In Deutschland ist der Alkoholkonsum pro Kopf höher als im Durchschnitt der europäischen Staaten – und sinkt langsamer als in vielen Nachbarländern. Auch in den neuesten noch unveröffentlichten Erhebungen sei kein deutlicher Abwärtstrend zu erkennen, sagte Vladimir Poznyak von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Deutschen Presse-Agentur. "Deutschland entwickelt sich nicht gemäß dem allgemeinen europäischen Abwärtstrend, und der Alkoholkonsum liegt über dem Durchschnitt."

Poznyak koordiniert das WHO-Programm für Suchtmittelmissbrauch. Die neuen Zahlen sollen im Herbst im WHO-Statusreport Alkohol veröffentlicht werden. Poznyak empfahl, den Alkoholkonsum mit Mindestpreisen, Reklameverboten oder Warnungen auf Etiketten zu begrenzen und den Verkauf einzuschränken. "Ich halte Mindestpreise für eine sehr gute Idee", sagte er mit Blick auf die Maßnahme, die am 1. Mai in Schottland eingeführt wurde. Studien würden zeigen, dass der Alkoholkonsum dadurch sinke.

Schottland ist die erste größere Region, in der Mindestpreise flächendeckend eingeführt wurden. Dort gilt nun ein Mindestpreis pro Alkoholeinheit. Dadurch kostet eine 0,7-Liter-Flasche Whisky mit 40 Prozent Alkohol nun umgerechnet mindestens 16 Euro, ein halber Liter Bier mit vier Prozent Alkohol mindestens 1,13 Euro.

Alkoholkonsum steigt in Großbritannien und Österreich

Dem WHO-"Statusreport Alkohol" von 2014 zufolge tranken Menschen in Deutschland im Alter über 15 Jahren 2010 noch durchschnittlich 11,8 Liter reinen Alkohols. In Europa lag der Durchschnitt damals bei 10,9 Litern. Das entspricht etwa 200 Litern Bier, 90 Litern Wein oder 25 Litern Whisky.

In ihrer allgemeinen Gesundheitsstatistik verzeichnet die WHO bis 2016 für Deutschland einen Rückgang auf 11,4 Liter. Damit war der Konsum in fast allen untersuchten Ländern geringer als in Deutschland: In Spanien tranken die Menschen durchschnittlich 9,2 Liter, in den Niederlanden 8,7, in Dänemark 10,1. Höher lagen Frankreich mit 11,7 Litern und Russland mit 13,9 Litern.

Der Rückgang betrug damit in Deutschland zwischen 2010 und 2016 rund 3,4 Prozent. In beinahe allen europäischen Nachbarstaaten ging der Konsum stärker zurück. In Österreich stieg er laut WHO dagegen von 10,3 auf 10,6 Liter und in Großbritannien von 11,6 auf 12,3 Liter.