Kaldi hütete seine Ziegen, als er die Droge entdeckte. Eine Weile hatte er beobachtet, dass es etwas Besonderes gab auf den äthiopischen Wiesen, auf denen er die Tiere weiden ließ. Immer wenn die Ziegen die Blätter und Früchte eines bestimmten Baumes fraßen, wurden sie ungewöhnlich aktiv. Bis zum späten Abend wollten sie nicht einmal ein Nickerchen machen. Der Hirte wurde neugierig. Da die roten, kirschförmigen Früchte zu fest waren, um sie zu zerkauen, aß Kaldi die Blätter der Pflanze und spürte bald ihre Wirkung: Er fühlte sich frisch und hatte das Gefühl, nie wieder müde zu werden. Der Hirte hatte den Kaffee entdeckt.

So wird die Legende erzählt, ob es sich wirklich so zugetragen hat, konnte nie geklärt werden. Dennoch, die Geschichte erzählt etwas darüber, wie die Drogen in die Welt kamen und die Menschen zu den Drogen. Und darüber, warum viele bis heute die Wirkung von Drogen erleben wollen – egal ob legal oder illegal, egal ob die des anregenden Koffeins, des beruhigenden Cannabis oder des halluzinogenen LSD.

Drogen sind ein Teil des gesellschaftlichen Lebens. Sie dienen der Selbsterfahrung, als Medizin oder werden zur Entspannung und zum Spaß konsumiert. Viele Menschen nehmen sie, wenn auch nicht alle. Dass der Konsum in einigen Fällen strafbar ist, hält viele nicht ab. Sie gehen lieber das Risiko ein, auf dem schwer einschätzbaren Schwarzmarkt zu kaufen, als auf den Rausch zu verzichten.

Das und die gesundheitlichen Gefahren, die Drogen bergen, machen einen aufgeklärten Umgang mit dem Thema erforderlich. Dieses Ziel hat der Global Drug Survey, eine weltweite Befragung zum Drogenkonsum (mehr Informationen finden Sie hier). ZEIT ONLINE kooperiert mit den Initiatoren und ruft Sie, die Leser, regelmäßig auf, an der Umfrage teilzunehmen.

Diese Befragung dient dazu, das Konsumverhalten weltweit besser einschätzen zu können, den sich stetig wandelnden Markt zu beobachten und die Einnahme von Drogen zumindest sicherer zu machen. Denn verbannen lassen sie sich nicht. Die Lust am Rausch existiert seit Jahrtausenden und ist sogar Teil der Natur.

Global Drug Survey 2018
ZEIT ONLINE ruft auf zur größten Drogenumfrage.

Evolutionärer Vorteil durch Drogen

"Drogen sind – wie unsere Reaktionen auf sie – das Produkt eines raffinierten evolutionären Wechselspiels zwischen Flora und Fauna", schreibt der Kulturhistoriker Mike Jay in seinem Buch High Society. Seit Millionen Jahren produzieren Pflanzen berauschende Stoffe. Nicht aus Spaß oder um anderen Lebewesen ein gutes Gefühl zu bereiten, sondern weil sie sich dadurch unter anderem evolutionäre Vorteile verschaffen.

Kaldis Ziegen zum Beispiel dienten als Transportmittel für die Samen des Kaffeebaums. Indem die Ziegen die Früchte aßen und an anderer Stelle wieder ausschieden, verbreitete der Baum seine Saat. Zur Belohnung fühlten sich die Ziegen euphorisiert. Damit stellte die Pflanze gleich sicher, dass die Tiere auch künftig von ihr naschen würden.