Überzeugte Nutzer verweisen oft darauf, Homöopathie wirke auch bei Kleinkindern und Tieren. Und diese wüssten gar nicht, dass sie behandelt werden, daher könnten sie nicht die Erwartung haben, dass die Behandlung ihnen hilft. Folglich könne sie nicht allein durch den Placeboeffekt wirken.

Auch in diesem Argument steckt ein Denkfehler. Denn wer sagt, dass es nur einen Mechanismus für den Placeboeffekt gibt? Der Placeboeffekt scheint nicht einmal vorauszusetzen, dass Patienten eine Besserung erwarten. Eine Studie des Mediziners Ted Kaptchuk von der Harvard University ergab, dass Placebos sogar dann helfen können, wenn die Patienten wissen, dass es sich um ein Scheinmedikament handelt. Bei Kindern und Tieren gibt es einen weiteren Wirkmechanismus: "placebo by proxy". Hier vermittelt den Effekt eine andere Person, die mit einer Wirkung rechnet. Die Eltern beziehungsweise Tierhalter benehmen sich beispielsweise optimistischer und entspannter, was sich günstig auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Studien belegen die Placebowirkung durch Nahestehende hinlänglich.

Außerdem achten wir sehr genau auf jedes Anzeichen einer Besserung, wenn wir diese erwarten. Ein ähnliches Phänomen ist als "Rosenthal-Effekt" in der Psychologie gut bekannt. 1963 ließ der Psychologe Robert Rosenthal Probanden Ratten durch ein Labyrinth schicken und notieren, wie gut sich die Tiere dabei anstellten. Es gab zwei Gruppen von Ratten, die zuvor als besonders schlau oder dumm deklariert wurden. Wer mit angeblich klugen Nagern arbeitete, bewertete ihre Leistung im Experiment wohlwollender. Wie man seither weiß, kann die Messung von Behandlungseffekten dadurch verzerrt werden, dass die Beteiligten eine bestimmte Erwartung haben.

4. "Man kann eben nicht alles mit Studien beweisen."

Manche Befürworter haben es aufgegeben, klinische Studien für ihre Argumentation heranzuziehen. Sie behaupten stattdessen, solche Studien hätten im Fall der Homöopathie keine Aussagekraft. Homöopathen seien bemüht, immer genau das Präparat zu finden, das für einen ganz bestimmten Patienten passend ist. Zwei Menschen, die beide über Kopfschmerzen klagen, erhalten zum Beispiel nicht unbedingt das gleiche Mittel. Daher ließe sich Homöopathie grundsätzlich nicht mit klassischen klinischen Studien überprüfen.

Dieses Argument beruht ebenfalls auf einem Denkfehler. Denn natürlich lässt sich testen, ob individuell verordnete Präparate eine Wirkung haben. Dazu muss man lediglich entsprechende Test- und Vergleichsgruppen bilden. Der einen Gruppe gibt man jeweils das Medikament, das der Homöopath individuell verschrieben hat, der anderen gibt man ein Placebo. Dann wertet man die Daten aus – genau wie bei jeder anderen Studie auch. Das wurde bereits mehrmals gemacht. Überzeugende Hinweise für die arzneiliche Wirksamkeit der Homöopathie ließen sich auf diesem Weg nicht finden.

5. "Soll erst mal jemand beweisen, dass es nicht hilft."

Einige Anhänger meinen, die Beweislast liege bei den Kritikern der Homöopathie. Der Journalist Jens Jessen schrieb etwa vor einigen Jahren in der ZEIT: "Aus dem Umstand, dass sich etwas nicht erklären oder mit gegenwärtigen Methoden nicht nachweisen lässt, folgt keineswegs, dass es nicht existiert. Gell, meine Herren Schulmediziner? Einen solchen Schluss lässt auch die strenge Erkenntnistheorie nicht zu. Die gleiche Skepsis, die gegen die Homöopathie spricht, lässt sich auch zu ihren Gunsten bemühen."

Dieses Argument verschiebt die Beweislast auf die Seite derjenigen, die an einer bestimmten Behauptung zweifeln. Das wirkt auf den ersten Blick vernünftig, denn warum sollten sich immer nur die Homöopathen rechtfertigen? Wäre es nicht fair, wenn man den Spieß auch einmal umdreht?

Doch Vorsicht – die meisten möglichen Hypothesen sind falsch. Den Weihnachtsmann und die Zahnfee gibt es nicht, obwohl ihre Nichtexistenz nie bewiesen wurde. Deswegen muss sich immer derjenige rechtfertigen, der etwas behauptet, und nicht derjenige, der an der jeweiligen Behauptung zweifelt.

Diese Maxime hat der englische Schriftsteller Christopher Hitchens einmal treffend so ausgedrückt: "Was ohne Beleg behauptet werden kann, kann auch ohne Beleg verworfen werden." Das gilt umso mehr, wenn die fragliche Behauptung von vornherein unplausibel ist. Bei der Homöopathie ist das der Fall. Sie behauptet, es gebe eine Wirkung ohne Wirkstoff. Diese These lässt sich nicht mit unserem gesicherten Wissen in Einklang bringen. Außerdem widerspricht sie unserer Alltagserfahrung über die Wirkung von Verdünnung. Wenn Sie weniger Kaffeepulver verwenden, würden Sie wahrscheinlich auch nicht erwarten, dass Ihr Kaffee stärker wird – selbst wenn Sie kräftig schütteln. Natürlich könnte das im Fall der Homöopathie anders sein. Aber das wäre schon ziemlich bemerkenswert! Wer das behauptet, muss eben auch außerordentlich starke Belege liefern.