Die Fehlerquote im medizinischen Sektor ist rückläufig. Aus dem Bericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen geht hervor, dass im vergangenen Jahr in 3.337 Fällen bei Behandlungen Fehler und Schäden festgestellt wurden. Im Jahr zuvor waren es 3.564 Fälle.

In 2.690 Fällen davon hatten die Fehler dann tatsächliche gesundheitliche Schäden verursacht, das waren 358 Fälle weniger als 2016.   

Grundlage dieser Statistik sind die fast 14.000 Gutachten, die der Medizinische Dienst 2017 erstellen ließ, um Patientenvorwürfen nachzugehen. Zwei Drittel dieser Verdachtsfälle betrafen Krankenhäuser, hier wiederum im großen Maß auch Operationen, weil deren Folgen für Patienten leichter zu erkennen sind als etwa Medikationsfehler. Ein Drittel der Vorwürfe bezog sich auf Behandlungen durch einen niedergelassenen Arzt oder Ärztin. Stefan Gronemeyer, Vizegeschäftsführer des Medizinischen Dienstes, beklagte, es kämen immer wieder die gleichen und vermeidbaren Fehler vor, die nie passieren dürften – "vom im Körper vergessenen Tupfer bis hin zu Verwechslungen von Patienten".

Bei den medizinischen Bereichen führt die Orthopädie und Unfallchirurgie mit einem Drittel der Verdachtsfälle, gefolgt von Innerer Medizin und Allgemeinmedizin sowie Allgemeinchirurgie. Dann kommt die Zahnmedizin mit acht Prozent, zum Pflegebereich gehörten nur fünf Prozent der Verdachtsfälle.

Eine niedrige oder hohe Zahl von Patientenvorwürfen in einem bestimmten Bereich lässt aber keinesfalls Rückschlüsse zu auf das Behandlungsrisiko. Denn gerade in der Pflege bestätigten die Prüfer die meisten Fehlervorwürfe – 49,8 Prozent der in diesem Bereich erhobenen Verdachtsfälle. Dann folgt die Zahnmedizin mit 35,2 Prozent und an dritter Stelle Frauenheilkunde mit 27 Prozent.   

Die Ärzteschaft, die eigene Beschwerdestellen hat, berichtete bereits Anfang April über ihre Bilanz für 2017. Die Zahl der festgestellten Fehler ging dort ebenfalls leicht zurück, auf 2.213 bestätigte Fälle.

Wenn Versicherte den Verdacht hegen, falsch behandelt worden zu sein, können sie sich an die Krankenkassen wenden. Die Kasse gibt dann ein Gutachten in Auftrag. Als Fehler gilt, wenn eine Behandlung nicht dem anerkannten Standard entsprechend angemessen, sorgfältig, richtig und zeitgerecht ist.

Der Medizinische Dienst führt an, dass von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Trotz aller "engagierten Bemühungen für mehr Patientensicherheit" seien die Art und der genaue Umfang von Fehlern nicht hinreichend klar. Es fehle an einer konsequenten Strategie, um die Patientensicherheit zu verbessern, sagte Gronemeyer. In international vergleichbaren Gesundheitssystemen sei das längst Standard.