Ein paar Wochen Diät machen und danach dauerhaft schlank sein? Dass das nicht klappt, wissen Ernährungswissenschaftler längst. Und doch halten sich Ratgeber und Empfehlungen dazu hartnäckig. Fad diets heißen sie im Englischen: Modediäten, die Gewichtsverlust oder andere Gesundheitsvorteile versprechen, aber wissenschaftlich keine Grundlage haben. Dazu zählt zum Beispiel die Scarsdale-Diät, nach der das Frühstück nur aus Kaffee, Grapefruit und Eiweißbrot bestehen soll. Am Ende des Tages darf man nicht mehr als 1.000 Kalorien aus magerem Fleisch, Fisch, Früchten und Gemüse zu sich genommen haben. Die Diät ist eine Mischung aus einer Low-Carb- (wenig Kohlenhydrate) und einer Low-Fat-Ernährungsweise (wenig Fett). Der Erfinder, ein US-amerikanischer Arzt, versprach schon in den 1970er Jahren: Wer sich daran halte, verliere zehn Kilogramm Gewicht binnen zwei Wochen.

Doch mittlerweile weiß man: Wer auf so eine Art abnimmt, erlebt oft nach kurzer Zeit den gefürchteten Jo-Jo-Effekt: Alle Pfunde setzen wieder an – und schlimmstenfalls gesellen sich noch ein paar dazu. Die meisten Menschen wünschen sich aber langfristige Abnehmerfolge. Die Hoffnung vieler, auch von Ernährungswissenschaftlern, liegt in den Genen: Schlägt eine bestimmte Art der Ernährungsumstellung vielleicht besser an, wenn die genetischen Voraussetzungen günstig sind? Und lässt sich eine Abnehmmethode auf den Stoffwechsel zuschneiden? Zahlreiche Studien haben das bereits untersucht, einige mit positiven Ergebnissen. Eine neue Erhebung der renommierten Stanford-Universität in den USA deutet jetzt in eine andere Richtung (Jama: Gardner et al., 2018).

Das Team um den Ernährungsforscher Christopher Gardner fand heraus: Erbgutmerkmale, die bisher in diversen Studien berücksichtigt wurden, haben offenbar doch nicht so einen entscheidenden Einfluss aufs Abnehmen. Auch auf den Stoffwechsel von Blutzuckerreglern wie dem Insulin lässt sich eine Diät nicht Erfolg versprechend optimieren. Ob kohlenhydratarme oder fettarme Ernährung – mit beiden Varianten nimmt man gleich gut oder schlecht ab.

609 Probanden – 481 hielten durch

Für ihre Studie setzten die Wissenschaftler 609 übergewichtige Frauen und Männer ein Jahr lang auf Diät, aufgeteilt in zwei Gruppen: Eine aß fettarm, die andere kohlenhydratarm. 481 Teilnehmer hielten bis zum Ende durch.

Sie folgten nach einer einmonatigen Umgewöhnungsphase, in der sie sich an die neue Ernährungsweise anpassen konnten, ein Jahr lang ihrem jeweiligen Diätplan. Eine Obergrenze für Kalorien gab es nicht, dafür aber die Vorgabe, sich gesund und vollwertig zu ernähren, mit möglichst viel Gemüse. Die Teilnehmer sollten auf industriell verarbeitetes Essen verzichten und vorwiegend selbst kochen. Regelmäßige Schulungen halfen dabei.

Um den Einfluss genetischer Faktoren auf das Diätergebnis ermitteln zu können, bestimmte das Team um Gardner vor Studienstart, welche Variante bestimmter Erbanlagen die Teilnehmer besaßen. Vorherige Untersuchungen hatten nämlich gezeigt, dass Menschen dann sehr erfolgreich abnahmen, wenn sich in ihren Erbanlagen Gene fanden, die auf die jeweilige Ernährungsweise besonders ansprachen – entsprechend nannten die Wissenschaftler diese Gene low-fat-responsive beziehungsweise low-carb-responsive.

Ist Low-Carb besser für Diabetiker?

Schließlich ermittelten sie über einen Glukosetoleranztest noch, wie gut der Körper der jeweiligen Versuchsperson den Blutzuckerspiegel regulieren konnte. Frühere Untersuchungen hatten Hinweise darauf gegeben, dass Menschen mit Low-Carb-Diäten besser klarkamen, wenn ihre Zellen eine höhere Insulinresistenz aufwiesen. Das kann etwa bei Diabetikern der Fall sein.

Mario Tama/Getty Images
Low Carb? Low Fat? Fasten?

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Jeder fünfte in Deutschland ist adipös, hat also einen Body-Mass-Index über 30. Das Geschäft mit Diäten läuft gut. Aber was bringen sie?

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Hilft Übergewichtigen eine Diät überhaupt?

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Ein BMI von 17,5 bis 25 gilt als normal. Werte ab 25 stehen für Übergewicht, ab 30 für Adipositas.

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Nach einem Jahr hatten die Teilnehmer im Schnitt zwischen fünfeinhalb und sechs Kilogramm abgenommen – in beiden Gruppen und unabhängig von ihrem individuellen Gentyp und ihrem Insulinstoffwechsel. Die Bandbreite der Reaktionen auf die Diät war allerdings groß: Einige Teilnehmer verloren bis zu 30 Kilogramm, andere nahmen sogar zu, zum Teil 15 bis 20 Kilogramm.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoffen nun, doch noch in den individuellen Eigenschaften der Frauen und Männer aus ihrer Versuchsgruppe eine Erklärung für die großen Unterschiede zu finden. "Wir haben einen Haufen Daten, den wir nun in nachfolgenden Studien nutzen können", sagte Gardner. Möglicherweise finden sich Unterschiede in der Epigenetik – also der Umsetzung der genetischen Information – oder etwa in der Besiedelung mit Bakterien (dem Mikrobiom in unserem Körper hat ZEIT ONLINE eine eigene Serie gewidmet). Um all das zu untersuchen, sind weitere Studien nötig.

Ist bio gesünder? Und Superfood, gibt es das überhaupt? Mythen rund ums Essen und neue Erkenntnisse aus der Ernährungsforschung finden Sie auf dieser Seite.