Innerhalb von nur 20 Jahren haben sich die gesundheitlichen Probleme der chinesischen Bevölkerung dramatisch verändert. Mittlerweile erleiden immer mehr Chinesen Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Solche und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen nehmen stetig zu, warnen US-Forscher der Harvard-Universität in Massachusetts. Aus ihren Analysen geht etwa hervor, dass von 6,8 Millionen Chinesen über 35 Jahre, die im Jahr 2011 starben, etwa drei Millionen (44 Prozent) auch Herzkrankheiten und Kreislaufleiden hatten.

Die Wissenschaftler der Chan School of Public Health gehen davon aus, dass der Wandel im Lebensstil dafür verantwortlich ist. Der falle mit dem schnellen Wachstum der chinesischen Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten zusammen. Der Wechsel von traditionellen zu eher westlichen Gewohnheiten sowie die Urbanisierung und Industrialisierung hätten hohen Blutdruck und Fettleibigkeit in China zu Volkskrankheiten gemacht, berichten die Forscher (Yanping Li et al., Journal of the American College of Cardiology, 2016). 

Hinzu komme, dass viele Chinesen rauchten und sich zu wenig bewegten. Dies und die steigende Zahl an Menschen, die in Fast-Food-Restaurants essen, erhöhe die Wahrscheinlichkeit, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leiden, deutlich. Für ihre Studie wertete das Team um die Gesundheitswissenschaftlerin Yanping Li Gesundheitsdaten von 26.000 Menschen aus neun chinesischen Provinzen aus. Dazu verglichen sie über einen Zeitraum von 1991 bis 2011 etwa Werte wie Cholesterin- und Blutzuckerspiegel, Blutdruck und Gewicht innerhalb der Bevölkerung.

Mehr und mehr Menschen verzehren demnach viel rotes Fleisch, trinken zuckerhaltige Getränke und essen zu salzig. All dies sind bekannte Risikofaktoren für Bluthochdruck, Fettleibigkeit und Schlaganfälle. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind damit in China mittlerweile Todesursache Nummer eins. Im Jahr 1979 etwa hatten nur 7,7 Prozent der Chinesen einen erhöhten Blutdruck. 2010 waren es bereits 33,5 Prozent. Dies sei vergleichbar mit dem Wert für erwachsene US-Bürger.

Die Forscher der Harvard-Universität erwarten in den kommenden zwei Jahrzehnten einen weiteren Anstieg der Herz-Kreislauf-Erkrankungen in China. Mit "Millionen weiterer Fälle von Herzinfarkten und Schlaganfällen" sei zu rechnen, sagte die Hauptautorin der Studie Yanping Li. Derzeit seien bereits geschätzte 40 Prozent dieser beiden Leiden allein auf erhöhten Blutdruck zurückzuführen.