Je früher bekannt ist, ob jemand HIV hat, desto besser. Denn das Humane Immundefizienz-Virus lässt sich bislang zwar nicht mehr aus dem Körper entfernen, muss aber kein Todesurteil sein – wenn die Behandlung rechtzeitig beginnt. Im Gegenteil: Früh diagnostiziert und konsequent behandelt, werden HIV-Kranke heutzutage im Schnitt fast genauso alt wie Nicht-Infizierte (Lancet HIV: The Antiretroviral Cohort Collaboration, 2017).

Ein großes Problem aber ist nach wie vor, dass Tausende Menschen nichts von ihrer Infektion wissen. Schätzungsweise 12.700 der Infizierten in Deutschland sind ahnungslos. Das bedeutet auch: Sie können das Virus unwissentlich weitergeben.

Um sich und andere zu schützen, soll deshalb ab Herbst jeder und jede selbst zu Hause testen können, ob er oder sie das HI-Virus in sich trägt. Ab dann sollen HIV-Selbsttests in Drogerien und Apotheken erhältlich sein.

Wie rasch gibt es ein Ergebnis? Ist das überhaupt zuverlässig? Und was, wenn es positiv ausfällt? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengetragen:

Nur zugelassene Tests sollen erlaubt sein

Wer sich selbst auf der Couch testen will, sollte sich vorher gut über geeignete Fabrikate informieren. "Wichtig ist, dass sie eine CE-Kennzeichnung und eine Zulassung für den Heimgebrauch haben", sagt Jasmin Maschke, eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) auf Nachfrage von ZEIT ONLINE. Das bedeutet, die Tests müssen nach der Medizinprodukteverordnung zugelassen sein und allen gültigen EU-Richtlinien entsprechen, wie das CE-Kennzeichen belegt.

Im Internet sei bereits eine Vielzahl an Tests auf dem Markt, die vom Ausland aus verschickt würden, erklärt Holger Wicht von der Deutschen Aids-Hilfe. Viele davon seien aber nicht zu empfehlen, einige gar "Ramsch". Wicht erklärt, man solle nur Tests kaufen, deren Sensitivität annähernd 100 Prozent betrage, die also keine Infektion übersehen. Außerdem solle man einen Test wählen, der für die Durchführung Zuhause konzipiert ist.

"Unseres Wissens gibt es momentan drei Tests, die alle Qualitätskriterien erfüllen und deshalb empfehlenswert sind", sagt Wicht: der Autotest VIH, der schon in Frankreich verkauft wird, und wohl unter etwas anderem Namen im Herbst in Deutschland auf den Markt kommen wird; der Insti-HIV-Heimtest und der Exacto-Test.

Was Sie direkt tun können, nachdem das Kondom gerissen ist und Sie eine Infektion fürchten? Ruhig bleiben und den Tipps in dieser Kartengeschichte folgen:

dpa
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Sofort machen

Sperma ausspucken und Mund spülen – falls möglich mit hochprozentigem Alkohol.

Oralsex

sein lassen

Nicht die Zähne putzen – sind Viren vorhanden, könnten sie ins Zahnfleisch gerieben werden.

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HIV-Test

Tatsächlich: Schnelltests bringen nach einer halben Stunde ein erstes Ergebnis. Machen sollte man sie aber erst zwölf Wochen nach dem ungeschützten Sex – sonst sind sie zu unsicher. Am Ende muss man also länger bangen als nach dem Labortest.

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Bluttests sind gut, Speicheltests unsicher

Im Wesentlichen gibt es zwei verschiedene Testverfahren: den Nachweis über Blut oder über Speichel. Für Bluttests reicht ein Pieks in den Finger – diese Kits sind am weitesten verbreitet. Es handelt sich dabei um einen indirekten Nachweis: Gesucht wird nach Antikörpern gegen das Virus, die der Körper bereits zur Abwehr gegen den Eindringling ausgebildet hat.

Weil Speicheltests als zu unzuverlässig gelten, sind sie in Europa bisher nicht zugelassen.