Selten werden Babys mit einem zu kleinen Schädel geboren. In der Folge leiden sie an geistigen Beeinträchtigungen. Mikrozephalie nennen Ärzte diese Fehlbildung, die verschiedene Ursachen haben kann. Das Zika-Virus, das sich derzeit von Lateinamerika aus verbreitet, steht unter starkem Verdacht, ein Auslöser zu sein. Aber was heißt es, ein Kind mit Mikrozephalie zu bekommen? Wie geht es diesen Kindern und wie werden sie gefördert? Eine Mutter in Deutschland hat uns von ihrem Sohn erzählt.

Immer und immer wieder versucht Constantin*, das kleine dreieckige Bauklötzchen durch die Öffnung im Dach des Spielzeughauses zu stecken. Die ist kreisrund, das Klötzchen passt nicht hindurch. Constantin ist frustriert. Er kommt auch nach unzähligen Versuchen nicht auf die Idee, es einmal mit der dreieckigen Öffnung direkt daneben zu probieren. Der Junge ist drei Jahre alt, und während Katja Baumann* Tag um Tag die gleichen vergeblichen Aktionen ihres Sohnes beobachtet, wird ihr klar, was sie schon lange befürchtet: Mit Constantin stimmt irgendwas nicht.

Schon vorher war ihr aufgefallen, dass Constantin sich langsamer zu entwickeln schien als andere Kinder. Freundinnen haben sie getröstet, jedes Kind habe sein eigenes Tempo. Er ist ihr erstes Kind, sie hat also keinen direkten Vergleich. Gewicht und Größe ihres Sohnes scheinen normal. Und dass Constantins Kopfumfang in allen Kontrolluntersuchungen beim Kinderarzt weit unter dem Durchschnitt liegt, beunruhigt den Arzt nicht. Also beunruhigt es Katja Baumann auch nicht. 

Angeblich keine Auffälligkeiten

Bis zu der Sache mit den Klötzchen, die Constantin partout nicht den richtigen Öffnungen zuordnen kann. Dann fallen ihm auch die ersten Zahlen schwer. Ewig braucht er, bis er bis drei zählen kann. Ganz zu schweigen davon, dass andere Kinder in seinem Alter längst Farben benennen.

Katja Baumann macht sich auf die Suche nach Spezialisten. Die zu diesem Zeitpunkt alleinerziehende Mutter lebt in Mecklenburg-Vorpommern. Verschiedene Kinderärzte und Psychologen untersuchen Constantin, sie alle kommen zum gleichen Schluss: keine Auffälligkeiten. Und sie haben einen Rat für die junge Mutter: Sie solle sich einfach damit abfinden, dass ihr Kind nicht besonders intelligent werden wird. Doch Katja Baumann findet sich nicht ab. Je älter ihr Sohn wird, desto unruhiger wird sie.  

Endlich die Diagnose

Im Netz stößt sie schließlich auf eine Spezialambulanz in der Berliner Charité. Sie schickt die medizinischen Unterlagen von Constantin hin, die Ärzte dort wollen ihn sehen. Es dauert nur wenige Tage, dann hat Katja Baumann endlich einen Namen für die Auffälligkeiten ihres Sohnes: Constantin leidet an Mikrozephalie, einem zu kleinen Schädel. Deshalb ist er lernbehindert und in seiner Wahrnehmung beeinträchtigt.

Der Besuch in der Spezialambulanz ist etwa sieben Jahre her. "Das war keine schöne Diagnose, aber ich war so erleichtert, als endlich klar war, was eigentlich los ist", sagt Katja Baumann heute. "Mit der Ursache und den Konsequenzen des zu kleinen Kopfes hat sich bis dahin kein Arzt auseinandersetzen wollen. Wo kommt das her? Kann man was machen? Wie wird das mal werden? Wurde die Fehlbildung vererbt? Welche Entwicklungschancen wird mein Kind haben?" Constantin war zum Zeitpunkt der Diagnose sechs Jahre alt, wenige Wochen später wurde seine Schwester geboren – gesund.