Neun Mal brach das Ebola-Virus seit seiner Entdeckung 1976 in der Demokratischen Republik Kongo aus, neun Mal waren die Folgen überschaubar. Erst am 24. Juli dieses Jahres hatte die kongolesische Regierung nach rascher und gut koordinierter Hilfe einen Ausbruch für vorüber erklärt. Doch nun ist das tödliche Virus wieder da.

Zwischen Mai und Juli hatten sich in der Region Équateur 54 Menschen infiziert, 33 starben, in 17 Fällen nachweislich an der Viruserkrankung. Bei dem aktuellen Ausbruch in der Provinz Nord-Kivu sind schon jetzt mehr Menschen gestorben als damals: 37 seien wahrscheinlich den Folgen der Virusinfektion erlegen, teilte der Gesundheitsminister Oly Ilunga mit, weitere 54 Verdachtsfälle würden untersucht.

Wieder handelt es sich um den Zaire-Typ und damit jenen Ebola-Stamm, welcher die katastrophale Epidemie in Westafrika 2014 verursacht hatte. Er gilt als besonders gefährlich. Droht der Welt also eine neue Epidemie? Oder wird sich die Katastrophe auch dieses Mal verhindern lassen, weil die Verantwortlichen von vorherigen Ausbrüchen gelernt haben?

Schwierige Sicherheitslage

Entscheidend für den Kampf gegen das Virus sind vor allem die Umstände. Der Ort des Ausbruchs beispielsweise beeinflusst das mögliche Risiko. Handelt es sich um eine Großstadt, in der Einzelne binnen Minuten mit zahlreichen Menschen in Kontakt kommen und so das Virus rasch weitergeben können? Gibt es Ärztinnen und Ärzte, die Kranke behandeln können, und Labors, die das Virus diagnostizieren? Und haben sie genügend Möglichkeiten, die Übertragung durch Desinfektion und die konsequente Isolation der Erkrankten und Kontaktpersonen zu verhindern? Oder erkranken Menschen auf dem Land, isoliert vom Rest der Bevölkerung, aber auch fernab medizinischer Versorgung?

In dem aktuellen Fall traten die ersten vier bestätigten Fälle in der Stadt Beni auf. Sie liegt im Osten des Kongo, mehr als 1.000 Kilometer vom Epizentrum des vorherigen Ausbruchs entfernt. Nord-Kivu ist seit den Neunzigerjahren von Kriegen und Konflikten betroffen. Erst vergangenes Jahr tötete die ugandische Rebellengruppe Alliierte Demokratische Kräfte 14 Blauhelmsoldaten, die hier für die weltweit größte UN-Friedensmission stationiert waren. Aktuell agieren in der Region verschiedene bewaffnete Milizen. Hunderttausende Bürgerkriegsflüchtlinge leben in Beni nahe der Grenze zu Uganda und in der Provinzhauptstadt Goma, die an Ruanda grenzt. Kurz gesagt: Die Lage ist unübersichtlich, und das besorgt die Verantwortlichen.

Die staatliche Kontrolle ist gering, das Gesundheitssystem schwach, viele Menschen ziehen unregistriert von Ort zu Ort. Zudem ist die Sicherheit der Helfer nicht gewährleistet. "Die größte Hürde wird es sein, die betroffenen Menschen sicher zu erreichen", sagte Peter Salama, Generaldirektor für die Notfallantwort bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dabei ist genau das extrem wichtig: Um das Virus erfolgreich zu bekämpfen, müssen Helfer so schnell wie möglich alle Menschen aufspüren, die mit Kranken in Berührung gekommen sind. Sie müssen sie isolieren und behandeln, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Das ist schon während einer stabilen Sicherheitslage eine große Herausforderung.