Sex ist heute für viele Menschen leichter zu haben als je zuvor. Aber während die meisten gut informiert sind, wie sie verhüten können, ist das Wissen über Geschlechtskrankheiten lückenhaft. Das Thema ist mit Scham verbunden. ZEIT ONLINE widmet sich deshalb in einem Safer-Sex-Schwerpunkt der Frage: Wie bleibe ich beim Sex gesund? Denn Sex soll schön sein – aber auch sicher.

Lena Schulze* war schon oft beim Frauenarzt. Das erste Mal war sie 14 und fand es ziemlich peinlich. Mittlerweile ist Schulze 27 und sagt, sie habe sich dran gewöhnt, die Termine bei der Gynäkologin seien zur alljährlichen Routine geworden.

Der letzte Besuch, sagt Schulze, sei aber wieder anders gewesen: unangenehm und auch mit Scham besetzt. Denn der Mann, mit dem sie momentan schläft, hat Tripper, genauer gesagt Gonorrhö, eine sexuell übertragbare, bakterielle Infektionskrankheit. Die beiden verhüten zwar mit Kondomen, sagt sie. Dass Schulze sich angesteckt hat, ist eher unwahrscheinlich. "Dennoch wollte ich auf Nummer sicher gehen und mich testen lassen." (Anmerkung: Genaue Informationen über die wichtigsten sexuell übertragbaren Krankheiten finden Sie am Ende des Textes)

Bei der Frauenärztin hörte sie sich dann Fragen stellen wie: Mit Kondom kann da doch eigentlich nichts passieren, oder? Wie, auch durch Oralverkehr kann ich mir Tripper einfangen? "Ich habe mich eigentlich immer für aufgeklärt gehalten", sagt Schulze: "In dem Gespräch wurde mir allerdings klar, wie wenig ich eigentlich über Geschlechtskrankheiten weiß." Sie fragte sich: Was genau ist das eigentlich, Safer Sex?

Diese Fragen stellen sich auch viele andere Menschen: Wie habe ich Sex, der schön, aber gleichzeitig sicher ist? Reicht das Kondom aus? Und wie sehr muss ich mich um sexuell übertragbare Erkrankungen sorgen?

Viele junge Menschen wüssten gern mehr über Geschlechtskrankheiten

Diese Fragen sind aktuell, denn der Sex in Deutschland und Europa hat sich verändert. Einerseits – darauf deuten viele Studien hin – ist er entspannter geworden, variantenreicher, weniger begrenzt von sozialen Konventionen, freier. Gleichzeitig aber scheint unser Wissen zur Sicherheit beim Sex nicht Schritt gehalten zu haben. Nahezu jeder oder jede Dritte der 14- bis 25-Jährigen in Deutschland ist der Ansicht, er oder sie müsste mehr über Geschlechtskrankheiten wissen (BZgA, 2015). Unter 16- bis 44-Jährigen sieht es nicht viel anders aus. Das stellte sich in einer anderen Umfrage heraus: Tripper war noch jedem zweiten ein Begriff, Chlamydien aber kannten nur zehn Prozent der Befragten. Dabei gehört die Infektion zu den häufigsten durch Sex übertragbaren Erkrankungen – gerade unter jungen Frauen. Unbehandelt kann sie schlimmstenfalls unfruchtbar machen.

Im Umgang mit sexuell übertragbaren Erkrankungen rät Doris Scharrel, Frauenärztin und stellvertretende Vorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte: Wer Beschwerden wie Unterbauchschmerzen, Jucken im Genitalbereich, undefinierbaren Ausfluss aus der Scheide, Schmerzen beim Wasserlassen oder andere unklare Symptome hat, sollte zum Arzt gehen und sich untersuchen lassen.

Am sichersten noch immer: das Kondom

Das Problem aber ist: "Bei einem Großteil der Infektionen gibt es keine erkennbaren Symptome", sagt Klaus Jansen vom Robert Koch-Institut (RKI). Umso wichtiger sei es, das Ansteckungsrisiko im Vorhinein zu minimieren. Etwa durch Safer Sex, also Verhaltens- und Vorsichtsmaßnahmen, die vor dem Aidserreger HIV schützen und auch helfen, das Risiko einer Ansteckung mit anderen Geschlechtskrankheiten zu reduzieren.

Das Sicherste ist, ein Kondom zu benutzen. Es verhindert, dass die Schleimhaut des Penis mit der Schleimhaut des Sexualpartners in Kontakt kommt. Auch Genitalsekrete der Frau sowie der Lusttropfen des Mannes, also das Präejakulat, haben keine Chance, die Barriere des Gummis zu überwinden. "Gerade gegen HIV bietet das Kondom dadurch einen recht sicheren Schutz", sagt Frauenärztin Scharrel – vorausgesetzt es hat die richtige Größe, wird richtig benutzt, nach dem Verkehr auf Intaktheit überprüft und nicht nur beim Vaginalverkehr, sondern auch beim Analsex und der Fellatio übergestreift. Gleiches gilt auch für Männer, die mit Männern Sex haben. Nicht umsonst wirbt die BZgA seit Jahren unermüdlich: Benutzt Kondome.

Die Zahl der Neuinfektionen hat stark zugenommen

Tatsächlich nutzten in der Gesamtbevölkerung über die Jahre mehr und mehr Menschen Kondome. Das zeigen Umfragen der BZgA: Gab im Jahr 1996 rund die Hälfte (52 Prozent) von rund 3.500 befragten Männern und Frauen an, häufig oder immer Kondome zu benutzen, sind es heute 74 Prozent.

Das klingt erst mal gut. Aber reicht das auch? Zwar verwenden viele Jugendliche bei ihren ersten sexuellen Erfahrungen Kondome, aber anscheinend vor allem, um eine Schwangerschaft zu verhindern und nicht unbedingt, um sich vor Krankheiten zu schützen. Sobald also die Frau die Pille nimmt oder beispielsweise mit einer Spirale verhütet, lassen viele das Kondom weg.

"Befinden sich zwei Menschen in einer festen Partnerschaft, ist das in der Regel kein Problem", sagt Sebastian Kempf, Sexualpädagoge von der Beratungsstelle pro familia in München. Schwierig wird es, wenn wechselnde Sexualpartner ins Spiel kommen. Sei es, weil jemand fremdgeht, eine Beziehung offen gelebt wird oder eine Person ihr Singledasein auslebt.

Das bestätigt auch den Epidemiologen Jansen. "Je größer die Zahl der Sexualpartner, desto höher das Risiko, sich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit anzustecken", sagt er. Junge Frauen sind dabei häufiger von Chlamydien und humanen Papillomaviren (HPV) betroffen, Männer, die Sex mit Männern haben, eher von HIV und Syphilis.

Viele sexuell übertragbare Krankheiten sind nicht meldepflichtig

Während die Zahl der HIV-Neudiagnosen in den letzten Jahren stetig zurückging, was ein großer Erfolg ist, gibt es Hinweise darauf, dass es bei den anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen ganz anders aussieht. Bei Syphilis meldet das RKI seit 2010 einen drastischen kontinuierlichen Anstieg (s. Grafik). Und Zahlen aus Sachsen, das einzige Bundesland, in dem auch Infektionen mit Bakterien wie Chlamydien und Gonokokken gemeldet werden müssen, zeigen, dass diese beiden Krankheiten deutlich häufiger geworden sind: Bei Gonokokken, den Auslösern der Gonorrhö, haben sich die Neuinfektionen zwischen 1999 und 2017 von zwei Fällen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner auf 21 Fälle verzehnfacht (Epidemiologisches Bulletin, 2013; PDF). Bei Chlamydien gab es zwischen 2003 und 2012 eine Vervierfachung (Epidemiologisches Bulletin, 2014; PDF).

Die Gründe für diese Zunahme sind vielfältig. Auf der einen Seite tragen neue Diagnose- und Screeningmethoden dazu bei, dass Geschlechtskrankheiten besser erkannt werden. Auf der anderen Seite haben sich die sexuellen Praktiken gewandelt und einiges spricht dafür, dass heute mehr Menschen Oral- und Analverkehr haben als früher (Ärzteblatt: Haversath et al., 2017, Zeitschrift für Sexualforschung: Dekker & Matthiesen, 2015, Journal of Adolescent Health: Lewis et al., 2017).

Was das mit der Zunahme von Geschlechtskrankheiten zu tun hat? "Nicht jeder weiß, dass es sich bei den meisten Geschlechtskrankheiten um sogenannte Schmierinfektionen handelt, die auch oral übertragen werden können", sagt die Frauenärztin Scharrel. Ist beispielsweise eine Frau infiziert und ihr Partner stimuliert sie mit dem Finger, der danach seinen Mund oder seine Augen berührt, dann kann er sich anstecken. Krankheiten wie Herpes, Syphilis oder HPV können außerdem Stellen befallen, die ein Kondom nicht abdeckt – zum Beispiel Vulva, Damm oder Hodensack. Hat ein Partner Herpesbläschen an Mund und Lippen, können diese beim Oralverkehr auf die Geschlechtsteile übertragen werden.

Schutz beim Oralverkehr zwischen Mann und Frau und Frau und Frau bieten Lecktücher, viereckige Latextücher, die beim Stimulieren der Vagina mit der Zunge auf die Vulva gelegt werden und so helfen, die Übertragung zu verhindern. Wird mit dem Finger stimuliert, lassen sich auch Latexhandschuhe überziehen.

"Die meisten Geschlechtskrankheiten sind gut heilbar"

Aber sind Latexhandschuhe und Lecktücher für all jene, die häufig wechselnde Geschlechtspartnerinnen und -partner haben, wirklich die Lösung? Ist die Gefahr, sich anzustecken, wirklich so groß? Oder machen solche Dinge Sex nicht zu einer furchtbar krampfigen Angelegenheit?

"Einen hundertprozentigen Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten gibt es nicht", sagt Jansen vom RKI. Wer den Verdacht hat, sich mit einem Keim angesteckt zu haben, sollte daher nicht erst auf die Symptome warten – die bei vielen Infektionen oft nicht auftauchen –, sondern sich testen lassen. Und zwar immer. In Deutschland gehören solche Tests zwar nicht zur Routine, werden aber von der Krankenkasse bezahlt, wenn die Ärztin oder der Arzt einen Verdacht begründen kann. Und Frauen, die jünger als 25 Jahre sind, können sich auch ohne Verdacht einmal jährlich kostenlos auf eine Chlamydieninfektion testen lassen.

"Einmal erkannt", sagt Jansen, "sind die meisten Geschlechtskrankheiten gut heilbar". Manchen kann man sogar vorbeugen: Gegen krebsauslösende humane Papillomaviren gibt es seit 2006 die Möglichkeit, sich impfen zu lassen.

Wenn ein Sexpartner erkrankt, sollte sich der andere mittesten lassen

Die Frauenärztin Scharrel rät zudem zur Offenheit. "Wer weiß, dass er eine Infektion mit Chlamydien, Gonokokken oder Syphilis hat, muss seinen Partner oder One-Night-Stand darüber informieren", sagt sie. "Nur so lässt sich verhindern, dass sich die Infektion weiter ausbreitet." Wenn einer der Sexpartner erkrankt, sollten sich der oder die anderen immer mittesten lassen. Will jemand beim Sex das Kondom weglassen, sollte die Person sich zudem trauen, Geschlechtskrankheiten und HIV vorher anzusprechen. Dann kann sich das Paar gemeinsam testen lassen, ehe es auf Kondome verzichtet.

Offenheit geht nicht ohne Vertrauen. Ein Vertrauen, das der Mann mit dem Lena Schulze schläft, glücklicherweise hatte, als er ihr Bescheid sagte. Die 27-Jährige hat ihre Testergebnisse inzwischen bekommen. Sie sind negativ, Schulze hat sich nicht mit Gonokokken angesteckt. Die Geschichte habe sie dennoch mitgenommen, sagt sie. Zwar fühle sie sich heute besser informiert als vorher, doch ihr neues Wissen habe sie auch verunsichert, sagt sie. Sie habe sich deshalb vorgenommen, das mit den Lecktüchern mal zu versuchen: "Ausprobieren schadet ja nichts." Beim Sex Gummihandschuhe anzuziehen, "das ist mir allerdings doch zu viel", sagt Schulze.

Auch der Sexualpädagoge Kempf hält nicht allzu viel von solchen Methoden. Wer schon beim Petting die ganze Zeit daran denkt, das Geschlecht seines Partners nicht anzufassen, um Schmierinfektionen zu vermeiden, dem vergeht die Lust schneller, als sie gekommen ist. Natürlich sei es wichtig, dass wir uns beim Sex schützen, sagt Kempf. "Spaß sollte er dennoch machen."

*Anmerkung: Der Name der Protagonistin wurde geändert.

Sexuell übertragbare Krankheiten

  • Chlamydien: Weitverbreitet – vor allem unter jungen Frauen und Männern

    Chlamydien
    • Bakterium
    • heilbar
    • innerlich

    Was ist das? Die Chlamydien-Infektion gehört in Deutschland zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Sie wird von Bakterien namens Chlamydia trachomatis übertragen. Mit einer Größe von 0,5 Mikrometern zählen sie zu den kleinsten Bakterien überhaupt. Menschen geben die Erreger über die Schleimhäute weiter, wenn sie ungeschützt Sex haben. Die Erreger befallen die Schleimhaut in der Harnröhre, der Scheide, im Enddarm oder im Rachen. Betroffen sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene.

    Was sind die Symptome? In mehr als der Hälfte der Fälle gibt es nur geringe oder sogar keinerlei Symptome, weshalb Infizierte die Bakterien oft unwissentlich weitergeben. Hinweise auf die Keime im Körper sind etwa ein ungewöhnlicher Ausfluss aus der Scheide, dem Penis oder Po sowie bei Frauen Blutungen zwischen der eigentlichen Regel. Auch ein Brennen beim Urinieren, Schmerzen beim Vaginal- oder Analsex oder ein Juckreiz an Scheide, Penis oder Po deuten mitunter darauf hin. In diesen Fällen sollten Sie einen Arzt aufsuchen und sich auf Infektionen testen lassen.

    Was sind die Folgen? Bleibt eine Chlamydien-Infektion unbehandelt, kann das Frauen und Männer letztlich unfruchtbar machen. In seltenen Fällen siedeln sich die Bakterien in Gelenken an und sorgen dort für Entzündungen – für eine Arthritis also. Zudem steigert Chlamydia trachomatis das Risiko, sich bei ungeschütztem Sex mit dem Aids-Erreger HIV anzustecken.

    Wie häufig ist die Erkrankung? Chlamydien sind in Deutschland – außer in Sachsen – nicht meldepflichtig. Deshalb gibt es keine genauen Zahlen darüber, wie weit der Erreger verbreitet ist. Hinweise darauf, wie häufig Chlamydien sind, liefern allerdings Daten aus Laboren, die zwischen 2013 und 2015 Proben untersucht haben. Demnach hatte etwa jede 20. getestete Frau unter 25 Jahren Chlamydien, wie aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts von 2017 hervorgeht.

    Wie schütze ich mich? Es gibt keinen vollständigen Schutz. Doch wer Kondome benutzt, verringert das Risiko, sich anzustecken, deutlich. Beim Oralsex mit Frauen schützen Lecktücher. Da die Keime auch über Speichel übertragbar sind, ist er als Gleitmittel besser zu meiden. Das gilt für Menschen mit wechselnden Partnern und Partnerinnen ebenso wie für jene in festen Beziehungen.

    Wie wird getestet? Ob sich jemand angesteckt hat, zeigt eine Urinuntersuchung oder ein Abstrich der betroffenen Schleimhaut. Schwangere sowie Frauen, die eine Schwangerschaft abbrechen wollen, können sich kostenlos testen lassen. Frauen bis einschließlich 24 Jahren steht einmal im Jahr eine kostenlose Urinuntersuchung zu. Für alle anderen gilt: Haben eine Ärztin oder ein Arzt die Anzeichen für eine Infektion bereits beim Patienten oder der Partnerin festgestellt, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Diese liegen je nach Test bei 30 bis 120 Euro. Von Heimtests ist ohne vorherige ärztliche Beratung bislang abzuraten – sie mögen privater und mit bis zu 90 Euro günstiger sein, gelten aber als unzuverlässig.

    Wie gut lässt sich das behandeln? Wer positiv getestet ist, muss sich nicht sofort sorgen, sollte aber den Partner oder die Partnerin informieren. Einmal diagnostiziert, lassen sich die Bakterien grundsätzlich gut mit Antibiotika abtöten. Eine Behandlung kann zwischen einer Woche und 20 Tagen andauern. Bis die Infektion beseitigt ist, ist auf Sex zu verzichten, weil die Keime unbemerkt leicht übertragbar sind.

  • Syphilis: Kann unterschiedliche Symptome verursachen – oder völlig unbemerkt bleiben

    Syphilis
    • Bakterium
    • meldepflichtig
    • heilbar
    • äußerlich
    • innerlich

    Was ist das? Die korkenzieherförmigen Bakterien, die die Syphilis verursachen, heißen Treponema pallidum. Sie werden meist beim ungeschützten Sex übertragen, können aber auch von der infizierten Mutter auf ihr ungeborenes Kind übergehen. Unbehandelt können sich die Bakterien in späteren Stadien über das Blut in andere Organe ausbreiten. Sie befallen dann mitunter die Haut, die inneren Organe und das Gehirn.

    Was sind die Symptome? Die Syphilis ist eine lebensgefährliche Erkrankung. Typischerweise durchläuft sie verschiedene Stadien. Dort, wo die Erreger in den Körper eindringen – häufig am Penis, After oder den Schamlippen, manchmal aber auch im Bereich der Lippen oder im Rachen – bildet sich bei vielen Infizierten ein oft schmerzloses Geschwür mit hartem Rand. Außerdem schwellen die Lymphknoten in der Umgebung an. Das Geschwür verschwindet in der Regel nach vier bis sechs Wochen. Nur ungefähr die Hälfte der Erkrankten zeigt die typischen Frühsymptome. In einem späteren Stadium der Erkrankung kann es auch zu Hautausschlägen kommen.

    Was sind die Folgen? Wird die Syphilis nicht ordentlich behandelt, kann der Erreger über das Blut in verschiedene Organe streuen: Es kann zu Krankheitsgefühl und Hautausschlägen kommen. Jahrzehnte nach der Ansteckung können verschiedene Organe schwer geschädigt werden. So kann beispielsweise die Hauptschlagader des Körpers reißen. Besonders gefürchtet ist außerdem die Neurosyphilis, die das Gehirn befällt. Sie führt zu schwerwiegenden Behinderungen.

    Wie häufig ist die Erkrankung? Eine Syphilis-Infektion unterliegt anders als die meisten anderen sexuell übertragbaren Infektionen einer nichtnamentlichen Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz. Daher weiß das Robert Koch-Institut gut darüber Bescheid, wie häufig die Erkrankung ist. Im Jahr 2017 wurden in Deutschland knapp 7.500 Menschen mit einer Treponema-pallidum-Infektion gemeldet. Nachdem die Zahlen in Deutschland und anderen Industrieländern seit den Siebzigerjahren kontinuierlich sanken, steigen die Fallzahlen etwa seit dem Jahr 2000 wieder stark an. Der Großteil derer, die sich infizieren, sind Männer; vor allem Männer, die Sex mit Männern haben. Syphilis tritt deutlich häufiger in Ballungsgebieten auf. In Berlin liegt die Zahl der Fälle pro 100.000 Einwohner bei 35, in Schleswig-Holstein bei gerade einmal 3.

    Wie schütze ich mich? Kondome bieten einen guten, wenn auch nicht allumfassenden Schutz. Hat eine Person die Keime im Mund, können sie bei Oralsex oder beim Küssen übertragen werden. Das ist zum Glück aber nicht häufig. Wie immer ist es wichtig, Sexpartner zu informieren, wenn man selbst von einer Infektion weiß.

    Wie wird getestet? Die Ärztin oder der Arzt kann einen Abstrich vom Geschwür nehmen und unter dem Mikroskop untersuchen. Gängiger ist die Blutuntersuchung, in der nach Antikörpern gegen den Erreger gesucht wird.

    Wie gut lässt sich das behandeln? Das hängt vom Stadium ab. Im Frühstadium ist Syphilis sehr gut behandelbar. Ein einfaches Penicillin tötet den Erreger zuverlässig ab, es gibt praktisch keine Resistenzen. Wird die Erkrankung jedoch erst spät entdeckt, müssen die Patientinnen und Patienten länger therapiert werden und manche Organschäden lassen sich nicht mehr rückgängig machen.

  • Tripper: Rundliche Bakterien, die Gonokokken, sind verantwortlich

    Tripper
    • Bakterium
    • heilbar
    • innerlich

    Was ist das? Tripper ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Infektion mit Gonokokken. Diese rundlichen Bakterien, die sich zu zweit zusammenlagern, befallen bevorzugt Schleimhäute. Neben dem Genitalbereich auch den Mund- und Rachenraum. Meist werden Gonokokken beim Sex als Schmierinfektion übertragen.

    Was sind die Symptome? Meist einige Tage nach der Infektion juckt und brennt es beim Wasserlassen. Mitunter kommt es zu massivem eitrigen Ausfluss, zumeist vor dem ersten Wasserlassen des Tages. Oft tummeln sich die Keime aber auch im Körper, ohne Symptome auszulösen, gerade wenn sie Mund und Rachen befallen. Das ist gefährlich, weil die Infizierten die Bakterien unwissentlich weitergeben.

    Was sind die Folgen? Die Infektion mit Gonokokken kann aus dem Genitalbereich oder der Harnröhre aufsteigen. Beim Mann kann sie die Prostata sowie die Hoden und Nebenhoden befallen und damit schlimmstenfalls unfruchtbar machen. Bei der Frau kann sie bis ins Becken aufsteigen und dort chronische Entzündungen verursachen. Mitunter sind die Eierstöcke und Eileiter befallen. Auch das kann sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken oder gefährliche Eileiterschwangerschaften provozieren. Während der Geburt können Gonokokken von der Mutter auf das Kind übertragen übersiedeln und schwere Augenentzündungen nach sich ziehen.

    Wie häufig ist die Erkrankung? In Deutschland müssen Gonokokken nicht gemeldet werden. Es gibt aber gute Anhaltspunkte dafür, dass Infektionen in den vergangenen zehn Jahren deutlich häufiger geworden sind. Einer davon kommt aus Sachsen, dem einzigen Bundesland, das eine Labormeldepflicht hat. Hier stiegen zwischen 2003 und 2017 die Infektionen von durchschnittlich 6,8 pro 100.000 Einwohnern auf mehr als 21 (Epidemiologisches Bulletin, 2013; pdf). Auch europaweit gibt es einen deutlichen Trend: Zwischen 2008 und 2015 verdoppelte sich die Zahl gemeldeter Fälle (ECDC Surveillance Report, 2018. Mit fast der Hälfte der Fälle europaweit sind Männer, die Sex mit Männern haben, besonders häufig betroffen.

    Wie schütze ich mich? Auch bei Gonokokken gilt: Ein Kondom hilft viel, aber nicht allein. Da es sich um eine Schmierinfektion handelt, können die Bakterien auch bei der Berührung der Geschlechtsteile oder beim Oralsex übertragen werden. Hier können bei Sex mit Frauen Lecktücher das Risiko verringern. Wichtig ist, auf Sex zu verzichten, solange man nicht austherapiert ist.

    Wie wird getestet? Um auf Gonokokken zu testen, nimmt die Ärztin oder der Arzt einen Abstrich aus der Harnröhre (Mann und Frau) sowie vom Muttermund der Frau ab. Außerdem empfiehlt sich ein rektaler und ein Rachenabstrich. Aus diesen versucht ein Labor, eine Kultur anzulegen oder weist die Bakterien mit anderen Nachweisverfahren an Hand ihrer Nukleinsäuren nach.

    Wie gut lässt sich das behandeln? Man könnte auch fragen: Wie lange lässt sich das noch behandeln? Gonokokken sind immer häufiger antibiotikaresistent. Experten sind sich einig, dass man sich auf einen Superbug zubewege: einen Gonokokkenstamm, gegen den Mediziner machtlos sind. In Deutschland ist die Lage momentan stabil, seit 2014 die Therapierichtlinien für Tripper angepasst wurden (RKI, 2016, pdf). In anderen Ländern aber sieht es schlechter aus: In Großbritannien zum Beispiel ist die Zahl der mehrfachresistenten Gonokokken zwischen 2004 und 2015 von sieben auf mehr als 17 Prozent gestiegen (Journal of Antimicrobial Chemotherapy: Clifton et al., 2018). Und zwischen 2009 und 2014 wurden in vier Fünftel der europäischen Länder Gonokokkenstämme gefunden, die gegen die momentan favorisierte Kombinationstherapie aus den Antibiotika Ceftriaxon und Azithromycin resistent waren (Plos One: Wi et al., 2017).

  • Genitalherpes: Juckende Bläschen im Genitalbereich sind der beste Hinweis

    Genitalherpes
    • Virus
    • heilbar
    • äußerlich
    • innerlich

    Was ist das? Wenn es kribbelt, brennt und sticht, kann es sein, dass bald ein Herpes ausbricht. Verantwortlich für die Krankheit sind Herpes-simplex-Viren (HSV). Zwei Typen sind für den Genitalherpes entscheidend: HSV1 und HSV2. Für 70 bis 80 Prozent der Fälle ist Typ 2 verantwortlich, der Rest wird von Typ 1 ausgelöst (Deutsches Ärzteblatt: Petzold et al., 1999).

    Herpes kann leicht über Körperflüssigkeiten weitergeben werden. Schon kleinste Verletzungen in der Schleimhaut reichen, damit die Viren in den Körper eindringen. Beim ungeschützten Geschlechtsverkehr wird zumeist Typ 2 weitergeben. Ein Intimherpes vom Typ 1 hingegen wird zumeist beim Oralverkehr vom Mund auf Penis oder Scheide übertragen.

    Was sind die Symptome? Herpes ist im aktiven Stadium ziemlich auffällig: Während eines akuten Schubs bilden sich binnen weniger Stunden juckende, brennende Bläschen mit wässrigem Inhalt voller Viren. Nach und nach platzen die Bläschen auf – so können sich die Erreger besonders gut verbreiten. Hinzu können Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen kommen. Ein Schub kündigt sich meist durch Brennen, Jucken oder ein Spannungsgefühl an, auch können die Lymphknoten in der Leistengegend geschwollen sein. Durchschnittlich dauert er zwei bis drei Wochen.

    Was sind die Folgen? Es kann zu Geschwüren kommen, die oft von einer dünnen Kruste bedeckt sind. Auch kann es schmerzen, auf die Toilette zu gehen. In manchen Fällen entzündet sich die gesamte Vagina oder Eichel. Was ebenfalls zu beachten ist: Während eines akuten Schubs ist das Risiko höher als sonst, sich mit HIV anzustecken (Clinics in dermatology: Wu et al., 2004).

    Wie häufig ist die Erkrankung? Sehr häufig: Etwa jeder siebte bis zehnte junge Erwachsene in Deutschland ist laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit Genitalherpes infiziert.

    Wie schütze ich mich? Auch für diese sexuell übertragbare Krankheit gibt es keinen vollständigen Schutz. Kondome und Lecktücher senken das Risiko einer Ansteckung. Zudem gilt: Während eines Schubs so wenig wie möglich am Herpes herumfummeln, damit die Bläschen nicht platzen und Viren freie Bahn haben.

    Wie wird getestet? Eine Ärztin oder ein Arzt kann zumeist mit einem Blick feststellen, ob es sich um Herpes handelt. Sind die Herpesbläschen in Po oder Scheide, liefert ein Abstrich das Ergebnis.

    Wie gut lässt sich das behandeln? Salben können die Heilung der Bläschen unterstützen, ebenso Tabletten oder Injektionen. Ein Arzt oder Ärztin sollte das geeignete Mittel verschreiben. Herpes genitalis ist allerdings nicht dauerhaft heilbar, die Viren verbleiben im Körper. Die Herpesbläschen mögen also nach einiger Zeit verschwinden – normalerweise verheilen sie von selbst in zwei bis drei Wochen –, sie können aber immer wieder auftreten. Stress oder ein geschwächtes Immunsystem können dafür sorgen, dass die Viren sich durchsetzen. Nur wenn sie aktiv sind, können andere sich mit ihnen anstecken. Bis die Bläschen verschwunden sind, gilt es, auf Sex zu verzichten.

  • HPV: Humane Papillomaviren können Warzen oder Gebärmutterhalskrebs auslösen

    HPV
    • Virus
    • heilbar
    • Impfung
    • äußerlich
    • innerlich

    Was ist das? Humane Papillomaviren (HPV) werden zumeist beim Sex, auch beim Oral- und Analsex, übertragen. Es gibt mehr als 150 verschiedene Virenarten, manche gelten als Niedrigrisiko-, andere als Hochrisikotypen. Während Erstere lästige, aber ungefährliche Feigwarzen verursachen, auch Kondylome genannt, können Letztere zu verschiedenen Krebsarten, vor allem zu Gebärmutterhalskrebs bei Frauen sowie Krebs im Mund- und Rachenraum, am Penis und am After führen.

    Was sind die Symptome? Zumeist gibt es keine Beschwerden – wer sich angesteckt hat, bemerkt es daher oft nicht. Sollten sich rötliche, grau-bräunliche oder weißliche Knötchen etwa an den Schamlippen, dem Penis oder in der Analregion bilden – so klein wie ein Stecknadelkopf oder mehrere Zentimeter groß – könnte es sich um Feigwarzen handeln.

    Auf einen Tumor können Ausfluss aus der Scheide sowie Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr, zwischen den Menstruationsblutungen oder nach den Wechseljahren hindeuten. In fortgeschrittenen Stadien von Gebärmutterhalskrebs berichten Frauen oft über Schmerzen im Kreuz- oder Beckenbereich, beim Wasserlassen oder Stuhlgang.

    Was sind die Folgen? Eine Infektion heilt normalerweise von allein aus. Manchmal aber kommt es zu Zellveränderungen. Die körpereigene Immunabwehr kann diese oft zerstören – manchmal aber gelingt es nicht, die Wucherung zu stoppen; eine Tumorerkrankung kann die Folge sein. Neben Tumoren des Gebärmutterhalses provozieren HP-Viren auch Krebs in der Analregion und im Rachenraum. Sie sind also nicht allein für Frauen gefährlich.

    Wie häufig ist die Erkrankung? Fast jeder sexuell aktive Mensch steckt sich im Laufe seines Lebens mehrmals mit einem oder mehreren HP-Viren an. Nach Angaben des RKI erkranken jedes Jahr 6.250 Mädchen und Frauen sowie 1.600 Jungen und Männer an bösartigem Krebs, der auf eine HPV-Infektion zurückgeht. Jährlich sterben 1.500 bis 1.600 Frauen an einem von HPV ausgelöstem Gebärmutterhalskrebs, bei mehr als 50.000 muss eine Ausschabung des Gebärmutterhalses vorgenommen werden.

    Wie schütze ich mich? Kondome senken das Risiko einer Infektion. Vor allem aber gibt es eine Impfung, die für Mädchen und seit Sommer 2018 auch für Jungen zwischen neun und 14 Jahren empfohlen ist. Bestenfalls wird vor dem ersten Sex geimpft. Weil die beiden zugelassenen Impfstoffe gegen 70 beziehungsweise 90 Prozent der Hochrisikotypen wirken, lassen sich mit ihnen nicht nur Feigwarzen, sondern auch ein Großteil der Gebärmutterhalskrebserkrankungen verhindern. Den geeigneten Impfstoff empfiehlt der Arzt. Die Impfung ist für Jugendliche im Alter von bis zu 17 Jahren kostenlos, manche Krankenkassen bezahlen sie noch danach. Eine Übersichtsarbeit der Cochrane-Stiftung mit mehr als 70.000 Probandinnen und Probanden hat gezeigt: Die Mittel sind wirksam und sehr sicher (Cochrane: Arbyn et al., 2018).

    Wie wird getestet? Besteht ein Verdacht auf Feigwarzen, reichen der Ärztin oder dem Arzt ein Blick durch die Lupe und Abtasten, um die Diagnose zu stellen. Krebsvorstufen wiederum lassen sich unter anderem mithilfe eines Abstrichs der betroffenen Schleimhaut nachweisen. Der Test zeigt auch, um welchen Typ es sich handelt. Um Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs rechtzeitig zu entdecken, sollten Frauen einmal im Jahr zur kostenlosen Früherkennung bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt gehen. Für Frauen ab 20 Jahren zahlen das die Krankenversicherungen.

    Wie gut lässt sich das behandeln? Feigwarzen lassen sich mit Lösungen, Zäpfchen oder Cremes behandeln. Es dauert mehrere Wochen, die Patientinnen und Patienten können die Mittel zumeist selbst anwenden. In schwerwiegenderen Fällen müssen die Ärztin oder der Arzt die Kondylome vereisen oder mithilfe von Lasern oder Operationen entfernen. Anschließende Kontrolluntersuchungen sind wichtig, weil die Warzen oft wieder auftreten. Krebsvorstufen lassen sich mit Lasern oder Operationen entfernen – oft, ehe ein eigentlicher Tumor entsteht.

  • HIV: An den Folgen des Aids-Virus sind weltweit bereits 35 Millionen Menschen gestorben

    HIV
    • Virus
    • meldepflichtig
    • innerlich

    Was ist das? Das Human Immunodeficiency Virus (HIV) ist ein Retrovirus. Es schreibt sein Erbgut in das der Wirtszelle ein und zwingt sie dazu, es zu vervielfältigen. HIV befällt verschiedene Körperzellen, unter anderem wichtige Zellen des Immunsystems wie die Fresszellen und die T-Helferzellen, die die Immunantwort koordinieren. In der Folge sterben die T-Helferzellen entweder – weil sich Risse in ihrer Zellwand bilden, wenn sie neue Viruspartikel ins Blut abgeben –, sie leiten den programmierten Zelltod ein oder sie werden vom eigenen Immunsystem getötet, weil dieses sie als infiziert erkennt. Weitere Informationen finden sich unter anderem in der Broschüre “Mehr Wissen über HIV und Aids” der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (PDF) sowie auf den Seiten des Robert Koch-Instituts (RKI).

    Was sind die Symptome? Schätzungsweise 12.700 der Infizierten in Deutschland sind ahnungslos. Denn nicht immer zeigen sich im frühen Stadium der Erkrankung Symptome. Nur manchmal gibt es Anzeichen, die auf eine HIV-Infektion deuten. Dazu zählen etwa Fieber, grippeähnliche Symptome wie Muskel- und Gelenkschmerzen oder Lymphknotenschwellungen an mehreren Körperstellen, die einige Tage bis wenige Wochen nach der Ansteckung auftreten. Auch Durchfall sowie deutlicher Ausschlag sind mögliche Anzeichen. Anschließend können Jahre vergehen, bis der Körper erneut Symptome zeigt. Stetig schwächt das Virus das Immunsystem, die Zahl der T-Helferzellen nimmt immer weiter ab, bis es nahezu wehrlos ist.

    Was sind die Folgen? Das Endstadium der Immunschwäche ist Aids (acquired immunodeficiency syndrome). Aids ist durch lebensbedrohliche Infektionen wie Lungenentzündungen mit aggressiven Pilzen, Entzündungen des Gehirns, aber auch durch Krebserkrankungen gekennzeichnet.

    Wie häufig ist die Erkrankung? Berichten zufolge lebten Ende 2016 etwa 88.400 Menschen mit einer HIV-Infektion in Deutschland. Die Krankheit ist zwar meldepflichtig – weil aber die HIV-Diagnose oft erst Jahre nach der Ansteckung erfolgt, gibt es keine genauen Zahlen, sondern nur Schätzungen, die sich mithilfe von Modellrechnungen ermitteln lassen.

    Laut dem Robert Koch-Institut haben sich im Jahr 2017 etwa 2.700 Menschen in Deutschland mit HIV infiziert. Die Zahl der Neu­in­fek­tionen ist damit gegenüber den Vorjahren leicht rückläufig. Die Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben, ist nach wie vor überproportional häufig betroffen. Die Zahl der geschätzten Neu­in­fek­tionen ging bei ihnen in den vergangenen Jahren jedoch zurück. Im Jahr 2017 betrafen geschätzte 1.700 der insgesamt 2.700 Infektionen diese Gruppe; 2013 steckten sich noch 2.300 an. Neuinfektionen finden sich also derzeit leicht vermehrt unter heterosexuellen Menschen.

    Weltweit hat das HI-Virus, seit es erstmals festgestellt wurde, 35 Millionen Todesfälle verursacht ([Weltgesundheitsorganisation, 2017&(http://www.who.int/en/news-room/fact-sheets/detail/hiv-aids)), allein 2016 starb eine Million Menschen an den Folgen. HIV ist damit nach Tuberkulose die tödlichste Infektionskrankheit der Welt.

    Wie schütze ich mich? Es gibt keine Impfung und keinen hundertprozentigen Schutz. Das Virus kann über Schleimhäute (Darmschleimhaut, Vaginalschleimhaut und Schleimhäute des Penis) und offene Wunden in den Körper gelangen. Es findet sich in Körperflüssigkeiten wie Blut, auch Menstruationsblut, Sperma, Vaginalsekret, Analsekret und Muttermilch. Kondome sowie Lecktücher senken das Risiko jedoch erheblich, sich beim Vaginal-, Anal- oder Oralsex anzustecken. Allerdings erhöhen andere sexuell übertragbare Krankheiten das Risiko, sich auch mit HIV zu infizieren.

    Gerade Menschen, die von ihrer HIV-Infektion wissen und regelmäßig ihre Medikamente nehmen, haben oft sehr wenig bis gar keine Viruspartikel in ihren Körperflüssigkeiten. Das senkt das Risiko deutlich, das Virus weiterzugeben.

    Seit 2016 ist außerdem die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) in Europa zugelassen. Forscherinnen und Wissenschaftler hatten eine hohe Wirksamkeit bei Männern, die Sex mit Männern haben, festgestellt. Weil mit der PrEP ernste Nebenwirkungen einhergehen können, sollte sie unter ärztlicher Betreuung erfolgen. Während der Behandlung schlucken Patienten Tabletten.

    Wie wird getestet? Es gibt Labortests, Schnelltests und Selbsttests. Im Labor wird zumeist mithilfe eines Antigen-Antikörper-Tests Blut auf Bestandteile des Virus untersucht. Das Ergebnis liegt nach zwei Tagen vor. Oft werden direkt Bestätigungstests vorgenommen. In der Regel lässt sich auf diese Weise sechs Wochen nach einem Risikokontakt sicher sagen, ob sich jemand angesteckt hat.

    Schnelltests weisen meist nur HIV-Antikörper nach. Es braucht hierfür nur einen Tropfen Blut – das erste Ergebnis liegt etwa nach 15 Minuten vor. Allerdings ist mit Schnelltests erst zwölf Wochen nach einer möglichen Infektion ein negatives Ergebnis sicher nachweisbar.

    Seit Herbst 2018 sind Selbsttests in Deutschland erlaubt. Nicht alle Fabrikate sind gut geeignet. Wichtig ist etwa, dass der Test eine CE-Kennzeichnung und eine Zulassung für den Heimgebrauch sowie eine Sensitivität von annähernd 100 Prozent hat, dass er also keine Infektion übersieht. Die Deutsche Aids-Hilfe hält den Autotest VIH, INSTI und den Exacto-Selbsttest für geeignet.

    Ist ein Test negativ, heißt das, es wurden weder Antikörper noch Bestandteile des Virus im Blut gefunden. Ist er positiv, wurde eins von beidem oder beides gefunden. Wenn ein Selbsttest positiv ausfällt, sollte man zum Arzt gehen. Denn das Ergebnis muss von einem Labor bestätigt werden.

    Wie gut lässt sich das behandeln? Das Humane Immundefizienz-Virus lässt sich bislang nicht aus dem Körper entfernen. Doch wenn rechtzeitig mit einer Behandlung begonnen wird, können die Schäden am Abwehrsystem stark verzögert und verringert werden. Früh diagnostiziert und konsequent behandelt, werden HIV-Kranke heutzutage im Schnitt fast genauso alt wie Nicht-Infizierte (Lancet HIV: The Antiretroviral Cohort Collaboration, 2017).

    Hatte jemand Sex mit einer Person, die – möglicherweise – das Virus in sich trägt, ist eine Postexpositionsprophylaxe (Pep) ratsam. Dabei werden vier Wochen lang HIV-Medikamente eingenommen. Wer Angst hat, sich angesteckt zu haben, sollte möglichst sofort zum Arzt: Denn je früher die Pep begonnen wird, desto wirksamer ist sie. Am besten sollte sie innerhalb weniger Stunden begonnen werden. Adressen von Kliniken, die eine Pep anbieten, lassen sich bei der Telefon- und Onlineberatung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erfragen. Auch bietet die Aids-Hilfe eine Liste von 24-Stunden-Pep-Stellen auf ihrer Website.

    Patienten und Patientinnen bekommen grundsätzlich eine hochaktive antiretrovirale Therapie. Sie soll verhindern, dass sich das Virus in den menschlichen Zellen vermehrt. Erfolgreich ist eine Therapie dann, wenn keine Viren mehr im Blut nachweisbar sind. Je weniger Viren im Blut nachweisbar sind, desto geringer ist auch die Gefahr, das Virus beim Sex zu übertragen. Trotzdem verschwindet das Virus nie ganz, Betroffene müssen lebenslang Medikamente nehmen. Um die Wirksamkeit zu erhöhen und Resistenzen vorzubeugen, werden mehrere Mittel mit verschiedenen Wirkweisen kombiniert.

  • Filzläuse: Unangenehm, aber weitgehend harmlos

    Filzläuse
    • Parasit
    • heilbar
    • äußerlich

    Was ist das? 1,5 bis zwei Millimeter lang, krabbenartig geformt und mit Krallen an den Beinen ausgestattet – die Filzlaus, auch Schamlaus (Pediculosis pubis) oder umgangssprachlich Sackratte genannt, zählt zu den sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Parasiten leben besonders gern in der Scham- und Achselbehaarung, aber auch im Brustbereich, selten in Augenbrauen und Wimpern. An den Haaren befestigen sie ihre Eier, die Nissen.

    Was sind die Symptome? Die Insekten sorgen für einen Juckreiz, Rötungen und Entzündungen der Haut, rund um die Bissstelle gibt es kleine blaue Flecken. Ebenfalls ein Hinweis: Die Ausscheidungen der Läuse hinterlassen bräunliche Flecken in der Unterwäsche.

    Was sind die Folgen? Ein Befall mit Filzläusen gilt als ungefährlich, ist aber sehr unangenehm. Direkte schwerwiegende Folgen sind nicht bekannt. Allerdings erhöhen aufgekratzte Hautstellen das Risiko, sich mit HIV anzustecken (Clinics in dermatology: Wu et al., 2004).

    Wie häufig ist die Erkrankung? Betroffen sind häufig Jugendliche und junge Erwachsene. Wie viele Fälle es jährlich in Deutschland gibt, ist allerdings nicht genau zu sagen, weil die Krankheit nicht meldepflichtig ist.

    Wie schütze ich mich? Es gibt keinen sicheren Schutz. Den Intimbereich zu rasieren erschwert es den Tieren zwar, sich einzunisten, verhindert eine Ansteckung aber nicht zwingend.

    Wie wird getestet? Ärztinnen und Ärzte stellen bei einem genauen Blick fest, ob Filzläuse für die Verletzungen verantwortlich sind. “Die Läuse sind als kleine hellbraune Punkte in der Nähe des Haarbodens am besten mit einer Lupe erkennbar, ebenso kleine Nissen an den Haaren”, schreibt die Deutsche STI-Gesellschaft.

    Wie gut lässt sich das behandeln? Ziemlich gut und einfach. Spezielle Shampoos und Cremes töten die Parasiten ab, eine Rasur der betroffenen Körperstellen nimmt ihnen den Lebensraum. Damit sich niemand erneut ansteckt, sollten Kleidung und Bettwäsche für einige Tage täglich gewechselt und bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Sex sollten Patientinnen und Patienten erst wieder nach Ende der Behandlung und anschließender Kontrolle haben, außerdem sollten sie ihre Partnerinnen und Partner informieren.

  • Krätze: Die Milben brauchen längeren engen Hautkontakt

    Krätze
    • Parasit
    • heilbar
    • äußerlich

    Was ist das? Krätze ist eine weltweit häufige Hauterkrankung mit bis zu 130 Millionen Betroffenen. Sie wird nicht nur, aber auch beim Sex übertragen und betrifft Menschen jeden Alters. Krätzmilben, auch Skabies genannt, sind verantwortlich für die Krankheit. Es handelt sich dabei um die auf Menschen spezialisierten Parasiten Sarcoptes scabiei var. hominis, die zwischen 0,1 bis 0,5 Millimeter klein sind. Allein die Weibchen leben in den oberen Hautschichten, bohren sich dort Gänge und legen darin Eier. Es gibt zwei Typen der Erkrankung: gewöhnliche Skabies und Scabies crustosa (Krustenskabies).

    Was sind die Symptome? Wenn es in der Nacht stark juckt und es am nächsten Morgen aufgekratzte Hautstellen gibt, ist das ein Hinweis. Ebenfalls deuten juckende Knötchen oder Pusteln sowie graue schuppige Hautentzündungen deuten auf Krätze hin.

    Was sind die Folgen? Werden die juckenden Stellen aufgekratzt, können Bakterien die Wunden besiedeln. Das wiederum kann beispielsweise zu Wundrose (Erysipel), Lymphknotenentzündung (Lymphadenitis) oder selten auch zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Antibiotika sind dann nötig.

    Wie häufig ist die Erkrankung? Es besteht keine krankheits- oder erregerspezifische Meldepflicht gemäß dem Infektionsschutzgesetz. Die Krankheit muss nur an das Gesundheitsamt gemeldet werden, wenn sie in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen auftritt. Deshalb gibt es für Deutschland keine gesicherten Fallzahlen. Aus Daten der Barmer Ersatzkasse ging hervor, dass es im Jahr 2017 allein unter ihren Versicherten bundesweit mehr als 61.000 Fälle gab.

    Wie schütze ich mich? Die Milben brauchen längeren engen Hautkontakt, um von einem Menschen auf den anderen überzusiedeln. Einen sicheren Schutz vor gewöhnlichen Skabies beim Sex gibt es nicht. Sorgfältige Körperhygiene aber kann das Risiko senken, sich anzustecken. Ebenso regelmäßiges Wechseln der Bettwäsche. “Im Falle einer Scabies crustosa mit Millionen von Milben auf der Haut reichen indes kurze Kontakte mit Patienten und kontaminierten Materialien”, schreiben Forscherinnen und Forscher in einer Analyse (Deutsches Ärzteblatt: Dressler et al., 2016).

    Wie wird getestet? Laboruntersuchungen helfen hier nicht weiter. Empfohlen wird vielmehr, den Verdacht eines Arztes mitunter durch einen Klebestreifentest zu sichern. Ein stark haftendes durchsichtiges Klebeband wird auf betroffene Stellen geklebt und dann ruckartig abgezogen. Das Klebeband wird dann unter dem Mikroskop untersucht. Auch eine hautärztliche Lupe, das Dermatoskop, kann helfen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) schreibt. Ist ein Test positiv, sollten Sie den Partner oder die Partnerin informieren.

    Wie gut lässt sich das behandeln? Grundsätzlich gilt es, die Milben, ihre Larven und Eier abzutöten. Gewöhnliche Skabies sind gut selbst behandelbar. Wichtig ist, sich von der Ärztin oder dem Arzt spezielle Lotions oder Cremes verschreiben zu lassen, “die meist einmalig auf den gesamten Körper – mit Ausnahme der Gesichtsregion – aufgetragen werden und für mehrere Stunden einwirken müssen”, schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in einer Informationsbroschüre (PDF). Die Therapien gelten alle als gleichermaßen gut wirksam (Deutsches Ärzteblatt: Dressler et al., 2016).

    Eine besondere Behandlung braucht es im Fall von Scabies crustosa: Hier sind laut RKI eine sofortige Isolation, wenn möglich stationäre Behandlung empfohlen. Auch ist es nötig, Patientinnen und Patienten wiederholt zu behandeln.

    Grundsätzlich ist bis zum Ende der Behandlung auf Sex zu verzichten. Zudem sollten Bettwäsche, Handtücher und Kleidung möglichst bei 60 Grad Celsius gewaschen werden.

  • Bakterielle Vaginose: Eine Infektion kann zu Unfruchtbarkeit führen

    Bakterielle Vaginose
    • Bakterium
    • heilbar
    • äußerlich

    Was ist das? Die bakterielle Vaginose ist eine Fehlbesiedlung der Vagina. Dort, wo normalerweise Milchsäure produzierende Bakterien vorherrschen, nehmen andere Bakterien, vor allem Gardnerella vaginalis, überhand. Die bakterielle Vaginose wird nicht im engeren Sinne zu den Geschlechtskrankheiten gezählt. Weil aber Frauen, die häufig wechselnde Sexpartner haben, sie häufiger haben als jene in festen Beziehungen, gehen Ärztinnen davon aus, dass die Keime vor allem beim Geschlechtsverkehr übersiedeln.

    Was sind die Symptome? Die Fehlbesiedlung reizt die Schleimhaut. Manche Frauen haben gar keine Symptome, andere haben vermehrten Ausfluss, der unangenehm riechen kann. Außerdem können die Vagina und die Schamlippen jucken und das Wasserlassen unangenehm sein.

    Was sind die Folgen? Die Reizung macht es anderen Erregern leichter, die Schleimhaut zu infizieren – mit allen Folgen der jeweiligen Infektion. Außerdem erhöht die bakterielle Vaginose das Risiko, dass Erreger, die nicht zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen gehören, aus der Vagina in den Eileiter und die Eierstöcke wandern und letztlich zur Unfruchtbarkeit führen. Auch für eine mögliche Schwangerschaft stellt eine Fehlbesiedlung eventuell ein Risiko dar.

    Wie häufig ist die Erkrankung? Die bakterielle Vaginose ist sehr häufig. Fünf Prozent aller Frauen erkranken daran – bei Frauen, die eine Klinik für sexuell übertragbare Erkrankungen aufsuchen, sind es 30 Prozent (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, 2010. Unter den Männern, die mit infizierten Frauen schlafen, haben drei Viertel die Bakterien in ihrer Harnröhre.

    Wie schütze ich mich? Wahrscheinlich helfen Kondome, die Ansteckungsgefahr zu verringern. Allgemein gilt, dass ein Paar beim Wechsel vom Anal- zum vaginalen Sex ein neues Kondom nutzen sollte.

    Wie wird getestet? Im Fall von Ausfluss legt ein Labor eine Erregerkultur an. In ihr lässt sich die Fehlbesiedlung nachvollziehen.

    Wie gut lässt sich das behandeln? Hat eine Patientin Beschwerden, bekommt sie Antibiotika, entweder in Tablettenform oder als Vaginalcreme. Ob Laktobazillen, die als vaginale Tablette die natürliche Vaginalflora wieder anreichern sollen, helfen, wird diskutiert.

  • Trichomoniasis: Jucken und übel riechender Ausfluss

    Trichomoniasis
    • Parasit
    • heilbar
    • innerlich

    Was ist das? Trichomonas vaginalis ist ein einzelliger Parasit, der bevorzugt die Schleimhäute der Genitalien und der Harnwege befällt. Er wird vor allem beim Sex durch eine Schmierinfektion übertragen.

    Was sind die Symptome? Die Symptome ähneln denen der bakteriellen Vaginose: Es kommt zu bisweilen übel riechendem Ausfluss und Juckreiz – Frauen können zudem Blutungen zwischen der normalen Regelblutung haben. Beim Mann können die Erreger aus der Harnröhre in die Prostata oder in den Hoden wandern und dort Entzündungen auslösen. Oft verläuft die Infektion allerdings unbemerkt, also asymptomatisch. Genauso häufig liegen Mischinfektionen mit anderen Bakterien vor.

    Was sind die Folgen? Meist haben Trichomonaden keine schwerwiegenden Folgen. Allerdings schaden die Parasiten den Schleimhautzellen. Wenn sie sterben, wird die geschädigte Schleimhaut zur optimalen Eintrittspforte für andere Erreger. Frauen mit einer Trichomonaden-Infektion haben ein deutlich erhöhtes Risiko, sich bei ungeschütztem Sex mit HIV anzustecken.

    Wie häufig ist die Erkrankung? Weltweit ist Trichomoniasis sehr häufig: Jedes Jahr stecken sich circa 140 Millionen Menschen mit Trichomonaden an (Lancet: GBD Collaborators, 2016). In den USA ist Schätzungen der Seuchenschutzbehörde CDC zufolge einer von 30 infiziert. Daten aus dem nahen Flandern zeigen jedoch, dass es in Deutschland deutlich weniger sein könnten. In der Nachbarregion war im Schnitt nur eine von 300 Frauen mit Trichomonas vaginalis infiziert (Gynecologic and Obstetric Investigation: Depuydt et al., 2010). Auch bei der Trichomoniasis zeigt sich aber: Menschen, die viele wechselnde Geschlechtspartnerinnen oder -partner haben, sind häufiger infiziert. Ein Screening auf Geschlechtskrankheiten unter Sexarbeiterinnen in Deutschland ergab, dass sich drei Prozent der Sexarbeiterinnen mit Trichomoniasis angesteckt hatten (BMC Public Health: Bremer et al., 2016).

    Wie schütze ich mich? Kondome bieten einen guten Schutz.

    Wie wird getestet? Bei Verdacht wird ein Abstrich genommen. Früher wurde der mikroskopiert, inzwischen suchen Labors nach bestimmten Erbgutmolekülen, die auf die Parasiten hinweisen. In der Regel gilt es, gleichzeitig nach verschiedenen Erregern zu suchen, weil Mischinfektionen sehr häufig sind. Auch der Sexpartner oder die Sexpartnerin sollten sich untersuchen lassen.

    Wie gut lässt sich das behandeln? Die einmalige Gabe des Antibiotikums Metronidazol reicht meist aus. Allerdings sollte der Partner mittherapiert und nach einigen Tagen oder Wochen in einem erneuten Abstrich nachgewiesen werden, dass die Infektion erfolgreich bekämpft ist.