Hausstaub, Erdnüsse, Hühnerei, Wespengift und Pollen – es sind solche eigentlich eher harmlosen Stoffe, die den Körper von Allergikern herausfordern. Schon Minuten nachdem sie den Stoff eingeatmet oder heruntergeschluckt haben, geht es los: Sie niesen, husten und der Darm rumort. Passiert nichts, droht Atemnot und ein gefährliches Absacken des Blutdrucks. Manche allergischen Anfälle können sogar tödlich enden.

Das geschieht, weil das eigene Immunsystem verrücktspielt. Eine zentrale Funktion des Immunsystems ist es, zwischen schädlichen und harmlosen Stoffen unterscheiden zu können. Während es gegen Krankheitserreger mit aller Härte vorgehen muss, damit der Körper gesund bleibt, muss es harmlose Stoffe ignorieren, oder – wie Allergologen sagen – tolerieren. Allergien entstehen, wenn der Körper das nicht schafft. Wenn das Immunsystem unverhältnismäßig stark auf sonst unbedenkliche Stoffe reagiert und eine Entzündung losbricht.

Bald könnte jeder zweite Europäer Allergiker sein

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Allergien sind keine Ausnahme mehr, sondern werden immer häufiger (Journal of Allergy and Clinical Immunology, Platts-Mills, 2015). Sie sind die neue Regel: Bis 2025 wird nach Schätzungen der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) die Hälfte aller Frauen und Männer in der EU unter einer Allergie leiden (EACCI: Tackling the Allergy Crisis in Europe, 2015; pdf). Schon in der von 2003 bis 2006 laufenden Studie zur Kindergesundheit in Deutschland (KiGGS) stellte das Robert Koch-Institut fest, dass mehr als 40 Prozent der Vorschulkinder auf einzelne Nahrungsmittel oder Umweltallergene wie Pollen allergisch reagierten (Bundesgesundheitsblatt, Schlaud et al., 2007; pdf).

"Dafür müssen Umweltfaktoren verantwortlich sein", sagt Eckard Hamelmann, Chefarzt im Kinderzentrum des Evangelischen Klinikums Bethel und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). "Die Zunahme von Allergien ist nicht durch genetische Veränderungen zu erklären." Oftmals sind Faktoren im Spiel, die schon in der Schwangerschaft und Stillzeit wirken. Was können werdende Eltern und stillende Mütter also tun, damit ihr Nachwuchs keine Allergien bekommt?

Die DGAKI empfiehlt Schwangeren deshalb nicht nur, Tabakrauch und Luftschadstoffe wie Autoabgase zu meiden, sondern auch auf Schimmel in der Wohnung aufzupassen. Auch wenn Mutter oder Kind sehr viel Gewicht haben, begünstigt das Allergien. Psychischer Stress während der Schwangerschaft, etwa Streitereien in der Familie und strapazierte Nerven im Alltag, beeinflussen das Allergierisiko ebenfalls.

Vieles davon lässt sich allerdings kaum ändern. Wer in der Stadt wohnt, kann schlecht mal eben für bessere Luft aufs Land ziehen. Einen großen Einfluss können Schwangere aber nehmen – durch ihre Ernährung. Denn ein Großteil von dem, was Mama isst, gelangt über das Plazentablut in den Blutkreislauf des Kindes. Das wissen die meisten werdenden Mütter ohnehin. Schon lange vor der Geburt kommt das ungeborene Kind also in Kontakt mit allerlei Stoffen, auf die es später allergisch reagieren könnte. Aber eben auch mit solchen, die den für die Allergie typischen Entzündungsreizen entgegenwirken.