Als grobe Faustregel kann man somit schließen: Je mehr pflanzliche und je weniger tierische Lebensmittel man isst, desto gesünder, desto länger das Leben, desto weniger Altersleiden. Der Alterungsprozess als solcher wird verlangsamt. Dies ist genau das, was sich in sämtlichen Langlebigkeitszonen der Welt beobachten lässt. Die Ernährung in diesen Regionen ist ohne Ausnahme stark pflanzenbasiert, obwohl die konkreten Pflanzen, die man dort isst, sehr unterschiedlich sein können. Auch die mediterrane Kost besteht hauptsächlich aus Pflanzen. Und aus Fett. Wobei natürlich auch Olivenöl ein pflanzliches Produkt ist.

Was heißt das nun für mich? Muss ich jetzt für ein langes, gesundes Leben doch zum Veganer werden? Um es klar zu sagen: Eine vegane Kost kann sehr gesund sein. Kann. Wenn sich die Kost nicht eben aus Kartoffelchips, Zucker, Cola und Bier zusammensetzt. Die Rede ist also von weitgehend unverarbeiteten Pflanzen. So, wie man sie in der Natur vorfindet. In Form von Gemüse, Obst und insbesondere Hülsenfrüchten, also Linsen, Bohnen und Kichererbsen.

Vertieft man sich weiter in die Daten, durchkämmt man die Studien von der Nachkriegszeit bis heute, ergibt sich jedoch ein Bild, dass differenzierter ist, als sich mit dem Schlagwort "vegan" erfassen ließe. Es gibt durchaus einige tierische Lebensmittel, die sich als sehr gesund erweisen. Ein Beispiel ist Fisch, und hier vor allem fettiger Fisch (und nicht etwa der bei uns leider recht beliebt gewordene Pangasius, der voller Quecksilber steckt).

Nehmen wir als eindrucksvollen Hinweis, der für den Verzehr von Fisch spricht, die Siebenten-Tags-Adventisten. Diese protestantische Religionsgemeinschaft lebt überall auf der Welt verteilt und wird vor allem in USA akribisch untersucht. Ihre Anhänger betrachten ihren Körper als "Haus Gottes" und behandeln ihn entsprechend. Adventisten bewegen sich regelmäßig, rauchen oder trinken fast nie, die meisten ernähren sich sehr gesundheitsbewusst. Ein Großteil sind Veganer, die sich also rein pflanzlich ernähren. Interessanterweise jedoch nicht alle.

Siebenten-Tags-Adventisten leben im Schnitt bis zu zehn Jahre länger als der Durchschnittsamerikaner. Und unter ihnen lässt sich ein aufschlussreiches Langlebigkeitsranking erstellen. Erneut zeigt sich tendenziell: Je weniger tierische Lebensmittel ein Adventist isst, desto länger lebt er. Einzige Ausnahme: Jene Vegetarier, die ab und zu Fisch essen – sie werden von allen am ältesten.

Wer isst was?

Wer isst was?

Veganer, Frutarier, Freeganer – es gibt so viele fleischlose Ernährungsweisen. Wer sich auskennt, meidet Fettnäpfchen am Tisch.

Laden …
Decorative background image
Friedrich Nietzsche

Friedrich Nietzsche

Deutscher Philosoph (1844 - 1900)

“Die Vernunft beginnt bereits in der Küche.”

Laden …
© Reuters/Jacky Naegelen
Der Veganer

Der Veganer

ernährt sich von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen.

Laden …
© Reuters
Wer noch dazu vegan lebt

Wer noch dazu vegan lebt

verbannt Wolle, Leder, Daunen und andere tierische Produkte aus seinem Haushalt.

Laden …

Richtig!

Gesunde Ernährung ist ihm egal. Hauptsache, es kommt kein Tier zu Schaden.

Laden …

Man weiß es nicht genau, aber wahrscheinlich hängt die Sache mit den berühmten Omega-3-Fettsäuren zusammen, die sich eben vor allem in fettigen Fischen wie Lachs, Hering, Makrele und Forelle befinden. So hat man in den letzten Jahren eine sensationelle Entdeckung gemacht: Einige unserer Körperzellen sind eigens mit einem Omega-3-Sensor ausgestattet. Sobald eine Omega-3-Fettsäure an eine solche Zelle andockt, setzt das eine chemische Kaskade in Gang, die zur Steuerung Dutzender Gene führt (manche Gene werden aktiviert, andere stillgelegt). Die konkrete Folge: Schädliche Entzündungsprozesse werden heruntergefahren. Anders gesagt: Der Fisch, den wir essen, wird nicht einfach nur "verbrannt". Er liefert uns nicht bloß Kalorien. Er kommuniziert vielmehr mit unserem Körper und gibt unserem Erbgut Instruktionen. Entdeckungen wie diese werfen ein ganz neues Licht auf Nahrung. Sie ist nicht einfach nur Energie, Nahrung ist Information. Was erklärt, warum manche Fette uns nicht einfach dick machen, sondern sogar vor Krankheit schützen können.

Ich habe meine Ernährung auf Basis dieser und vieler weiterer Befunde nach und nach grundlegend umgestellt. Ich habe für mein Buch – den Ernährungskompass – Hunderte von Studien zusammengefügt, die ihrerseits auf Tausenden von Studien aufbauen. Ich habe festgestellt: Ein objektiver Gesamtüberblick über die gesammelten Erkenntnisse weist uns einen Ausweg aus dem derzeitigen Ernährungschaos. Selbst wenn es so etwas wie die eine ideale Ernährung nicht geben mag – die Grundkomponenten einer gesunden, lebensverlängernden Kost lassen sich sehr wohl skizzieren. Ausgehend von diesem Grundgerüst eröffnet sich uns ein großer Spielraum, um unsere eigene Ernährung so zusammenzustellen, dass sie uns auch schmeckt.

Anfangs war die Umstellung gewöhnungsbedürftig. Aber man darf auch mal sündigen. Die Dosis macht auch hier das Gift. Gesundheit wird ja oft klischeehaft gegen Genuss ausgespielt. Zurückblickend jedoch frage ich mich: Habe ich meine Chips und Pommes damals wirklich so sehr genossen? Genießt man es, wenn man sich noch einen Hotdog reinhaut, obwohl man schon satt ist? Vielleicht. Manchmal bestimmt. Wie auch immer: Ich genieße nach wie vor. Anders als früher, aber immer noch und vermutlich sogar mehr. Mein Essen ist einfach, pur und oft schlicht herrlich. Ach ja, nebenbei gesagt, auch das bedeutet für mich Genuss: Meine Herzattacken sind verschwunden. Ich jogge wieder so frei und unbeschwert wie früher.

Der Text ist ein bearbeiteter Auszug aus dem Buch von Bas Kast: "Der Ernährungskompass. Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung." Das Buch ist am 5. März 2018 bei C. Bertelsmann erschienen.