Danke, dass Sie so offen mit uns waren. Wir haben Sie vor einigen Monaten gefragt, wie viel Alkohol Sie trinken, ob Sie kiffen, im Club mit Ecstasy oder auf Amphetaminen durchtanzen. Oder haben Sie sich schon einmal ein Löschpapier mit LSD unter die Zunge gelegt, um in eine andere Welt einzutauchen? 48.354 Leserinnen und Leser haben uns anonym darauf geantwortet.

Das könnten Sie persönlich gewesen sein, Ihre Freunde, die Mutter oder der Bruder, Ihre Kollegin oder der Chef, die Frau in der U-Bahn, der Typ neben Ihnen auf dem Festival. ZEIT ONLINE hat zusammen mit dem Team des unabhängigen Global Drug Survey Ihre Erfahrungen gesammelt. Wir wollten wissen, was Sie bewusst oder unbedarft trinken, rauchen, schlucken, schnupfen oder sonst wie konsumieren. Wie viel geben Sie dafür aus, wo kaufen Sie und wie oft nehmen Sie was? Und uns hat interessiert, wie Menschen Ihr erstes Mal auf Ecstasy, Kokain und LSD erlebt haben und mit wem.

Diese Daten sind bewusst kein Querschnitt der Bevölkerung. Sie kommen aber aus der Mitte der Gesellschaft, aus dem Leben derer, die wissen, was es heißt, Drogen zu nehmen. So ergänzen sie unser Wissen über den alltäglichen Konsum, wie es keine andere Erhebung schafft. Blicken wir auf die wichtigsten Erkenntnisse unserer Umfrage.

Wer hat mitgemacht und nimmt was genau?

Klären wir zunächst, wer von Ihnen uns eigentlich Auskunft gegeben hat: 61 Prozent sind männlich, 39 Prozent weiblich, fast die Hälfte (47 Prozent) hat einen Hochschulabschluss, rund ein Viertel (24 Prozent) studiert, zwei Drittel (67 Prozent) arbeiten. Das Durchschnittsalter ist 30. Die meisten sind zwischen 16 und 25 Jahren alt (38 Prozent), etwa ein Viertel älter als 35. Und das ist eine Auswahl an psychoaktiven Substanzen, die die Befragten zu sich genommen haben:

Wenig überraschend führt Alkohol die Liste der im Jahr vor der Umfrage konsumierten Drogen an. Legal, günstig, praktisch überall erhältlich: Fast jede und jeder hat Bier, Wein oder Drinks getrunken. Dazu werden wir bald noch mehr Daten veröffentlichen.

Was Sie in der Liste vielleicht verwundert, sind die Energydrinks. Kaum jemand dürfte sie als psychoaktive Substanz wahrnehmen. Doch sie enthalten in der Regel viel Koffein – eine Dose mit 500ml enthält etwa 160 Milligramm. Eine Tasse Filterkaffee (125ml) kommt im Vergleich auf 80 bis 120 Milligramm. In kleinen Mengen macht uns Koffein wach, steigert die Konzentration und hebt die Stimmung. Schon mehr als zwei bis drei Energydrinks können einen Erwachsenen aber rasch unruhig werden lassen, Schlafstörungen sind möglich, viele werden hibbelig und zittern. Koffein kann körperlich abhängig machen. Ein paar Energydrinks mit Hochprozentigem gemischt, bringen mitunter das Herz aus dem Takt und werden für den einen oder die andere lebensgefährlich.

Unter Kindern und Jugendlichen verstärkt sich die Wirkung, Vergiftungserscheinungen können früher auftreten. Das wissen womöglich viele Eltern nicht. Schon im Jahr 2012 tranken mehr als 360.000 10- bis 18-Jährige bis zu fünf Dosen die Woche. Und fast jedes siebte Kind ab 3 Jahren hat schon einen Energydrink probiert (Efsa, Zucconi et al., 2013).

Beliebt ist auch das Shisha-Rauchen. Vor allem in Großstädten finden sich viele Bars, in denen süßlich duftender Tabak gepafft wird. Wasserpfeife zu rauchen wird häufiger, der Verbrauch steigt seit einigen Jahren an (DHS Jahrbuch Sucht 2018). Zwar fehlen eindeutige Belege, harmlos ist der Wasserpfeifenrauch aber nicht, wenn Tabak drin ist. Der Suchtstoff Nikotin, Teer und andere Inhaltsstoffe lagern sich ähnlich wie beim Zigarettenrauch in der Lunge ab und erhöhen das Krebsrisiko (BfR: FAQ zu Wasserpfeifen, 2016).

Viele Jugendliche, Männer und Frauen, die ZEIT ONLINE mit dem Global Drug Survey befragt hat, sind sich bewusst, dass Drogenkonsum schadet, dass nur Verzicht gesund ist. Die wenigsten Menschen halten sich aber daran. Sie wollen hin und wieder mal abschalten, sich betrinken, genießen. Auch mit verbotenen Substanzen. Welche sind dabei besonders häufig?

Fünf häufige illegale Substanzen im Vergleich

Mehr als drei Millionen Erwachsene und 340.000 Jugendliche ab 12 Jahren haben 2015 Cannabis konsumiert. Hanf ist die mit Abstand beliebteste verbotene Droge, wenn man die Daten repräsentativer Umfragen hochrechnet (DHS Jahrbuch Sucht 2018). Alle anderen illegalen Substanzen sind weitaus weniger stark verbreitet. Jeweils um die 320.000 Erwachsene und Jugendliche in Deutschland nahmen 2015 Ecstasy und Kokain, etwa so viele Menschen wie in Bonn wohnen. LSD probierten geschätzt mehr als 160.000. Das sind etwa 0,2 Prozent der Bevölkerung, Amphetamine schluckten, schnupften oder spritzten sich mehr als eine halbe Million. Zu diesen Drogen wurden auch die Teilnehmenden des Global Drug Survey befragt.

Welche dieser Drogen haben Sie schon einmal konsumiert?

Befragt wurden rund 48.000 Menschen in Deutschland, die angaben, psychoaktive Substanzen genommen zu haben.

Quelle: Global Drug Survey 2018 Illustrationen: QuickHoney für ZEIT ONLINE

Die meisten, die Cannabis konsumierten, rauchten es als Joint, selten mit Tabak gemischt (93 Prozent). MDMA, was eher als Ecstasy bekannt ist, schluckten Umfrageteilnehmende vor allem als Pille (84 Prozent). Kokain wurde meist als Pulver durch die Nase gezogen, LSD vor allem über ein Stück Löschpapier (Pappe) genommen, das mit der Droge getränkt wurde. Amphetamine konsumierten 81 Prozent als Pulver.

Wo haben Sie diese Drogen gekauft?

Quelle: Global Drug Survey 2018 Illustrationen: QuickHoney für ZEIT ONLINE

Die meisten berichten, dass sie psychoaktive Substanzen von Freunden hätten. Doch es gibt auch andere Quellen. 3,5 Prozent der Cannabiskonsumierenden bauen heimlich selbst an, statt bei einem Dealer oder Bekannten zu kaufen. Wer auf Festivals oder in Clubs unterwegs ist, besorgte sich häufiger Ecstasy als andere illegale Stoffe. Online kommen nur wenige an Drogen. Aber rund 17 Prozent derer, die LSD kauften, suchten danach im Darknet, also im verschlüsselten Tor-Netzwerk, in denen Nutzende ihre Identität verschleiern können.

Wie viel kosten diese Drogen?

Diese Angaben beziehen sich auf häufig gekaufte Mengen: Für Cannabis, Kokain und Aphetamine ist der Preis pro Gramm angegeben. Bei Ecstasy pro Pille, für LSD pro getränkter Pappe, die Konsumierende sich meist unter die Zunge legen.

Quelle: Global Drug Survey 2018 Illustrationen: QuickHoney für ZEIT ONLINE

Im internationalen Vergleich sind Drogen in Deutschland günstig zu bekommen. Das belegen die Aussagen der Global Drug Survey Teilnehmenden aus insgesamt 44 Ländern:

  • Ein Gramm Cannabis kostet hierzulande etwa so viel wie im internationalen Durchschnitt.
  • Für eine Pille MDMA zahlten Befragte in Deutschland aber rund 2 Euro weniger.
  • Vor allem in den Niederlanden sind die Preise für Ecstasy (5 Euro pro Pille) und LSD niedriger (6 Euro pro Pappe).
  • Auch bei einem Gramm Amphetamin liegt Deutschland im Preisvergleich unter dem internationalen Schnitt von 17,20 Euro pro Gramm.
  • Die Preise für Kokain sind in Deutschland ähnlich wie in den meisten Ländern.

Wie viel haben Sie an einem Tag oder Abend konsumiert?

Quelle: Global Drug Survey 2018 Illustrationen: QuickHoney für ZEIT ONLINE

Die Menge, die für den Kaufpreis genannt wird, ist nicht zwangsläufig die gleiche, die während eines Trips konsumiert wird. Oft ist nicht bekannt, wie hoch eine Droge dosiert ist, oder ob sie mit anderen Stoffen verunreinigt ist. Dies bedeutet zusätzliche Gefahren. Gerade bei LSD ist es oft schwierig einzuschätzen, wie viel der Droge in einem Streifen Löschpapier steckt.

Wie oft haben Sie innerhalb von 12 Monaten konsumiert?

Quelle: Global Drug Survey 2018 Illustrationen: QuickHoney für ZEIT ONLINE


  • Alle zwei bis drei Tage wurde im Schnitt gekifft. 13 Prozent aller Cannabiskonsumierenden zündeten sich sogar an mehr als 300 Tagen im Jahr einen Joint an. Die Hälfte bis zu einmal die Woche.
  • Ecstasy wird im Schnitt weniger als einmal im Monat geschluckt, 22 Prozent aller Konsumierenden gaben an, zwischen 11 und 50 Pillen innerhalb eines Jahres genommen zu haben.
  • Mehr als die Hälfte, die Kokain schnupfte, tat dies seltener als ein Mal im Monat. 23 Prozent probierten die Droge ein einziges Mal.
  • Einen bis maximal zehn LSD-Trips pro Jahr machte die große Mehrheit (88 Prozent) derjenigen, die den Stoff konsumierten.
  • 45 Prozent der Frauen und Männer, die Amphetamine nahmen, gaben an, dies zwei bis zehnmal in den letzten 12 Monaten getan zu haben. Fast ein Drittel (32 Prozent) konsumierte bis zu 50 Mal.

Macht das alles abhängig?

Psychoaktive Substanzen faszinieren Menschen, vermutlich schon seit Jahrtausenden. Angefangen als Arzneimittel dürften schon einige Pflanzen unsere frühen Vorfahren mitunter auch berauscht haben. Drogen waren schon immer mitten unter uns, Millionen Menschen nehmen sie, die überwiegende Mehrheit tatsächlich ohne ernsthaft krank zu werden (Beyrer et al., The Lancet, 2016). Nicht wenige jedoch schaden sich so sehr, dass sie süchtig werden oder auch ihr Leben riskieren.