Bei den Blutspendediensten in Deutschland werden die Blutkonserven knapp. Es drohe ein Engpass, warnen mehrere Dienste eindringlich. "In dieser Schärfe haben wir so eine Situation noch nicht gehabt bundesweit", sagte Kerstin Schweiger, Sprecherin der Blutspendedienste Ost des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Üblicherweise helfen besser versorgte Regionen dort aus, wo es an Konserven mangelt. Weil in ganz Deutschland aber über längere Zeit deutlich weniger Menschen als üblich gespendet hätten, könnten sich die regionalen Dienste kaum gegenseitig unterstützen. Grund für die wenigen Spenden seien die Sommerferien, Großereignisse und die andauernde Herbsthitze.

Weil viele Blutprodukte und -konserven nur kurze Zeit haltbar sind, benötigen die Blutspendedienste kontinuierlich Spenden. Der Weg vom Spender bis zum Patienten dauert nach DRK-Angaben bis zu 36 Stunden. Die verschiedenen Präparate, die aus einer Spende gewonnen werden können, müssen erst vorbereitet werden. Bis zu drei Produkte können das sein: Konzentrate aus roten Blutkörperchen, aus Blutplättchen und Plasmapräparate. Das DRK deckt mit seinen Blutspendediensten etwa 70 Prozent des Blutbedarfs in Deutschland ab. Die meisten Produkte aus Spenderblut erhalten Krebspatienten.

Grund für den außergewöhnlich langen Engpass sei eine Verkettung mehrerer Umstände, sagte Schweiger. Erst lockte die Fußball-EM potenzielle Spender vor die Fernseher, dann begannen die für Blutspendedienste traditionell schwierigen Sommerferien – und Olympia. Schließlich setzte die Septemberhitze ein. "Diese Hitzewelle macht auch Gesunden zu schaffen", sagte Schweiger. Selbst manche Spendewillige könnten etwa wegen Kreislaufproblemen nicht zur Ader gelassen werden.

Notfälle könnten aktuell zwar noch versorgt werden, sagte der Sprecher der DRK-Blutspendedienste West in Düsseldorf, Stephan Küpper. Einige Kliniken müssten aber mangels Spenderblut bereits umplanen. Der private Blutspendedienst Haema teilte kürzlich mit: "Alle Operationen, die ohne Gefahr für den Patienten verschoben werden können, stehen hinten an."

An der Düsseldorfer Universitätsklinik etwa fehlten laut DRK in den vergangenen Wochen täglich bis zu 30 Prozent an Spenden. Panik verbreiten wolle man nicht, sagte Küpper. Eine Versorgung im Katastrophenfall mit erhöhtem Konservenbedarf könnte jedoch angesichts der aktuell knappen Vorräte nicht mehr gewährleistet sein.

Die Blutspendedienste appellieren auch an Menschen, die bisher keine Spender waren, nun umzudenken. In Deutschland spenden nach DRK-Angaben im Schnitt etwa drei Prozent der gesamten Bevölkerung Blut. Spender müssen mindestens 18 Jahre alt sein.