Peter Thiel ist 48, aber er denkt täglich an den Tod – beziehungsweise daran, wie man ihn vermeiden könnte. Es gebe drei Wege, sich dem Problem des Todes zu nähern, hat der Silicon-Valley-Investor einmal einem Journalisten erzählt: "Man kann ihn akzeptieren, man kann ihn leugnen, oder man kann ihn bekämpfen." Er selbst zählt sich zu den Kämpfern, experimentiert mit allerlei Diäten, nimmt Wachstumshormone. Und bald will er eine neue Methode ausprobieren: Thiel, das berichtet die Website Inc.com, will an einem klinischen Test teilnehmen, bei dem alternden Menschen ab 35 das Blut junger Menschen gespritzt wird, um ihre Körper wieder jugendlich frisch zu machen.

Selbst unter den schillernden Persönlichkeiten der Hautevolee des Silicon Valley ist Peter Thiel ein Exot. Der milliardenschwere Venture-Kapitalist, der einst PayPal gründete und zu den ersten Investoren von Facebook gehörte, unterstützt im Präsidentschaftswahlkampf Donald Trump. Er hasst jegliche staatliche Regulierung so sehr, dass er schon in Firmen investiert hat, die unabhängige, in internationalen Gewässern dümpelnde Seasteads etablieren wollen – dauerhafte Siedlungen im Meer außerhalb jedweder Kontrolle durch Nationen. Und Thiel wird sich einfrieren lassen, sollte er doch noch ableben, ehe der Schlüssel zur Unsterblichkeit gefunden ist – um sich dann wieder auftauen und reparieren zu lassen.

Die Idee, dass der jugendliche Körper, insbesondere das jugendliche Blut, eine Essenz enthält, die ältere als Jungbrunnen nutzen können, ist nicht neu. Anfang des 17. Jahrhunderts soll die ungarische "Blutgräfin" Elisabeth Báthory junge Frauen auf ihr Schloss gelockt und sie auf grausame Weise getötet haben, um in ihrem Blut zu baden und dadurch die eigene Jugend zurück zu holen. Auch alle Vampir-Legenden enthalten im Kern diesen Mythos. Dass Silicon-Valley-Firmen immer wieder "frisches Blut" brauchen, ist bekannt – nur hat das bisher niemand so wörtlich genommen wie Thiel.

Experimente mit zusammengenähten Mäusen

Die neuen Experimente mit jungem Blut sollen allerdings auf seriöser Wissenschaft beruhen, und die Alten müssen die Jungen auch nicht mehr umbringen – eine regelmäßige Transfusion soll reichen. Ein wenig makaber sind die Ursprünge der neuen Therapie allerdings auch. Forscher der Stanford-Universität im kalifornischen Palo Alto machen seit einigen Jahren Experimente mit sogenannter Parabiose: Sie nähen alte und junge Mäuse zusammen, sodass diese einen gemeinsamen Blutkreislauf haben, und untersuchen dann, was dieser Blutaustausch mit den Körpern der Nagetiere macht. Der Stanford-Forscher Tomas Rando entdeckte diese Technik wieder, mit der schon in den 1950er Jahren experimentiert worden war. Und er stellte fest, dass sich Muskel- und Leberzellen in den alten Mäusen innerhalb von wenigen Wochen regenerierten. Auch Stammzellen, die in älteren Tieren in einer Art Dauerschlaf sind, wachten wieder auf und begannen, sich zu teilen.

Randos Kollege Tony Wyss-Coray, ein aus der Schweiz stammender Mikrobiologe, versuchte diese Ergebnisse aufs Gehirn zu übertragen. Wyss-Coray forscht über die Alzheimersche Krankheit und war durch eine Bemerkung Randos elektrisiert worden: Das junge Blut habe bei den alten Mäusen auch neue Hirnzellen wachsen lassen.

Wyss-Coray begann, mit Parabiose-Mäusen zu forschen und konnte diesen Regenerationsprozess im Mäusehirn tatsächlich bestätigen. Zudem fand er heraus, dass das Zusammennähen der Tiere – für das er wohl wenige menschliche Probanden gefunden hätte – gar nicht nötig war. Auch wenn man einer alten Maus nur das Blutplasma einer jungen spritzte, ließ sich die biologische Uhr zurückdrehen. Tony Wyss-Coray gründete eine Firma und begann, an 18 Versuchspersonen im frühen Alzheimerstadium zu testen, ob sich zumindest die Verschlechterung im Geisteszustand der Patienten durch die regelmäßige Transfusion jungen Blutes verzögern ließe. Erste Ergebnisse sollen Ende dieses Jahres vorliegen.