Auf Haiti gibt es erste Todesfälle durch Cholera. Nachdem der Hurrikan Matthew in der vergangenen Woche schwere Schäden in dem Land angerichtet hatte, wurden mindestens 200 Verdachtsfälle registriert. Das teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit. Aus dem Bezirk Anse-d'Hainault wurden bereits 50 Todesfälle durch Choleraerkrankungen gemeldet.

Die Hilfsorganisation Save the Children forderte schnelle Gegenmaßnahmen, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Die WHO schickte eine Millionen Impfeinheiten gegen Cholera nach Haiti.

Durch den Hurrikan wurden viele Außentoiletten überschwemmt. Die verbleibenden Sanitäranlagen seien in schlechtem Zustand und würden von vielen Menschen genutzt. Sauberes Trinkwasser ist in Haiti zudem sehr knapp. Neben den Impfeinheiten müssten jedoch noch weitere Schritte gegen die Ausbreitung der Seuche unternommen werden, teilte die WHO mit. "Das Wichtigste ist, die Menschen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen und die Abwasserentsorgung zu verbessern", sagte WHO-Choleraexperte Dominique Legros.

"Das Wasser ist hochgradig kontaminiert, weil Latrinen zerstört und sogar ganze Friedhöfe überschwemmt wurden. Es besteht die Gefahr, dass Seuchen wie die Cholera ausbrechen", sagte der Leiter von Caritas International, Oliver Müller. Durch diese Umstände werde die Ausbreitung von Cholera gefördert. Bei Cholera handelt es sich um eine Infektion mit Cholerabakterien. Diese führt zu Durchfall und starker Dehydrierung des Körpers. Cholera kann zum Tod führen.

Einzelne Regionen nach wie vor von Versorgung abgeschnitten

In dem vom Hurrikan Matthew stark verwüsteten Südwesten Haitis sind am Mittwoch erste größere Lieferungen von Lebensmitteln für die Not leidende Bevölkerung eingetroffen. Zwei Lastwagen des Welternährungsprogramms (WFP) und anderer Hilfsorganisationen trafen in den besonders betroffenen Städten Port-Salut und Roche-à-Bateau ein, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die Ladung reichte allerdings nicht aus, um die Tausenden Bedürftigen zu versorgen.

Matthew hatte am Dienstag vergangener Woche vor allem die südliche Hälfte des Karibikstaates schwer verwüstet. Nach vorläufigen Angaben der Behörden kamen 372 Menschen ums Leben, es wird jedoch befürchtet, dass die Zahl der Toten deutlich höher liegt. Manche Regionen sind noch immer vom Rest des Landes abgeschnitten. In einigen Städten sind nach Angaben von Hilfsorganisationen 80 Prozent der Häuser zerstört oder beschädigt.

Zehntausende Menschen sind in Notunterkünften untergebracht. Haiti hat sich noch immer nicht von den Folgen des schweren Erdbebens von 2010 erholt, bei dem 250.000 Menschen ums Leben kamen.

Der Hurrikan traf auch auf die Ostküste der USA, allerdings bereits deutlich abgeschwächt. Dennoch sind in den USA zehn Menschen durch Matthew getötet worden. Sie starben bei Autounfällen, ertranken in überschwemmten Fahrzeugen oder wurden von Bäumen erschlagen. In mehreren Orten wurden Häuser zerstört, Straßen überflutet und mehr als eine Million Menschen waren zeitweise ohne Strom. In Florida spülte die Sturmflut den Atlantic Coast Highway auf einer Länge von mehreren Kilometern weg.