John McCain ist an Krebs erkrankt. Ärzte haben bei dem republikanischen US-Senator einen Hirntumor, ein Glioblastom, entdeckt. Was ist das genau? Wie fällt ein Hirntumor auf? Sind Wucherungen im Gehirn häufig? Und kann man sich schützen?

Wie macht sich ein Hirntumor bemerkbar?

Bei John McCain fiel den Ärzten der renommierten Mayo-Klinik ein Hirntumor auf, als man ein Blutgerinnsel über dem Auge entfernte. Oft aber gibt es auch Symptome, die auf eine Wucherung hindeuten: Der Kopf pocht und schmerzt, die Sprache wirkt verwaschen, plötzlich lässt sich ein Arm nicht mehr bewegen oder beginnt zu zucken. Der Betroffene wirkt plötzlich seltsam wesensverändert, steht planlos herum und vergisst, was er gerade tun wollte. Er findet nicht mehr die richtigen Wörter oder wird furchtbar traurig. Hinter all dem kann ein Hirntumor stecken, richtig spezifisch sind diese Symptome aber nicht.

Sind Hirntumore häufig?

Nein, Hirntumore sind eher selten. Sie machen nicht einmal zwei Prozent aller bösartigen Tumore aus.* Im Jahr 2013 registrierte das Robert-Koch-Institut in Deutschland gut 7.000 neue Fälle (Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland, 2016). Allerdings sind zwei Drittel aller Wucherungen im Kopf gutartig. Kinder erkranken zwar im Allgemeinen seltener an Krebs als Erwachsene, prozentual sind bei ihnen aber Hirntumore deutlich häufiger: Jeder vierte Krebs, den Ärzte bei einem Kind diagnostizieren, ist ein Hirntumor. Auch wenn Hirntumore nur einen kleinen Teil der Krebsdiagnosen ausmachen, stehlen sie viele Lebensjahre. Was verlorenene Lebensjahre angeht, landen sie bei Frauen nach Brust-, Lungen-, Darmkrebs und bösartigen Wucherungen der Eierstöcke auf Platz fünf der schlimmsten Krebserkrankungen, bei Männern nach Lungenkrebs, Darmkrebs und Krebs im Mund- und Rachenraum sogar auf Platz vier.

Wie entsteht der Krebs im Kopf?

Krebs entsteht, wenn sich Körper- oder Stammzellen** teilen und dabei Fehler machen. Bevor sich Zellen teilen, müssen sie ihr Erbgut verdoppeln – denn jede Zelle braucht einen eigenen Satz Gene. Wenn sich beim Kopieren des Erbguts Fehler einschleichen, kann es passieren, dass die Zelle sich unkontrolliert zu teilen beginnt und sich aus dem Verbund mit ihren Nachbarzellen herauslöst. Sie wird bösartig, vermehrt sich aggressiv, verdrängt gesundes Gewebe und kann mitunter auch in Form von Metastasen durch den ganzen Körper streuen – wobei das gerade für Hirntumore untypisch ist.

Seit 1970 hat sich die Anzahl der Krebsfälle in Deutschland fast verdoppelt (Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland, 2016). Die Zahl der Hirntumore steigt mit dem Alter (Deutsche Hirntumorhilfe, 2013). Einen großen Anteil daran hat, dass wir immer älter werden. Wer lange lebt, hat im Allgemeinen eine höheres Risiko, an Krebs zu erkranken. Denn die Zellen teilen sich im Laufe des Lebens häufiger. Und mehr Teilungen bedeutet: mehr Chancen, dass sich Fehler einschleichen. 

Wenn Krebs entsteht, ist immer eine Mischung aus erblichen genetischen Veränderungen, Umweltfaktoren wie Rauchen, Strahlung oder Ernährung, und Pech am Werk. Bei Hirntumoren spielt Pech eine größere Rolle als zum Beispiel bei Lungenkrebs (Science: Tomasetti et al, 2017). Während durch einen Verzicht auf Rauchen ein Gutteil der Lungenkrebsfälle verhindert werden könnte, sieht es bei Hirntumoren anders aus. Hier gibt es kaum Umweltfaktoren, die einen Tumor provozieren, und auch nur eine Handvoll genetischer Syndrome. Es ist also kaum möglich, den Lebensstil zu ändern, um Hirntumoren vorzubeugen.

Welche Arten von Hirntumoren gibt es?

Hirntumore können von den verschiedenen Zelltypen des Gehirns ausgehen: den Nervenzellen selber, den Hirnhäuten, die das Gehirn umhüllen, oder den Zellen, die die Nervenzellen stützen und ernähren, der sogenannten Glia. Die häufigsten gutartigen Wucherungen im Kopf gehen von den Hirnhäuten aus, die häufigsten bösartigen von der Glia (Neuro-Oncology: Ostrom et al, 2015). Allerdings sind auch gutartige Tumore im Kopf gefährlich. Denn wenn sie wachsen, drücken sie auf das Hirngewebe, das wegen des harten Schädelknochens nirgendwo hin ausweichen kann. Es entsteht Hirndruck, was lebensgefährlich werden kann. Muss operiert werden, ist zudem auch das gefährlich. Denn jede Operation am Gehirn ist besonders risikoreich, weil der Mensch – anders als beim Darm oder der Lunge – kaum auf Hirngewebe verzichten kann.

Zwei Drittel aller Hirntumore sind gutartig, ein Drittel ist bösartig. Der bösartigste Hirntumor ist dabei ausgerechnet einer der häufigsten: das Glioblastom, mit dem John McCain diagnostiziert wurde. Glioblastome machen ungefähr die Hälfte aller bösartigen Hirntumoren aus. Sie wachsen rasend schnell – im Schnitt verdoppelt ein Glioblastom seine Größe alle 50 Tage (Neuro-Oncology: Stensjøen, 2015). Es wächst dabei so schnell, dass selbst die Blutgefäße kein Blut mehr in sein Inneres transportieren können – der Kern der Wucherung stirbt.

Kann man den Krebs heilen? Wie ist die Prognose?

Es gibt einige Hirntumore, die man durch eine Operation heilen kann, andere werden nur bestrahlt. Wieder andere wachsen so langsam, dass sie keine Therapie brauchen. Das Glioblastom aber gehört nicht dazu. Obwohl man die Wucherung meistens herausoperiert, bestrahlt und den Erkrankten eine Chemotherapie verabreicht, überlebt nur ein Drittel das erste Jahr nach der Diagnose (Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention: Thakkar, 2014) und nur jeder Siebte das zweite. Das Glioblastom gilt als unheilbar. Nach neuen Therapien wird deshalb händeringend gesucht (New England Journal of Medicine: Chinot et al, 2014).

Ich habe Kopfschmerzen – muss ich mir jetzt Sorgen machen?

Nein, überhaupt nicht. Dazu ein Beispiel aus der Hauptstadt: Während in Berlin durchschnittliche 240 Menschen*** pro Jahr an einem Hirntumor erkranken, haben 900.000 Berliner regelmäßig Kopfschmerzen – sie haben Migräne, Spannungskopfschmerz oder einfach zu wenig getrunken. Meist muss man sich also keine Sorgen machen, wenn der Kopf weh tut.

*in einer früheren Version des Artikels hieß es, Hirntumore seien die viert- bzw. fünfthäufigste Krebsart in Deutschland. Diese Angabe bezog sich auf die verlorenen Lebensjahre. Hirntumore sind natürlich deutlich seltener. Wir haben dies korrigiert und bitten die Verwechslung zu entschuldigen.

**in einer früheren Version des Artikels hieß es, Krebszellen entstünden einzig aus Stammzellen. Obwohl die Forschung in letzter Zeit die Rolle der Stammzellen in der Krebsentstehung betont, ist das nicht korrekt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

***in einer früheren Version des Artikels hieß es, in Berlin gäbe es 24 Neuerkrankungen pro Jahr. Bei knapp 7 Neuerkrankungen auf 100.000 Menschen, handelt es sich natürlich um ungefähr 240 Neuerkrankungen. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.