Fehler in der Dokumentation" festgestellt hat. Daraufhin habe man Anzeige erstattet. Was genau die Kommission beanstandet, lässt die Klinik unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen offen.

Die SZ berichtet, dass die Heidelberger Ärzte den Zustand ihrer Patienten dramatisiert hätten, um ihnen einen "hochdringlichen" Status bei der Vergabe von Spenderherzen zu verschaffen. Eine solche Einstufung setzt einen "akut lebensbedrohlichen" Zustand voraus. Durch die Manipulation sollen andere Patienten benachteiligt worden sein. Möglicherweise sind Menschen gestorben, weil sie tatsächlich einen "akut lebensbedrohlichen" Zustand hatten, aber nicht rechtzeitig ein Spenderherz eingesetzt bekamen.

Das Universitätsklinikum ist nicht die erste Adresse, an der es zu Unregelmäßigkeiten bei der Transplantation von Herzen kommt. 2014 wurden am Berliner Herzzentrum insgesamt 14 Manipulationsfälle aufgedeckt. In München-Großhadern wurde zwischen 2010 und 2012 bei mindestens 17 Patienten gegen die Richtlinien verstoßen. Die Fälle sind Teil eines größeren Phänomens. Im Hintergrund steht die Frage, inwieweit Ärzte eingreifen dürfen und müssen, um zum Wohle ihres Patienten eine möglichst frühzeitige Transplantation von Organen zu erreichen.