Der weltweite Antibiotikaverbrauch ist einer Hochrechnung zufolge in den vergangenen 15 Jahren um rund 65 Prozent gestiegen. Bis 2030 könnte der Gesamtverbrauch an Antibiotika den Forschern zufolge weltweit sogar um bis zu 200 Prozent steigen. Besonders in wirtschaftlich aufstrebenden Ländern sei die Zunahme "dramatisch", berichten Wissenschaftler um Eili Klein vom US-Forschungszentrum CDDEP (PNAS: Klein et al., 2018).

Die Forscher hatten auf Basis von Verkaufsdaten den Verbrauch von Antibiotika in 76 Ländern zwischen 2000 und 2015 untersucht und daraus auf weltweite Trends geschlossen. Der Gesamtkonsum stieg demnach von 21,1 Milliarden definierten Tagesdosen (DDD) im Jahr 2000 auf 34,8 Milliarden 15 Jahre später. Dieser statistische, von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geschaffene Wert der Tagesdosen ermöglicht es, auf den wirklichen Verbrauch eines Wirkstoffes zu schließen. Die vom Arzt empfohlene oder verschriebene Dosis pro Tag kann davon abweichen.

Der durchschnittliche tägliche Verbrauch pro 1.000 Einwohner stieg um 39 Prozent von 11,3 auf 15,7 definierte Tagesdosen, wie die Forscher berichten. In ärmeren und aufstrebenden Ländern nahm der Gesamtverbrauch sogar um 114 Prozent zu. Der durchschnittliche tägliche Verbrauch pro 1.000 Einwohner stieg um 77 Prozent an. Der Unterschied beider Werte ist unter anderem im Bevölkerungswachstum begründet. Der Hauptgrund für den starken Anstieg in ärmeren und aufstrebenden Ländern ist wahrscheinlich die Zunahme der Kaufkraft über die letzten 15 Jahre. Auch herrscht in diesen Ländern teils noch immer ein Mangel an Antibiotika und ein fehlender Zugang zu essentiellen Medikamenten.

In Deutschland nur geringer Zuwachs

Während im Jahr 2000 noch Länder wie Frankreich, Neuseeland, Spanien und Hongkong beim mittleren Verbrauch pro 1.000 Einwohner an der Spitze lagen, waren es 15 Jahre später die Türkei, Tunesien, Algerien und Rumänien. In den reichen Industrieländern nahm der Gesamtverbrauch nur um sechs Prozent zu. Der durchschnittliche tägliche Verbrauch pro 1.000 Einwohner sank im Mittel sogar um vier Prozent. Dies galt für Länder wie die USA, Kanada und Frankreich. Für Deutschland wurde ein leichter Zuwachs erfasst.

Weltweite Zuwächse gab es nicht nur bei vielfach eingesetzten Wirkstoffen wie Penizillin, sondern auch bei Reserveantibiotika wie Linezolid und Antibiotika aus der Klasse der Carbapeneme, die nur zum Einsatz kommen sollten, wenn andere Mittel nicht mehr helfen.

Laut der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist die zunehmenden Einnahme von Antibiotika ein Problem. Denn je mehr Antibiotika eingesetzt werden, desto häufiger werden Bakterien auch gegen sie resistent, was bedeutet, dass die Wirkstoffe nicht mehr oder nur noch eingeschränkt wirken. Antibiotikaresistenzen sind weltweit, laut WHO, eines der größten Gesundheitsprobleme überhaupt. Schon heute sterben weltweit ungefähr 700.000 Menschen jährlich an Infektionen mit resistenten Keimen (Review on Antimicrobial Resistance: O'Neill et al., 2014; .pdf).

Deshalb, schreiben die Autoren der heute erscheinenden Studie, müsse der Antiobiotikaverbrauch global gesenkt werden. Sie weisen aber auch darauf hin, dass in vielen armen und aufstrebenden Ländern bakterielle Infektionen noch immer eine viel höhere Krankheitslast darstellen als in reichen Ländern.