Wenn Menschen nachts oder am Wochenende ärztliche Hilfe benötigen, gehen sie immer häufiger ins Krankenhaus. Das ergab die Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für die 5.621 Menschen zwischen 18 und 79 Jahren befragt worden sind. Während 2006 noch weniger als ein Drittel bei Notfällen Krankenhäuser aufsuchte, sind es 2017 fast die Hälfte. Immer weniger Menschen gaben an, sich an einen ärztlichen Bereitschaftsdienst zu wenden; seinen Hausarzt kontaktiert fast niemand in solchen Fällen.

Kliniken beklagen sich seit Längerem, dass die Notaufnahmen vor allem am Wochenende überfüllt sind – oft mit Menschen, die zwar Beschwerden, aber keine Notsituation haben. Eigentlich sieht das deutsche Gesundheitssystem vor, dass sich diese Menschen an Notdienste der Kassenärztlichen Vereinigung wenden. Dort werden sie an den nächsten niedergelassenen Arzt mit Bereitschaft vermittelt.

Die Befragung zeigt, dass vor allem junge Menschen bei Problemen nachts oder am Wochenende ins Krankenhaus fahren. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 60 Prozent, bei den 70- bis 79-Jährigen 31 Prozent. Allerdings rufen die Älteren häufiger bei den Rettungsdiensten an, und auch die beschweren sich über eine zu hohe Zahl an unnötigen Einsätzen. Menschen würden beispielsweise den Krankenwagen rufen, wenn das Kind Fieber oder jemand sich in den Finger geschnitten habe, hatte beispielsweise die Berliner Feuerwehr mitgeteilt. 

Zusätzlich zur Umfrage hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung zudem in einer qualitativen Studie Patienten zu ihren persönlichen Erfahrungen in Notfällen befragt. Eine Mehrheit der Teilnehmer wusste demnach nicht, dass es die Bereitschaftsnummer der Kassenärztlichen Vereinigung überhaupt gibt. "Wir müssen die 116117 populärer machen", hatte der KBV-Chef Andreas Gassen bereits im Februar gefordert. 

Seit dem 1. April dieses Jahres belohnen Krankenkassen die Krankenhäuser dafür, dass sie Patienten zu niedergelassenen Ärzten schicken, wenn es sich nicht um einen Notfall handelt. Allerdings sorgt die Abklärungspauschale auch für Streit: Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft üben die Krankenkassen dadurch Druck auf die Notfallambulanzen aus.

"In zwei Minuten soll die verwaltungsmäßige Erfassung der Patienten stattfinden und ein Mediziner Zeit haben, um eine Diagnose zu stellen, die medizinisch korrekt und auch rechtssicher ist", hatte der Hauptgeschäftsführer Georg Baum im April gesagt. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatten Baums Aussagen als "ausgemachten Unsinn" bezeichnet. 

Um das Problem der überfüllten Notfallambulanzen zu lösen, siedelt der ärztliche Notdienst seine Notfallpraxis in manchen Regionen mittlerweile direkt in der Klinik an, hatte Christian Heinrich im Mai auf ZEIT ONLINE geschrieben.