Staatsanwaltschaften in mehreren Bundesländern gehen nach Informationen der Welt am Sonntag gegen betrügerische Apotheker vor. Es soll jeweils um millionenschwere Betrugsverfahren gehen. Die Verdächtigen arbeiteten zum Beispiel mit "Luftrezepten", schreibt die Zeitung und verweist auf aktuell anhängige Verfahren in Frankfurt am Main und Potsdam. Dabei rechneten Apotheker Tausende von Verschreibungen mit den gesetzlichen Krankenkassen ab, obwohl die verschriebenen Medikamente nie über ihre Ladentheken gingen. Sie machten dabei gemeinsame Sache mit Patienten und teils mit Ärzten.

Insgesamt deckten die gesetzlichen Krankenkassen zuletzt mutmaßliche Betrügereien von Apothekern in Höhe von 16 Millionen Euro auf, heißt es in dem Bericht. Die jährlichen Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für Arzneimittel lagen zuletzt bei rund 35 Milliarden Euro.

Der Deutsche Apothekerverband und die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände erklärten auf Anfrage der Zeitung, angesichts der Menge von 700 Millionen verschreibungspflichtigen Medikamenten pro Jahr sei Betrug in Einzelfällen nicht auszuschließen. Beweise, dass es sich um eine weit verbreitete Masche handele, lägen nicht vor.

Das Risiko ist für Apotheker überschaubar

"Luftrezepte sind Betrug an den Beitragszahlern. Und, was fast noch schlimmer ist, sie untergraben das Vertrauen der Patienten in die Ärzteschaft und die Apotheker", sagte der Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Florian Lanz. "Wir brauchen in Deutschland mehr Schwerpunktstaatsanwaltschaften, damit Betrug und Korruption im Gesundheitswesen besser bekämpft werden können." 

Derzeit sei das Risiko für Apotheker, entdeckt zu werde, gering, heißt es in dem Bericht. "Es gibt in diesen Konstellationen von krimineller Energie einzelner Personen üblicherweise nur wenige Mitwisser, und solange diese zusammenhalten und sich nicht gegenseitig verpfeifen, gibt es kaum eine Chance, dass es auffliegt", zitiert die Welt am Sonntag den Gesundheitsökonom Gerd Glaeske.

Abrechnungsbetrug von Pflegediensten

Bei der Generalstaatsanwaltschaft in Hessen gibt es seit 2009 eine Zentralstelle zur Bekämpfung von Vermögensstraftaten und Korruption im Gesundheitswesen. Ihr Leiter Alexander Badle sagte der Zeitung, seither habe diese 66 Ermittlungsverfahren gegen Apotheker und deren Kunden geführt.

Betrug und Korruption im Gesundheitswesen sind kein neues Phänomen und nicht auf Apotheker beschränkt. Die Organisation Transparency Deutschland schätzt, dass im Gesundheitssystem dadurch zwei bis acht Prozent der Mittel versickern – es geht um Milliardensummen. Erst Mitte April war bekannt geworden, dass den Sozialkassen durch Abrechnungsbetrug von Pflegediensten erheblicher Schaden entstanden ist.