Weltweit sind etwa 37 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Auf der 22. Welt-Aids-Konferenz, die vom 23. bis zum 27. Juli in Amsterdam stattfindet, suchen 18.000 Teilnehmer nach einer Lösung, die Ausbreitung der Krankheit Aids einzudämmen. Das Motto der Konferenz lautet "Barrieren durchbrechen, Brücken bauen". Sie ist das größte Expertentreffen der Welt zum Immunschwächesyndrom Aids.

Gemeinsam wollen Vertreter aus Wissenschaft und Politik mit Aktivisten und Patienten neue Therapiemöglichkeiten und grundlegende Patientenrechte diskutieren. Dazu zähle die Frage, wie besonders gefährdete Gruppen Zugang zu Tests und Therapien erhalten können. 

Die meisten der mit HIV infizierten Menschen leben in Afrika. Nach Angaben des UN-Programms gegen Aids (Unaids) befinden sich davon knapp zwei Drittel in ärztlicher Behandlung. Etwa eine Million Menschen sterben jedes Jahr an Aids. Im vergangenen Jahr steckten sich rund 1,8 Millionen neu mit dem Virus an.

Dabei ist es das erklärte Ziel von Unaids, die Zahl der Neuinfektionen bis zum Jahr 2020 auf 500.000 zu senken. Auch die Zahl der Todesfälle solle unter die Grenze von einer halben Million sinken. Die Chancen, dieses Ziel noch zu erreichen, stehen jedoch schlecht. Linda Gail-Bekker, die Präsidentin der Internationalen Aids-Gesellschaft, sagte: "In einigen Regionen der Welt sehen wir erneut, dass die Epidemie weiter zunimmt." 

"Eine Messe der Möglichkeiten für eine Welt ohne Aids"

Auch Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) bezeichnete die globale Entwicklung als dramatisch: "Die Welt hält längst die Schlüssel in den Händen, um die Epidemie in den Griff zu bekommen, aber zahlreiche Länder nutzen die Möglichkeiten nicht. Das kostet Menschenleben und gefährdet die bisherigen Erfolge."

In etwa 50 Ländern sei die Zahl der Neuansteckungen gestiegen, hatte Unaids-Chef Michel Sidibé vor wenigen Tagen mitgeteilt. Im östlichen und südlichen Afrika hätten sich seit 2010 30 Prozent weniger Menschen neu infiziert. Dagegen habe sich die Zahl der jährlich neu Infizierten in Osteuropa und Zentralasien verdoppelt. Besonders in Russland habe die Ausbreitung der Erkrankung ein erschreckendes Ausmaß erreicht: Jedes Jahr erhielten etwa 100.000 Menschen eine HIV-Diagnose. In Deutschland infizieren sich jährlich rund 3.100 Menschen mit HIV.

Viele Prominente kündigten ihre Unterstützung für die Konferenz in Amsterdam an: Neben dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton werden Prinz Harry, Sir Elton John und der österreichische Künstler Conchita Wurst erwartet. Die DAH-Chefin Urban nannte die Konferenz eine "Messe der Möglichkeiten für eine Welt ohne Aids".