Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat dem Coca-Cola-Konzern vorgeworfen, für die Zunahme von Fettleibigkeit und Diabetes mitverantwortlich zu sein. Der Weltmarktführer von Limonaden verharmlose wissenschaftlich belegte Risiken seiner zuckerhaltigen Getränke, sagte der Geschäftsführer von Foodwatch Deutschland, Martin Rücker. Foodwatch wirft Coca-Cola außerdem vor, durch Lobbyarbeit Werbeverbote und Sondersteuern zu verhindern. Der Konzern wies die Vorwürfe zurück.

Oliver Huizinga von Foodwatch bezeichnete die Getränke des Unternehmens als "flüssige Krankmacher" und die Marketingmaßnahmen als "unverantwortlich". Coca-Cola versuche mit millionenschweren Kampagnen im Internet und im Fernsehen insbesondere Kinder und Jugendliche zu erreichen. Dieses Marketing solle unterbleiben. Dazu sollten beispielsweise nicht länger junge YouTube- und Instagram-Stars für Werbezwecke eingespannt werden.   

Coca-Cola teilte dazu mit, Übergewicht sei ein "komplexes Problem". Schon seit vielen Jahren biete das Unternehmen sämtliche klassische Limonaden auch in zuckerfreien Varianten an. Außerdem investiere man "überproportional viel in die Werbung für Getränke ohne oder mit weniger Zucker". Coca-Cola werbe außerdem nicht in Medien, die sich mehrheitlich an Kinder unter zwölf Jahren richten. Diese Selbstverpflichtung werde regelmäßig von unabhängigen Dritten überprüft.

Foodwatch bestreitet die Wirksamkeit dieser Selbstverpflichtung. Die Praxis sehe anders aus: Mit Fußballstars in der Werbung und Aktionen wie dem Coca-Cola-Adventskalender oder der Coke-Weihnachtstruck-Tour würden gezielt Kinder angesprochen. Werbespots des Konzerns auf YouTube seien in Stil und Machart geschickt an die erfolgreichsten Jugendkanäle auf der Videoplattform angelehnt.

Foodwatch fordert Zucker-Abgabe

Die Verbraucherorganisation appellierte auch an die Politik, den Konflikt mit Weltkonzernen wie Coca-Cola nicht länger zu scheuen und konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Verbreitung ernährungsbedingter Krankheiten wie Diabetes zu reduzieren. So solle die Bundesregierung die Hersteller von stark überzuckerten Getränken verpflichten, eine Abgabe zu zahlen.

Großbritannien hat eine solche Sondersteuer, gestaffelt nach dem Zuckergehalt im Getränk, bereits beschlossen. Sie tritt Ende dieser Woche in Kraft. Laut Foodwatch haben führende Hersteller daraufhin bereits den Zuckergehalt in ihren Produkten gesenkt.

Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ), die Lobbyorganisation der deutschen Zuckerwirtschaft, lehnt eine solche Steuer ab. Die Abgabe helfe im Kampf gegen Übergewicht nicht weiter, wie Erfahrungen im Ausland belegten. Beim Körpergewicht zähle nur die Energiebilanz – woher die Energie komme, spiele dabei keine Rolle. Verbraucher würden durch den Hinweis "ohne Zuckerzusatz" auf Lebensmitteln häufig in die Irre geführt, denn Austauschstoffe lieferten in der Regel genauso viele oder sogar mehr Kalorien.