Die weltweite Luftverschmutzung ist vor allem für Kinder zu einem großen gesundheitlichen Problem geworden, schreibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem aktuellen Bericht. Dieser erscheint kurz vor ihrer anstehenden Konferenz zum Thema Luftverschmutzung und Gesundheit in Genf. Die Zahlen, die sie darin vorlegt, sind alarmierend.

Weltweit leben 93 Prozent der Kinder unter 18 Jahren in Regionen, in denen die Feinstaubbelastung die vorgegebenen Richtwerte übersteigt. In Afrika und östlichen Mittelmeerländern wie der Türkei sind es sogar annähernd hundert Prozent. Die Richtwerte stammen von der WHO und wurden zuletzt 2005 aktualisiert. Die Luftverschmutzung, zeigt der Bericht, trifft ärmere Länder deutlich stärker als Industrienationen. In ärmeren Ländern atmen etwa 98 Prozent der Kinder schlechtere Luft als vorgegeben. In einkommensstarken Ländern sind es dagegen nur 52 Prozent.

Durch Feinstaub, Kohlenmonoxid, Stickoxid und Schwebeteilchen verunreinigte Luft führte laut dem Bericht dazu, dass im Jahre 2016 weltweit mehr als eine halbe Million Kinder unter fünf Jahren vorzeitig starb. Die Autorinnen und Autoren des Berichts schreiben zudem, dass neun Prozent aller Todesfälle, die durch die Folgen der Luftverschmutzung verursacht wurden, auf Kinder entfallen.

Luftverschmutzung kann Autismus und ADHS begünstigen

"Die Luftverschmutzung stört die Gehirne unserer Kinder und beeinträchtigt ihre Gesundheit stärker, als wir vermutet haben", sagt María Neira, Direktorin der Abteilung Gesundheitswesen der WHO. Da sich ihr Gehirn, die Lungen und andere wichtige Organe noch in der Entwicklung befinden, leiden Kinder wesentlich stärker unter den Folgen der Luftverschmutzung als Erwachsene. Auch nehmen sie beispielsweise mehr Feinstaubpartikel auf, weil sie wesentlich schneller atmen.

Kinder, die schmutzige Luft atmen, entwickeln häufiger geistige und motorische Entwicklungsstörungen sowie Autismus und das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom ADHS. Die WHO betont auch, dass verschmutzte Luft die Lungenfunktion beeinträchtigen kann. Das wiederum kann zu gehäuften Infektionen der unteren Atemwege wie zum Beispiel Lungenentzündungen und einer erhöhten Anfälligkeit für chronische Lungenerkrankungen führen.

Im Allgemeinen gilt dabei, dass eine frühe Exposition besonders schlimm ist. Selbst ungeborene Kinder, deren Mütter verschmutzte Luft atmen, können später gesundheitliche Schäden davontragen. Laut dem Bericht gibt es zudem Hinweise darauf, dass verschmutzte Luft das Risiko einer Frühgeburt erhöht.