Crystal Meth zählt zu den gefährlichsten Drogen. Es macht rasch abhängig und hinterlässt starke körperliche und psychische Schäden. Mindestens drei Wochen Entzug in einer Suchtklinik, eine umfassende psychologische Betreuung auch danach, Sport- und Bewegungsprogramme sowie und Hilfe dabei, in einen Alltag ohne harte Drogen zurückzufinden – das sind die Kernpunkte einer Leitlinie für Ärzte zur Therapie von Crystal-Meth-Abhängigen, die die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) heute in Berlin vorstellen.

Eine solche Leitlinie ist sinnvoll, auch wenn sie vermutlich nur sehr wenige Menschen in Deutschland betrifft. Medienberichte hatten zuletzt oft suggeriert, Crystal Meth sei hierzulande zu einem riesigen Problem geworden. Tatsächlich dürfte der Anteil derer, die sie nehmen, sehr gering sein – wie auch die Befragungen im Rahmen des Global Drug Survey ergaben, die ZEIT ONLINE seit einigen Jahren unterstützt (die aktuelle Umfrage für 2017 läuft – machen Sie jetzt hier mit!)

  • Wirklich verlässliche Daten dazu, wie hoch der Anteil der Deutschen ist, die Methamphetamin nehmen, gibt es nicht.
  • Fest steht: In den letzten Jahren fielen der Polizei und Ärzten zunehmend Crystal-Meth-User in Bundesländern nahe der tschechischen und polnischen Grenze auf. Die synthetisch hergestellte Droge macht extrem schnell abhängig und hat schwere Langzeitfolgen.
  • Kriminalstatistiken zeigen einen Trend, nachdem die Delikte im Zusammenhang mit Crystal im Verhältnis zu denen zur Beschaffung anderer Drogen zunehmen.
  • Die sichergestellte Menge der Droge war im Laufe des Jahres 2015 aber rückläufig: In der zweiten Jahreshälfte waren es 66,8 Kilogramm.
  • Auch nimmt bundesweit die Zahl derer ab, die erstmals mit der Droge auffallen.
  • Gleichzeitig berichten Ärzte und Suchthelfer von einer lokalen Häufung der Fälle in einigen Regionen.

Die Droge im Überblick

Die Droge – Crystal Meth oder kurz Crystal ist eine synthetische Droge aus der Gruppe der Methamphetamine. Diese sind eine Substanzklasse der Amphetamine, zu der auch Speed und Ecstasy gehören. Süchtige schnupfen, ziehen, rauchen oder spritzen die Substanz, die häufig in Form von groben Kristallen oder Pulver verkauft wird. Eine niedrige Dosis liegt bei fünf bis zehn Milligramm, eine mittlere enthält bis zu 40 Milligramm. Gewöhnte User dosieren oft deutlich höher.

Die Herstellung – Crystal Meth entsteht aus Verbindungen wie Ephedrin, diese sind beispielsweise in Hustensäften und Schnupfenmitteln enthalten. Die Zutaten für die Droge gibt es also in jeder Apotheke; das macht die Herstellung vergleichsweise billig. Ephedrine etwa werden oft mit Jodwasserstoff reduziert, daraus entsteht Crystal Meth. Je nachdem, in welchem Verhältnis die Stoffe miteinander vermischt werden, verändert sich die Wirkung.

Die Wirkung – "Methamphetamin führt zu einer starken Dopamin-Ausschüttung im Gehirn, die kaum eine andere Droge erreicht", sagte Rafael Riera, Chefarzt der Bezirksklinik Hochstadt im Norden Bayerns, in einem früheren Gespräch mit ZEIT ONLINE. Die Klinik ist auf Methamphetamin-Süchtige spezialisiert. Dopamin ist ein biochemischer Botenstoff, der Erregung von Zelle zu Zelle überträgt. Süchtige vergleichen den Rausch daher mit einem Glücksstrudel. Manche Konsumenten bleiben tagelang wach, verspüren keinen Appetit und sind euphorisch. Alles scheint zu gelingen. Zudem kann die Droge die sexuelle Lust steigern. Lässt die Wirkung nach, werden die Süchtigen antriebslos und lethargisch.

Die Geschichte – Entgegen vieler Behauptungen ist Crystal Meth kein neues Phänomen. Die Droge existiert unter anderem Namen schon seit mehr als 100 Jahren. Ein japanischer Chemiker stellte die Substanz erstmals 1893 her, 1921 wurde sie patentiert. Unter dem Namen Pervitin kam Methamphetamin in den 1930er Jahren schließlich auf den Markt. Während der Blitzkriege gegen Polen und Frankreich schluckten deutschen Soldaten die Pillen, weshalb sie auch den Spitznamen Panzerschokolade tragen. Die Droge machte zwar schnell abhängig, doch sie unterdrückte das Angstgefühl und machte Soldaten skrupelloser und leistungsfähiger. Nach dem Krieg wurde die Droge vor allem im Sport als Dopingmittel eingesetzt. Doch sogar als Fertigarzneimittel blieb Pervitin bis 1988 im Handel.

Die Konsumenten – Heute wird Crystal quer durch die Gesellschaft konsumiert – Handwerker, Mütter und Manager nehmen es. Es ist keine Unterschichtendroge, wie oftmals behauptet wird. 

Im Jahr 2014 war die erste öffentlich geförderte Studie zum Konsum von Crystal Meth in Deutschland erschienen. Die Forscher des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung  (ZIS) in Hamburg hatten dafür rund 400 Konsumenten zu ihrem Konsumverhalten befragt (Schäfer et al., 2014). Die Studie ist qualitativ angelegt, die Zahlen sind daher nicht repräsentativ. Dennoch sind die Erkenntnisse interessant. Sie zeigen, dass sich die Motive der Nutzer gleichen: Alle streben nach Leistung und Spaß. Unter den Befragten identifizierten die Forscher unterschiedliche Milieus. Jugendliche nehmen die Droge abends auf Partys. Handwerker konsumieren sie, um länger durchzuhalten. Junge Mütter nehmen Crystal, um nach der Schwangerschaft schneller abzunehmen.