Sorgenfreier Sex dank Smartphone, hormonfrei und natürlich – so lautet das Versprechen von Zyklus-Apps. Sie richten sich vor allem an Frauen um die 30, die in einer festen Beziehung sind, einen regelmäßigen Zyklus haben und für die eine Schwangerschaft kein Desaster wäre. Doch was die verschiedenen Hersteller als sichere Alternative zur Pille verkaufen, ist alles andere als das: Ungewollte Schwangerschaften treten weit häufiger auf, als die Werbung suggeriert.

Daher warnen Deutschlands Frauenärztinnen und Frauenärzte nun offiziell: Die Daten zur Sicherheit seien nicht verlässlich, sondern geschönt. Zwei Apps stehen besonders in der Kritik.

Die zugrundeliegende Methode ist nicht neu. Um den Eisprung steigt die Körpertemperatur an, die unfruchtbare Zeit beginnt am dritten Tag – das lässt sich messen und überwachen. In erster Linie müssen Frauen dafür nach dem Aufstehen ihre Körpertemperatur feststellen und den Wert im Kurvenblatt eintragen. Ein bislang riskantes Vorgehen, weil äußerst fehleranfällig. Krankheit beispielsweise beeinflusst die Temperatur. Ebenso können sich Medikamente darauf auswirken. Feiern mit Alkohol. Oder zu wenig Schlaf. Es ist ungemein wichtig, stets zur selben Uhrzeit zu messen und auf Nachkommastellen zu achten.

Wie sicher ein Verhütungsmittel ist? Der Pearl-Index hilft weiter

Schlaue Algorithmen sollen aus der anfälligen Methode nun sichere Hightech machen. Statt ihre Daten in einem Kurvenblatt zu notieren, sollen Frauen sie in eine App tippen. Vorteile: Abweichungen von der Norm sind damit beispielsweise automatisch genau erfasst, Rundungsfehler ausgeschlossen. Basierend auf den Daten berechnet ein Algorithmus, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, an einem bestimmten Tag schwanger zu werden. Die App gibt an, ob beim Sex eine zusätzliche Verhütungsmethode benutzt werden sollte.

Tatsächlich erhöhen Zyklus-Apps die Sicherheit der Methode. Entscheidend ist jedoch, wie sehr. Und genau darum wird gestritten.

Wie zuverlässig ein Verhütungsmittel ist, wird unter anderem mit dem Pearl-Index angeben. Es handelt sich dabei um den Prozentsatz der Frauen, die in einem Jahr – 13 Zyklen – trotz entsprechendem Schutz schwanger werden (siehe Infobox oben). Für die Pille liegt dieser Wert bei 0,1 bis 0,9. Meint: Eine bis neun von 1.000 Frauen, die ein Jahr lang das Verhütungsmittel anwenden, werden schwanger.

Für Temperatur-Computer waren die Werte bisher deutlich schlechter, sie reichen von 2 bis 5 bei fehlerfreier Verwendung, sagt Petra Frank-Herrmann von der Universitätsfrauenklinik Heidelberg. Bei typischer Verwendung ist die Methode noch anfälliger; im Fall von Natural Cycles etwa liegt der Wert bei 7, wie klinische Studien mit mehr als 22.000 Frauen laut Hersteller ergeben haben.

Für entsprechende Begeisterung hat dieses Jahr daher eine Studie zur Sicherheit von Daysy gesorgt. Der Computer erzielte im Test mit 125 Frauen deutlich bessere Werte: 0,8 bei perfekter Verwendung und 1,3 bei üblicher, bilanzierten die Autorinnen und Autoren, die die Wirkung des Zyklus-Computers im Auftrag des Herstellers geprüft hatten (Reproductive Health: Koch et. al., 2018).

Das würde Daysy in den Rang der sehr sicheren Verhütungsmittel erheben. Würde. Denn Fachkolleginnen und Kollegen halten die Daten für trügerisch.