Freuen Sie sich schon, endlich wieder mit Freunden abends draußen was trinken zu gehen? Falls ja, sollten Sie die wärmeren und helleren Abende vielleicht lieber mit Apfelschorle oder Cola light genießen statt mit Alkohol. Ansonsten könnte sich Ihr Leben verkürzen, oder Sie könnten ernsthaft krank werden – und das auch schon, wenn Sie nur ein Glas Wein oder Bier am Tag trinken.

An zu viel Zucker, Fett und Kaffee stirbt es sich ja mitunter auch schneller? Und das Feierabendbier muss man sich auch nicht madig machen lassen? Stimmt. Doch es kann gut sein, dass Sie nicht nur die Gesundheitsfolgen von Alkohol falsch einschätzen, sondern vor allem, wie viel Sie trinken.

Wussten Sie, dass es offizielle Empfehlungen gibt, wie viel Bier, Wein und Schnaps pro Woche nur geringe Schäden verursachen? Demnach sollten erwachsene Männer maximal 120 Gramm und Frauen nicht mehr als 70 Gramm reinen Alkohol pro Woche zu sich nehmen (siehe: BZgA). Macht für Männer neun Flaschen Bier à 330 Milliliter (bei fünf Volumenprozent Alkohol), für Frauen fünfeinhalb. Für Wein (bei zwölf Volumenprozent) sind das sieben Gläser à 200 Milliliter für Männer und nicht ganz vier für Frauen.

Klingt wenig? Ist es auch. Denn es wird viel mehr getrunken. Nimmt man alle Menschen ab 15 Jahren in Deutschland zusammen – Trinker, Nichttrinker, Süchtige –, kommt jede und jeder von uns im Schnitt auf 165 Gramm reinen Alkohol pro Woche (DHS Jahrbuch Sucht 2018: John et al., 2018).

Leberzirrhose, Demenz und Krebs

Das liegt also schon jetzt deutlich über den Richtwerten für risikoarmen Konsum in Deutschland. Und selbst diese Schwellen stellt nun Angela Wood, Statistikerin und Expertin für öffentliche Gesundheit von der britischen Cambridge-Universität infrage. Zusammen mit einem Team aus Dutzenden internationalen Forscherinnen und Forschern hat sie Daten von 599.912 Menschen aus 19 überwiegend wohlhabenden Ländern vor allem in Europa und Nordamerika ausgewertet. Die hatten in Langzeitstudien zwischen 1964 und 2010 Angaben zu ihrem Alkoholkonsum und Gesundheitszustand innerhalb eines Jahres gemacht (The Lancet: Wood et al., 2018).

Die Ergebnisse belegen eindrücklich die Gefahren bereits kleinerer Mengen Alkohol. Wood und ihr Team empfehlen daher: 100 Gramm reiner Alkohol pro Woche sollte der neue geschlechterübergreifende Richtwert sein. Das liegt in vielen der untersuchten Staaten deutlich unter den aktuellen Empfehlungen. In den USA gelten beispielsweise 196 Gramm für Männer, 98 Gramm für Frauen. In Kanada, Italien, Portugal und Spanien liegen die Werte ebenfalls höher als 100 Gramm.

Die nun von der Statistikerin Wood empfohlene Menge ist sehr wenig: Umgerechnet sind 100 Gramm Alkohol pro Woche schon fast acht Bier à 0,3 Liter oder fünf Gläser Wein à 0,2 Liter. Wer mehr trinkt, erhöht sein Risiko, früher zu sterben oder an Herz-Kreislauf-Leiden zu erkranken. Das gilt im Übrigen für Männer wie für Frauen. Wenngleich Frauen stärker gefährdet sind, weitere Krankheiten in Zusammenhang mit Alkohol zu bekommen. Sind sie gar schwanger, kann das Zellgift zudem sofort das Ungeborene schädigen.

Schon seit Jahren ist bekannt, dass Alkohol mehr als 200 Krankheiten oder Symptome auslösen oder verschlimmern kann. Das Zellgift erhöht das Risiko für Leiden im Magen und Darm, für Leberzirrhose, Herzerkrankungen. Auch sind die Wahrscheinlichkeiten für eine Demenz und mehrere Krebsarten (WHO, 2014) erhöht. 1,8 Millionen Deutsche sind alkoholabhängig, Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Tödlich endete Alkohol direkt für rund 14.000 Menschen im Jahr 2014 in Deutschland. An Folgeerkrankungen sterben jährlich mindestens weitere 60.000 (Journal of Health Monitoring: Rommel et al., RKI, 2016 und Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung, 2017). Dabei ist nicht mal eingerechnet, dass betrunkene Menschen zu Gewalt neigen und dabei sich und andere verletzen, was manchmal auch tödlich endet (Global status report on alcohol and health: WHO, 2014).

Ein Kasten Bier pro Woche? Zwei Jahre weniger leben

"Unsere Kernaussage lautet: Wer bereits Alkohol trinkt, dem kann weniger trinken helfen, länger zu leben", sagt die Statistikerin Wood. Außerdem wird es unwahrscheinlicher, einen Schlaganfall zu bekommen, an Herzschwäche oder Bluthochdruck zu erkranken. Ein Beispiel: Wer 40 Jahre alt ist und mehr als 100 Gramm Alkohol pro Woche konsumiert, verkürzt sein Leben statistisch um etwa sechs Monate. Das traf auf die Hälfte aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu. Wer zwischen 18 und 27 Flaschen Bier trinkt (zwischen 200 und 350 Gramm Alkohol), lebt bis zu zwei Jahre weniger. Wer noch mehr konsumiert, kann bis zu fünf Jahre früher sterben.

Expertinnen und Suchtspezialisten loben die hohe Aussagekraft der Studienergebnisse von Wood. Sie können "als Anregung dienen, die deutschen Empfehlungen zu überprüfen und gegebenenfalls zu überarbeiten", sagte Cornelia Lange vom Robert-Koch-Institut dem deutschen Science Media Center.