Die Bereitschaft des Klinikpersonals, auch im stressigen Alltag der Kliniken an die Organspende zu denken, hat sich erhöht. Die Zahl der Kontaktaufnahmen seitens der Krankenhäuser sei im Vergleich im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 1.373 gestiegen, teilte die Deutsche Stiftung Organtransplantation mit. Mit dem Anstieg der Meldungen werde ein zentrales Hindernis für Organtransplantationen abgebaut.

In den ersten sechs Monaten konnten den Angaben nach 484 Spendern Organe entnommen werden, 72 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Zahl der über die zentrale Plattform Eurotransplant vermittelten Organe stieg damit um 245 auf 1.576. Die Zahl der Transplantationen in Deutschland stieg um 1.410 auf 1.623 – wobei hier auch Organe eingerechnet sind, die Eurotransplant nach Deutschland vermittelt. Im Jahr 2017 hatte es so wenige Organspenden in Deutschland gegeben, wie seit zwei Jahrzehnte nicht mehr (Eurotransplant: 2018, PDF).

Geschätzt warten mehr als 10.000 Menschen derzeit auf ein Organ, durch das sie eine Überlebenschance hätten: Die meisten, etwa 8.000, brauchen eine Niere. Nur ein Drittel bekommt in der Regel eine vermittelt – und zwar nicht zwingend aus Deutschland, sondern von irgendjemandem aus einem der Eurotransplant-Länder. Lediglich von 769 deutschen Verstorbenen wurden 2017 Organspenden entnommen. Gleichzeitig starben so jeden Tag im Schnitt drei Menschen, die auf der Warteliste standen.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation hofft nun, dass sich die positive Entwicklung für 2018 verstetigt. "Die aktuellen Zahlen sind eine Momentaufnahme, die nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass den Diskussionen jetzt strukturelle Veränderungen folgen müssen", sagte Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO. 

Für den starken Rückgang der Transplantationen und Spenden in der jüngeren Vergangenheit macht die Stiftung nicht eine gesunkene Spendenbereitschaft verantwortlich. Vielmehr verhinderte der von hohem Arbeitsdruck gekennzeichnete Klinikalltag, dass die Vermittlungsstelle überhaupt Kenntnis von Organen erhielt. Eine Studie habe ergeben, dass Entnahmekrankenhäuser "mögliche Organspender immer seltener erkennen und melden", hieß es in einer Mitteilung. Gelänge es, diesen Prozess in den Krankenhäusern "organisatorisch und politisch zu stärken", könnte die Zahl der Spenderorgane erheblich steigen.