Seit zehn Jahren ist die Spritze gegen Krebs in Europa zugelassen. Dennoch wird um den Impfstoff gegen Humane Papillomaviren (HPV) noch immer gestritten. Die Viren können bei Frauen unter anderem Gebärmutterhalskrebs auslösen. Weil die Wirksamkeit der Impfung bewiesen ist, wird sie Mädchen ab einem Alter von neun Jahren empfohlen. Doch was ist mit den Jungen? Schließlich können HPV auch bei Männern Krebs hervorrufen. Fachleute streiten über das beste Vorsorgemodell.

So verursachen HP-Viren Krebs

Humane Papillomaviren verursachen die häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. "Fast jeder Mensch infiziert sich im Laufe seines Lebens damit", schreiben Forscher des Deutsche Krebsforschungszentrums. Demnach stecken sich 75 bis 80 von 100 sexuell aktiven Menschen irgendwann einmal mit HPV an. Während einige Formen dieser Viren zu vergleichsweise harmlosen Gewebeveränderungen wie Warzen führen, erhöht eine Infektion mit bestimmten Virentypen das Risiko, an Krebs zu erkranken. Vor allem bedenklich: die Varianten HPV 16 und 18.

Sie werden zumeist beim Geschlechtsverkehr übertragen, auch beim Oralsex. Ebenfalls möglich, aber seltener, ist die Übertragung von einer Mutter auf ihr Kind während der Geburt.

Sind solche Viren in den Körper eingedrungen, versuchen sie, ihr Erbmaterial in die Zellen einzuschleusen. Gelingt dies, kommt es zu zellulären Fehlbildungen. Schlimmstenfalls führt das zu bösartigen Wucherungen, also zu Tumoren.

Viren, die Krebs verursachen – eine Entdeckung, die einen Nobelpreis wert war

Der Forscher Harald zur Hausen hat Anfang der 1980er Jahre den Nachweis erbracht, dass HP-Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Damit schuf der heute 80-Jährige die Voraussetzung für die Entwicklung eines ersten Impfstoffes, der seit 2006 auf dem europäischen Markt zugelassen ist. Im Jahr 2008 bekam zur Hausen für seine Forschung den Medizinnobelpreis. Heute erforscht er weitere Viren, die im Verdacht stehen, Tumore zu verursachen.

Mittlerweile stehen in Europa vier Vakzine zur Verfügung: Gardasil und Cervarix bieten seit Jahren einen zuverlässigen Schutz vor HPV-Infektionen. Ein weiteres Mittel namens Silgard ist mit Gardasil identisch und wird in Deutschland fast nicht genutzt.