Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, hat mehr Präventionsmaßnahmen, nicht nur gegen den übermäßigen Konsum von Alkohol, sondern auch gegen neue Raucherprodukte angemahnt. Bei Elektrozigaretten oder Wasserpfeifen gebe es "einen klaren Aufwärtstrend – sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen", sagte die CSU-Politikerin bei der Vorstellung des neuen Drogen- und Suchtberichts in Berlin. Das müsse sich ändern. Noch immer gebe es jährlich 120.000 Tabaktote in Deutschland.

Mortler forderte ein Verbot von Außenwerbung für Tabak. Wer regelmäßig rauche, lebe im Schnitt zehn Jahre weniger, sagte sie. "Kein anderes legales Produkt ist bei jeder Form der Verwendung so schädlich für die Gesundheit." Vor allem im Beisein von Kindern solle man "weder Rauchen noch Dampfen", verlangte Mortler. Sie warnte ausdrücklich vor den gesundheitlichen Folgen des Passivrauchens im Auto.

Die mit Abstand größten gesellschaftlichen Folgen, so schreiben es die Experten der Bundesregierung in ihrem Drogenbericht, habe aber weiterhin der Alkoholkonsum. Bier, Wein und Spirituosen würden in Deutschland "noch deutlich zu viel und vor allem viel zu gedankenlos getrunken", sagte Mortler. Jeder oder jede Sechste trinke Alkohol "in einem gesundheitlich schädlichen Ausmaß". In 80 bis 90 Prozent aller Fälle, in denen Kinder von der Suchterkrankung eines Elternteils betroffen sind, geht es um Alkohol. Der gesamtgesellschaftliche Schaden beträgt demnach knapp 40 Milliarden Euro pro Jahr.

Mortler warnte auch vor einer Verharmlosung des Cannabiskonsums. Der Stoff sei heute viel stärker als noch vor 20 Jahren und der häufigste Grund für eine Suchttherapie – noch vor Heroin, Kokain und Crystal Meth. Zugleich gebe es eine immer größere Palette neuer, meist synthetischer Drogen, die teils nur schwer zu analysieren sind, heißt es im Drogenbericht, dessen gute Nachricht bereits im Mai publik wurde: Die Zahl der Drogentoten sank im vergangenen Jahr erstmals seit Längerem wieder leicht auf 1.272. Hauptursache dafür sind nach wie vor Überdosierungen von Opioiden wie Heroin und Morphin.

Generell, so die Drogenbeauftragte, müssten die Themen Sucht und Drogen "raus aus den Fachkreisen" und breiter diskutiert und bekämpft werden. Schließlich gehe es um geschätzt 13 Millionen Betroffene und deren Angehörige. "Suchterkrankungen wirken sich auf unser Zusammenleben aus, in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft", sagte Mortler und warnte vor volkswirtschaftlichen Kosten in Milliardenhöhe. Als wichtige konkrete Themen nannte sie Tabak- und Alkoholkonsum, illegale Drogen wie Cannabis und die Situation von Kindern suchtkranker Eltern.

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