Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Importmenge für medizinisches Cannabis deutlich erhöht. Für die Behandlung Schwerkranker importiere Deutschland künftig bis zu 1,5 Tonnen jährlich aus den Niederlanden, teilte das Gesundheitsministerium mit und bestätigte damit einen Bericht des Spiegels. Bislang habe die von den Niederlanden zugesagte Liefermenge bei 700 Kilogramm im Jahr gelegen.

Spahn lobte gegenüber dem Magazin die Zusage seines niederländischen Amtskollegen Hugo de Jonge als "gelebte Nachbarschaft". Die Niederlande leisteten damit "einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Therapie der deutschen Patientinnen und Patienten".

Dieser Schritt war laut Spiegel durch die hohe Nachfrage nötig geworden. Diese hätten die Erwartungen des Ministeriums übertroffen. Seit 2017 übernehmen die Krankenkassen die Kosten für medizinisches Cannabis bei schwer kranken Menschen, wenn diesen nicht mehr anders geholfen werden kann.

Ab 2020 soll es Cannabis aus Deutschland geben

Nach Informationen des Spiegels stellten im vergangenen Jahr rund 20.000 Patientinnen und Patienten einen Antrag auf die Behandlung mit Cannabis, in 60 Prozent der Fälle sei dies genehmigt worden. Dafür wurden insgesamt 1,2 Tonnen aus den Niederlanden und Kanada importiert.

Ursprünglich wollte die Bundesrepublik ab 2019 selbst Cannabis anbauen. Der Start verzögert sich jedoch, weil die Ausschreibung wegen eines Verfahrensfehlers wiederholt werden musste. Dem Bericht zufolge kann in Deutschland angebautes Cannabis frühestens 2020 geerntet werden.

Cannabis wird unter anderem zur Behandlung von Nervenschmerzen, bei grünem Star, bei ADHS und dem Tourette-Syndrom eingesetzt. Verwendet werden Cannabisextrakte, Cannabisblüten oder Medikamente auf Cannabisbasis.