In Großbritannien könnte es bald keine homöopathischen Therapien auf Staatskosten mehr geben.

Die Briten haben keine gesetzlichen Krankenkassen wie hierzulande. In Großbritannien regelt und organisiert der staatliche Gesundheitsdienst, der National Health Service, kurz NHS, die Grundversorgung. Alles, was aus Sicht des Staates medizinisch notwendig ist, gibt es in öffentlichen Gesundheitszentren und Kliniken kostenlos. Alles andere muss man selbst zahlen oder über eine Privatversicherung. Bisher bekamen Briten auch homöopathische Mittel und Therapien auf Staatskosten, entweder verschrieben vom Arzt oder angeboten in speziellen vom NHS anerkannten Homöopathiezentren.

Homöopathie – "im besten Fall ein Placebo"

Das soll sich nun ändern, wie aus Vorschlägen für neue Verschreibungsrichtlinien hervorgeht. Homöopathie sei "im besten Fall ein Placebo und ein Missbrauch knapper NHS-Mittel", sagte NHS-Chef Simon Stevens.

Doch nicht die Tatsache, dass Homöopathie keine nachgewiesene Wirkung hat, scheint der Hauptgrund für die geplanten Kürzungen zu sein. In erster Linie darf der NHS nicht mehr so viel Geld ausgeben und plant daher, pro Jahr 190 Millionen Pfund (etwa 221 Millionen Euro) einzusparen. Verschreibungspflichtige homöopathische Mittel hätten Großbritannien im vergangenen Jahr etwa 92.000 Pfund (rund 107.000 Euro) gekostet. 

Neben Globuli und Tinkturen sollen deshalb auch weitere Mittel nicht länger auf NHS-Kosten verschrieben werden. Dazu zählen pflanzliche Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren, aber auch diverse Schutzimpfungen für Reisen. Diese durchaus oft sehr sinnvollen Impfungen müssen Briten künftig ebenfalls selbst bezahlen.

"Wir müssen unnötige Ausgaben beenden, um mit dem NHS-Geld einen größeren therapeutischen Nutzen zu erzielen", sagte der medizinische Direktor des Gesundheitssystems, Sir Bruce Keogh. Er forderte eine ehrliche Debatte über die öffentliche Förderung von Medikamenten. 

© Peter Macdiarmid/Getty Images
Was bringen Globuli?

Was bringen Globuli?

Die Deutschen lieben Homöopathie. Auch wenn Experten sie seit 200 Jahren anzweifeln. Denn sie kann gar nicht wirken.

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Wann entstand die Homöopathie?

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Falsch. Die Homöopathie hat sich Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt. Die Menschen suchten Alternativen zur damals oft brutalen Schulmedizin. Die Nationalsozialisten überprüften tatsächlich die Homöopathie auf ihre Wirkung, stellten aber fest, dass sie nicht wirkt.

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Hulton Archive/Getty Images
Er begründete die Homöopathie

Er begründete die Homöopathie

Samuel Hahnemann ist der Vater der vermeintlichen Heilmethode. Das Konzept dachte er sich allein aus – und prüfte es in Selbstversuchen.

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Samuel Hahnemann

Samuel Hahnemann

Begründer der Homöopathie.

"Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden."

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Die Chefin der britischen Homöopathie-Gesellschaft kritisierte die Pläne. Sie seien "schlecht für das schon überlastete Budget und für die Patienten", sagte Cristal Sumner. "Diese Empfehlungen sind nicht kostensparend, weil den Patienten statt homöopathischen Mitteln teurere konventionelle Medikamente verschrieben würden. "Das hebt den Zweck der Sparpläne auf", sagte Sumner.

Keine nachweisbare Wirksamkeit

Die Homöopathie beruht auf den Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann. Gleiches muss gegen Gleiches helfen, so ähnlich lautet eines der Prinzipien dieser Lehre. Nur extrem verdünnt. Eine Vielzahl gut gemachter Studien und auch zahlreiche Übersichtsstudien – also die Auswertung sehr vieler Einzelarbeiten – zeigt: Homöopathische Mittel haben keine nachweisbare Wirkung auf die Gesundheit. Einzig ein Placeboeffekt, also eine gefühlte Verbesserung eines Leidens nach Einnahme solcher Mittel, konnten einige Studien zeigen.

In den USA muss auf Mitteln, die homöopathisch sind, mittlerweile der Hinweis stehen, dass sie "keine nachgewiesene Wirksamkeit" haben. Einige Politiker fordern Vergleichbares für Deutschland. Deutsche Krankenkassen übernehmen die Kosten für einige homöopathische Mittel, ungeachtet fehlender Wirknachweise.