Herumwälzen, die Liegeposition ändern, die Decke umdrehen, Kopfkissen übereinanderstapeln, ein Bein aus dem Bett hängen, wieder herumwälzen: Übernachten wir nicht zu Hause, fällt es uns nicht nur schwerer, einzuschlafen, am nächsten Morgen fühlen wir uns auch oft nicht richtig ausgeruht.

In der Schlafforschung hat das einen Namen: First Night Effect. Schlafmediziner bezeichnen damit das Phänomen, dass die erste Nacht in einem fremden Bett oft ganz anders verläuft als im heimischen Schlafzimmer. Woran das liegt wussten sie bisher noch nicht. Forscher der Brown Universität haben den Effekt nun in einer Studie untersucht und einen möglichen Grund gefunden: Unsere linke Hirnhälfte ist selbst im Tiefschlaf noch ziemlich aktiv. (Current Biology: Tamaki et al., 2016).

Für die Studie haben die Forscher den Schlaf von 35 Freiwilligen untersucht. Das klingt zunächst nicht viel und die geringe Teilnehmerzahl hat einen Grund: "Die elektrophysiologischen Untersuchungen, die hier gemacht wurden sind sehr aufwendig und teuer", sagt Schlafforscher Hans-Günter Weeß, der nicht an der Studie beteiligt war. Es sei selten, solche Analysen an größeren Gruppen vorzunehmen: Die Probanden müssen aufwendig verkabelt werden, Elektroden messen nicht nur Hirnströme, sondern auch andere Biosignale wie die Muskelaktivität.

Die Forscher interessierten sich vor allem für den Tiefschlaf in der Non-REM-Phase (siehe Infokasten). "Hier findet ein wichtiger Erholungsteil des Schlafes statt", sagt Weeß. Unser Gehirn ist währenddessen weit weniger aktiv als beispielsweise in der REM-Phase, in der auch ein Großteil der Träume stattfindet.

Die linke Hirnhälfte passt auf

Eine ungewohnte Umgebung beeinflusst offenbar die Tiefschlafphase: Die Forscher konnten hier eine deutlich höhere Aktivität in der linken Seite des Hirns messen. Warum genau die linke Seite aktiver ist, wissen sie noch nicht genau. Sie ist stärker mit anderen Regionen des Hirns vernetzt und könnte deshalb den Ruhezustand beeinflussen, schreiben die Forscher – sicher sind sie sich aber noch nicht.

Für den Ursprung dieser Aktivität haben sie eine Theorie: Unterbewusst ist der Körper auf Gefahr eingestellt, wir fühlen uns nicht sicher. Was heute eigentlich keinen Grund mehr hat, war für unsere Vorfahren, die noch unter freiem Himmel schlafen mussten, ein Überlebensvorteil. Denn wer schneller aufwacht, der kann auch schneller weglaufen, wenn Gefahr droht.

Dieses unterbewusste Verhalten kennen Forscher etwa von Vögeln oder Meerestieren: Delfine schlafen beispielsweise immer nur mit einer Hirnhälfte. Die andere bleibt wach und ein Auge stets offen. Im Schlaf zieht der Delfin Kreise durchs Wasser. Nach einer Weile öffnet er das andere Auge und die andere Gehirnhälfte ruht sich aus. "Ganz so extrem ist das beim Menschen aber nicht", sagt Weeß – noch dazu zeigt unser Hirn nur in der ersten Nacht die erhöhte Aktivität, Delfinhirne sind dagegen immer halb wach. 

Trotzdem haben auch die nächtlichen Aktivitäten unseres Hirns Folgen: Denn das Gehirn kann sich nicht so gut erholen, wie es das normalerweise tun würde. Deshalb fühlt man sich nach der ersten Nacht in einem Hotel, einem Zelt oder einer neuen Wohnung meist nicht richtig ausgeruht.

Was kann man tun?

"Es kann helfen, sich vor dem Schlafengehen vor Augen zu führen, dass man in Sicherheit ist", sagt Weeß. Ein mitgebrachtes Kissen aus der gewohnten Umgebung könne dieses Gefühl noch verstärken. "Auch ein heißes Bad vor dem Einschlafen fördert einen tiefen Schlaf", sagt der Schlafforscher. Bei wem das trotzdem nicht hilft, der kann sich immerhin vor Augen führen, dass das Gehirn meist nur in der ersten Nacht so ein Aufheben um den neuen Ort macht. Bei den meisten Menschen ist der Schlaf schon am nächsten Tag so tief wie gewohnt.

Und was macht man nun mit diesen neuen Erkenntnissen? "Es ist das erste Mal, dass dieses Phänomen genauer untersucht wurde und wir nun eine Idee davon bekommen, woher es kommt", sagt Weeß. Nun müssen die Ergebnisse der Forscher noch genauer untersucht und überprüft werden. Beispielsweise haben sie bisher nur den ersten Schlafzyklus untersucht, also die ersten 90 Minuten unseres Schlafs, in denen wir alle Schlafphasen das erste Mal durchlaufen. Es könne sein, dass sich das Hirn in den folgenden Zyklen noch anders verhalte.