Die Behandlung von Aids-Patienten könnte bald weit weniger aufwendig werden als bisher: Injektionen im Abstand von vier bis acht Wochen können laut einer Studie das HI-Virus im Körper ebenso gut kontrollieren wie die bisher übliche tägliche Einnahme von Tabletten. Das berichtet ein internationales Forscherteam (The Lancet: 2017).

Sollten weitere und größere Studien die Ergebnisse bestätigen, könnte erstmals eine Injektionstherapie gegen HIV auf den Markt kommen. Unabhängige Experten bewerten das im The Lancet als bedeutenden Schritt in der Geschichte der HIV-Therapie. Auf dem weltgrößten Aids-Kongress in Paris begutachten noch bis zum Mittwoch mehr als 6.000 Wissenschaftler aus aller Welt die neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen.

Bei der antiviralen HIV-Therapie nehmen Patienten bislang täglich drei Wirkstoffe oral ein, die die Viruslast im Blut unter die Nachweisgrenze drücken können. Seit einigen Jahren gibt es Kombinationspräparate, sodass Betroffene nur noch eine Tablette pro Tag benötigen.

In der Studie, die vor allem die Sicherheit der Therapie prüfte, nahmen rund 300 Teilnehmer zunächst 20 Wochen lang drei Wirkstoffe als Tabletten ein, um die Viruslast im Körper zu senken. Danach führten knapp 60 Patienten diese Behandlung fort, während jeweils 115 Teilnehmer zwei Wirkstoffe im Abstand von vier und acht Wochen intramuskulär injiziert bekamen.

Nach knapp zwei Jahren (96 Wochen) war die Viruskontrolle bei der Injektionstherapie sogar etwas ausgeprägter als bei der konventionellen Tabletteneinnahme. Bei rund 90 Prozent der Betroffenen wurde das Virus dauerhaft unterdrückt – sowohl bei Injektionen im Abstand von vier Wochen wie auch von acht Wochen. Häufigste Nebenwirkung waren Schmerzen an der Einstichstelle, die im Mittel nach drei Tagen abklangen.

Vier Teilnehmer zeigten keine Reaktion

Die Ergebnisse zeigten, "dass eine langwirkende injizierbare antivirale Therapie über einen langen Zeitraum sowohl hocheffektiv sein, als auch gut vertragen werden kann", sagt Co-Autor Joseph Eton von der University of North Carolina in Chapel Hill. Die achtwöchige Therapie schlug bei vier Teilnehmern nicht an. Zulassungsstudien für die vierwöchige Therapie laufen.

Norbert Brockmeyer von der Ruhr-Universität Bochum hält die neue Therapie für eine "gute Lösung für Menschen, die Probleme haben, täglich Tabletten zu nehmen". Auch dass diese Therapie nur zwei statt wie bisher üblich drei Substanzen enthält, wertet der Sprecher des Kompetenznetzes HIV/Aids als Fortschritt.

Derweil sehen HIV-Forscher die Zukunft ihres Fachs bedroht. Vor Beginn der Konferenz in Paris appellierten an die USA und andere Geldgeber, die Wissenschaft weiter ausreichend zu finanzieren. Kürzungen, wie sie beispielsweise im Weißen Haus geplant würden, seien eine ernste Gefahr für das Vorgehen gegen die Epidemie.

dpa
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