Und was steht nicht auf der Packung?

Aber nicht alles, was in Kosmetik- und Pflegeprodukten steckt, ist absichtlich drin. Weichmacher wie Phthalate zum Beispiel. Sie stecken im Plastik von Shampoo- und Duschgelflaschen, Zahnpasta- oder Make-Up-Tuben – nur so sind diese Verpackungen biegsam und ihr Inhalt lässt sich herausquetschen. Kommen die Verpackungen mit fettigen oder öligen Stoffen in Kontakt, lösen sich einige Phthalat-Partikel  und sind dann in den Produkten nachweisbar. Gleichzeitig dünsten sie aus den Materialien aus. Nagellacken werden sie bewusst beigemischt, damit diese länger halten und sich besser auftragen lassen.

Wie Parabene könnten auch Weichmacher hormonell wirksam sein. Die EU hat bereits einige von ihnen als riskant eingestuft und verboten. Eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt: Schon Kinder und Jugendliche sind stärker mit Weichmachern belastet, als zulässig. An den Kosmetika liegt das vermutlich am wenigsten. Denn auch andere Produktverpackungen und Alltagsgegenstände wie Pfandflaschen oder Plastikgeschirr können die Substanzen in sich tragen. Sie wirken alle zusammen auf den Körper und können sich mitunter sogar gegenseitig verstärken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt deshalb ebenfalls vor den Substanzen.

Transparenz? Mangelhaft

Zu weiteren Weichmachern, aber auch zu anderen bedenklichen Inhaltsstoffe ist die Datenlage dünn. Was bedenklich ist, steht auf der INCI-Liste. Die Abkürzung steht für Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe. Substanzen, die noch nicht als chemisch gefährlich eingestuft sind, tauchen dort nicht auf. Hat ein Stoff bisher nur im Tierversuch das Krebsrisiko erhöht, ist er nach der Klassifizierung nicht gesundheitsschädlich für Menschen.

Ein Gefahrstoffkennzeichen bekommt ein solcher Stoff ebenfalls nicht. Gefahrstoffkennzeichen gibt es, wenn ein Produkt gewisse Mengen eines chemisch gefährlichen Stoffes enthält. Auf Haarspray zum Beispiel ist eine kleine Flamme zu sehen, das Gefahrstoffzeichen für entzündlich. Manche Forscher regen an (Nachrichten aus der Chemie: Klaschka, 2013), Hersteller zu verpflichten, mehr dieser Symbole auf Verpackungen von Kosmetika und Pflegeprodukten zu drucken. Andere finden das angesichts der geringen Konzentrationen übertrieben.

Leider erfährt der Verbraucher aber nicht, wie viel wovon worin steckt. Das müssen die Kosmetikhersteller nämlich nicht verraten. Sie listen die Inhaltsstoffe zwar der Menge nach auf den Etiketten auf. Besteht eine Creme also zum größten Teil aus Mineralölen, stehen die ganz oben. Aber wie viel Gramm Paraffin enthalten ist oder wie hoch die Konzentration an Duftstoffen im Produkt ist, geben die Hersteller nicht bekannt.

Und jetzt?

Wer einen ultimativen Tipp erwartet, was zu tun ist, den müssen wir leider enttäuschen. Zu stark widersprechen sich die Studien, die Empfehlungen der Institute bleiben vage. Beweise für die Gefährlichkeit fehlen – aber auch die für die Unbedenklichkeit der meisten Stoffe.

Ähnlich wie bei Arzneimitteln gilt: Je länger ein Produkt auf dem Markt ist, desto besser können Experten seine Wirksamkeit und auch seine Nebenwirkungen einschätzen. Damit ist aber auch verbunden, dass die Verbraucher sich einem Restrisiko aussetzen. Medikamente heilen oder lindern Krankheiten immerhin. Kosmetik aber soll nur sauber halten und verschönern. Da ist es verständlich, dass viele kein Risiko eingehen wollen, nur um sich ein bisschen besser zu fühlen.

Verbrauchern bleibt also nur, sich mit Hilfe der Daten zu informieren, die es gibt, auch wenn das mühsam ist. Bekannte bedenkliche Stoffe können sie meiden und so immerhin einigen potenziell schädlichen Einflüssen ausweichen.

Wer akute Beschwerden bekommt, nachdem er eine Creme oder eine Seife benutzt hat, sollte einen Arzt aufsuchen. Reagiert die Haut empfindlich auf ein Produkt, heißt das noch nicht, dass ihm Schadstoffe beigemischt wurden. Es kann auch eine Allergie auf einen an sich unbedenklichen Stoff sein. Oft hängt die Verträglichkeit auch vom individuellen Haut- und Haartyp ab.

Vielleicht sind Bioprodukte die Lösung? Lesen Sie in der nächsten Folge der Serie Kosmetik-Check, ob bio wirklich besser ist.