In der Demokratischen Republik Kongo haben Behörden den ersten Ebolafall in einer Großstadt gemeldet. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitteilte, kam die Meldung aus einem Gesundheitszentrum in der 1,2-Millionenstadt Mbandaka. Die Bestätigung sei ein "game changer", schrieb der stellvertretende Generaldirektor für die Notfallantwort der WHO, Peter Salama, auf Twitter. In Städten breiten sich Viren wie Ebola schneller aus, weil jeder Erkrankte im Schnitt mehr persönliche Kontakte hat.

Bisher waren lediglich Fälle in einem ländlichen Gebiet gemeldet worden, das zur Gesundheitszone Bikoro gehört und rund 150 Kilometer von Mbandaka entfernt liegt. Die Einrichtungen in der Zone Bikoro seien laut der WHO oft kaum funktionstüchtig. Außerdem seien die betroffenen Gegenden schwer zu erreichen, besonders während der aktuellen Regensaison.

"Das ist eine beunruhigende Entwicklung, aber jetzt haben wir bessere Werkzeuge als jemals zuvor, um Ebola zu bekämpfen", teilte der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus mit. Tedros selbst hatte diese Woche die betroffene Region besucht. Die WHO arbeite mit dem Gesundheitsministerium und anderen Organisation wie dem Roten Kreuz und den Ärzten ohne Grenzen zusammen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, erklärte er.

Für Freitag hat die WHO eine Notfallsitzung einberufen. An der Sitzung würden Spezialisten teilnehmen, die die Organisation im Fall von möglichen "Gesundheitskrisen von internationaler Bedeutung" beraten, teilte die WHO mit. Es gehe darum, festzustellen, ob der Ebola-Ausbruch im Kongo als solche Krise zu betrachten sei und welche Maßnahmen dann zu ergreifen wären. 

Impfstoffe und Material treffen im Kongo ein

Der Gesundheitsminister der Demokratischen Republik Kongo, Oly Ilunga Kalenga, sagte, die Regierung tue alles, um den Ausbruch einzudämmen. Dazu gehört der Einsatz eines experimentellen Impfstoffs, mit dem vor allem Mitarbeiter in Gesundheitseinrichtungen und Menschen, die mit den Ebolapatienten in Kontakt gekommen waren, geimpft werden sollen. Laut WHO sind 5.400 Dosen des Impfstoffes im Land eingetroffen. Bilder von der Ankunft der Impfstoffe in der Hauptstadt Kinshasa veröffentlichte Salama auf Twitter.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen schrieb auf Twitter, dass sie mehr als 26 Tonnen Material nach Kongo geschickt habe. Sie sei schon seit Tagen im Ausbruchsgebiet und habe nun auch Isolierzelte gesendet. Vergangene Woche hatte die WHO außerdem bekannt gegeben, dass eine Million US-Dollar aus dem Notfallfonds zur Bekämpfung des Ausbruchs zur Verfügung gestellt werden. Einer der Hauptgeber für diesen neu geschaffenen Fonds ist Deutschland.

Wie Salama mitteilte, wurden in den vergangenen Wochen 44 mögliche Ebolafälle gemeldet. Davon seien drei bestätigt, 20 als wahrscheinlich und 21 als verdächtig einzustufen. Unter diesen Fällen sind auch Gesundheitsmitarbeiter, was für die Ausbreitung des Virus als besonders gefährlich gilt. Vor sechs Tagen habe es den ersten Todesfall gegeben, der definitiv auf Ebola zurückzuführen ist.

Im Kongo kommt es immer wieder zu kleineren Ausbrüchen des Virus. "Bisher waren aber alle in sehr isolierten Regionen, wie vergangenes Jahr in Likati, wodurch sich die Krankheit nie weit verbreitet hat", sagte Henry Gray, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. Die derzeitige Situation sei deswegen äußerst ernst und besorgniserregend.

Vor vier Jahren hatte es in mehreren westafrikanischen Ländern einen großen Ebolaausbruch gegeben, bei dem etwa 11.000 Menschen starben. Damals wurde in der Endphase der Epidemie der gleiche Impfstoff getestet, der jetzt auch im Kongo eingesetzt werden soll. Auch wenn die Anzahl der Geimpften noch zu klein war, um endgültige Schlüsse zu ziehen, scheint der Impfstoff eine gute Schutzwirkung zu haben (Lancet: Henao-Restrepo et al., 2017).