Doch wer das Mittel regelmäßig schluckt, muss aufpassen. Ibuprofen gehört zu den nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), genau wie ASS und Diclofenac. NSARs hemmen bestimmte Enzyme mit dem umständlichen Namen Cyclooxygenasen. Das bewirkt, dass sich weniger Prostaglandine bilden. Diese Botenstoffe rufen Schmerzen und Entzündungen hervor, können den Körper fiebern und das Blut klumpen lassen.

Die NSARs sorgen aber auch dafür, dass sich im Magen weniger Schleim bildet, der die Schleimhaut vor der aggressiv-sauren Magensäure schützt. Die Folge können Reizungen und Magengeschwüre sein. Im schlimmsten Fall kann die Magenwand durchbrechen, was lebensgefährlich ist. Genauso wie wenn die Säure die Blutgefäße unter der Schleimhaut anfrisst und diese in den Magen oder Darm bluten. Gefährlich wird es vor allem für Menschen, die ohnehin einen angegriffenen Magen haben. Oder wenn man die Medikamente über lange Zeit nimmt, ohne zusätzliche Mittel, die die Magensäure hemmen.

"Von den Magenproblemen unter NSARs weiß man schon lange. Aber seit Kurzem wissen wir auch, dass sie Herzinfarkte und Schlaganfälle begünstigen können", sagt Tania Schink. Sie leitet am Leibnizinstitut für Präventionsforschung und Epidemiologie die Arbeitsgruppe Arzneimittelrisikoforschung. Schink arbeitete an einem weltweiten Projekt, das sich die Nebenwirkungen der NSARs genauer angeschaut hat. Herzinfarkte und Schlaganfälle, sagt Schink, sind nicht nur langfristige Nebenwirkungen. "Herzkranken Patienten kann auch der Kurzzeitgebrauch schaden." Ihnen raten die meisten Ärzte inzwischen, auf derlei Schmerzmittel zu verzichten.

Immer an die Zehnerregel denken

"Unter Ibuprofen kann auch der Blutdruck steigen und die Nieren können Schaden nehmen", sagt Jan-Peter Jansen. Und erst vor wenigen Tagen veröffentlichten Mediziner eine Studie, die zeigt, dass bei der Einnahme von Ibuprofen möglicherweise die Fruchtbarkeit von Männern leidet (PNAS: Kristensen et al, 2018). "Die Nebenwirkungen von Ibuprofen und NSARs werden unterschätzt", sagt Jansen, "diese Mittel langfristig zu schlucken, ist gefährlicher, als Opiate zu nehmen."

Eine gute Daumenregel, wie oft man Schmerzmittel nehmen darf, sei die Zehnerregel: Wer an mehr als zehn Tagen pro Monat Ibu oder andere Schmerzmittel nimmt, sollte sich an einen Arzt wenden. Und er sollte sich fragen, warum er Tabletten eigentlich schluckt.

Einer Umfrage der Pharmakonzerns Bayer zufolge nehmen viele Menschen Schmerzmittel, um wichtige Termine nicht zu versäumen oder die Alltagsaufgaben auf die Reihe zu bekommen. Das kann man durchaus kritisch sehen. Noch kritischer aber ist es, wenn Sportler prophylaktisch Schmerzmittel nehmen, um fit zu bleiben. Eine gängige Praxis, vom Profifußballer (British Journal of Sports Medicine: Tscholl & Dvorak, 2012) bis zum Hobby-Marathonläufer (Deutsches Ärzteblatt: Brune et al, 2008), auch wenn darunter öfter mal die Nieren versagen (BMJ Open: Küster et al, 2013). Besonders häufig im Einsatz: Diclofenac und natürlich Ibuprofen.

Immer aushalten schult das Schmerzgedächtnis

Hin und wieder schadet eine Tablette Ibuprofen hingegen nicht, solange keine Erkrankungen wie Nierenschäden, eine koronare Herzkrankheit oder ein Magengeschwür vorliegen. Denn wer seinen Schmerz immer aushält, tut dem Körper damit auch keinen Gefallen. "Bei chronischen Schmerzen verändern sich die Nervenzellen, die den Schmerz weiterleiten", sagt Jansen. "Sie können dann mitunter funken, auch wenn kein Schmerzreiz mehr da ist." Der Schmerz verselbstständigt sich, Mediziner nennen das Schmerzgedächtnis.

Dennoch ginge der Anspruch der Menschen mitunter zu weit. "Ein schmerzfreies Leben ist unrealistisch", sagt Jansen. Im Schmerzzentrum versuchten er und seine Kollegen meist, die Schmerzstärke auf die Hälfte zu reduzieren und den Menschen ein normales Leben zu ermöglichen. "Schmerzen gehören einfach zum Leben dazu."