Ich freue mich. Wir werden sie wohl bekommen – die Sommerzeit das ganze Jahr lang. Dass die EU-Kommission die lästige Zeitumstellung abschaffen und stattdessen ganzjährig auf uhrzeitlichen Sommer umschalten will, wird vor allem in Deutschland viele begeistern.

Denn damit fiele die Umstellung der Uhrzeit zweimal im Jahr weg: Endlich nicht mehr diese Qual im Frühjahr, wenn am letzten Sonntag im März die Zeiger oder Digitalanzeigen von zwei auf drei nach vorne gedreht werden oder umspringen – was jedem, der zur selben Uhrzeit wie sonst aufstehen muss, eine Stunde Schlaf raubt. Schluss wäre auch mit den Tagen lähmender Müdigkeit, vor allem nach der Umstellung im Frühling. Denn unser Körper braucht Zeit, sich chronobiologisch an die neuen Umstände anzupassen (die Schlafforscherin Barbara Knab erklärt hier im Detail, warum das nicht so einfach ist).

Aber vor allem: Es wäre bei uns endlich im Winter abends länger hell! Als überzeugte Langschläferin und Nachteule ist das für mich das Beste an der Nachricht, die der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker heute Morgen verkündete. Zugegeben: Wie toll man das findet, hängt stark davon ab, wo man wohnt und wann man aufstehen muss. (Um wie viel Uhr die Sonne bei dauernder Sommerzeit an Ihrem Wohnort auf- und unterginge, können Sie in unserem interaktiven Tool nachschauen, auch ganz am Ende dieser Analyse.)

Wenn es denn wirklich so kommt, müssten wir zwar in Kauf nehmen, dass wir die Sonne an jedem Wintermorgen noch eine Stunde später aufgehen sähen als bisher. Mir persönlich wäre es aber egal, ob ich nun um sechs oder um acht Uhr im Dunkeln aufstehe, um dann bei künstlichem Licht im Büro zu sitzen. Immerhin hätte ich so die Chance, nach Feierabend noch einen Sonnenstrahl abzubekommen.

Das zeigt schon, dass es eine individuelle Sache ist, ob jemand die dauerhafte Sommerzeit – die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) also, zwei Stunden vor der Koordinierten Weltzeit (UTC+2) – als gut oder schlecht empfindet. Für Schichtarbeiterinnen und Schulkinder wird es durchaus Nachteile haben, wenn sie künftig auch im Winter noch früher vor Sonnenaufgang raus müssen als bisher. Denn das zwingt sie, noch längere Zeit im Dunkeln produktiv zu sein. Etwas, was der Biologie des Menschen grundsätzlich widerspricht. Eigentlich – so heißt es auch aus der Schlafforschung – wäre es am gesündesten, seinen Tagesablauf nicht nach der Uhrzeit sondern nach dem Sonnenverlauf auszurichten. Das hieße: Aufstehen, wenn es hell, und schlafen gehen, wenn es dunkel wird.

Der Mensch tickt nicht nach der Uhr

Aber wäre das mit unserem Arbeitsleben, dem Schulalltag oder auch der Idee einer europäischen Wirtschaftsgemeinschaft vereinbar? Konkret hieße das nämlich, dass sommers wie winters etwa Schweden* zu anderer Uhrzeit anfangen würden mit der Arbeit als Spanierinnen. Insgesamt hätten alle Europäerinnen und Europäer in so einem Modell – würde man es konsequent leben – im Sommer längere Arbeitstage als im Winter. Die Uhrzeit, wann der Schulunterricht beginnt, würde sich mit der Zeit des Sonnenaufgangs übers Jahr und je nach Wohnort stetig verändern. Und folgt man dem Rat mancher Chronobiologen, würden wir alle im Winter auch noch etwas mehr Stunden schlafen als im Sommer. Fürs Wirtschaftsleben in der EU wäre das aber wohl nicht praktikabel.

Eine ganzjährige Sommerzeit ist aus wissenschaftlicher Sicht also gar nicht so fantastisch, wie es scheint. Je länger der Zeitraum zwischen dem Weckerklingeln und dem Sonnenaufgang, desto schwerer hat es der Körper mit der Anpassung (Current Biology: Roenneberg et al., 2007). Medizinerinnen und Mediziner würden also zwar für ein Ende des Uhrzeitwechsels plädieren, dann aber zugunsten einer durchgehenden Mitteleuropäischen Zeit (MEZ), also der Normalzeit, die viele einfach Winterzeit nennen. Die erwies sich als am verträglichsten (Psychological Science: Barnes & Drake, 2015).