Im vergangenen Jahr haben Medizinprodukte in mehr als 14.000 Fällen Komplikationen verursacht, die zu Verletzungen und sogar zum Tod von Patientinnen und Patienten geführt haben könnten. Das ist das Ergebnis von Recherchen von NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten und rund 60 weiteren Medienpartnern.

Die Fälle, die den Verdacht eines mangelhaften Medizinproduktes – wie etwa Implantate – nahelegten, nehmen demnach stark zu. Die Meldezahlen seien vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erhoben und veröffentlicht worden. Im Jahr 2016 habe die Behörde 12.000 Fälle registriert.

Eine unsachgemäße Bezeichnung eines Medizinproduktes oder gar eine Störung, die zum Tod oder zur Verschlechterung des Gesundheitszustands eines Patienten geführt haben könnte, werde darin als meldepflichtiges Vorkommnis bezeichnet. Nach Darstellung des Instituts sei in der Vergangenheit in rund 40 Prozent der Fälle das gemeldete Problem nicht auf ein Medizinprodukt zurückzuführen und damit auch nicht meldepflichtig gewesen. Die Zunahme der Meldungen erkläre das Institut mit einer gestiegenen Zahl von Medizinprodukten und einem verbesserten Meldeverhalten von Ärztinnen und Ärzten.

Die Recherchen zeichnen aber ein gegenteiliges Bild: Gerade an der Erfüllung der Meldepflicht mangele es in Deutschland. Das lasse sich am Beispiel von Brustimplantaten nachvollziehen. Im vergangenen Jahr seien in deutschen Krankenhäusern 3.170 dieser Implantate entnommen worden, weil das Gewebe rund um die Silikonkissen schmerzhaft vernarbt gewesen sei. Es seien jedoch lediglich 141 dieser Fälle gemeldet worden.

Ein weiteres Problem sehen die Journalistinnen und Journalisten des Rechercheverbundes darin, dass die Kontrolle und Zertifizierung von Medizinprodukten in Europa nicht über staatliche Stellen erfolgt. Private Institute seien im Auftrag von Firmen tätig.