Seit heute gibt es sie in deutschen Läden und Onlineshops: Juul, die E-Zigarette, die an US-Highschools angeblich massenhaft auf Schulklos gedampft wird. Sie ist klein, wird mit Flüssigkeit gefüllt, deren Dampf nach Apfel oder Mango schmeckt und übt offenbar eine besondere Faszination auf Minderjährige aus. Die dürfen sie per Gesetz übrigens weder in den USA noch in Deutschland kaufen. Vor allem aber steckt in Juul-Liquids so viel Nikotin wie in kaum anderen. Wie schädlich das ist? Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was genau ist Juul?

Juul ist eine E-Zigarette, also ein Verdampfer, mit dem eine nikotinhaltige Flüssigkeit inhaliert wird, auch Liquid genannt. So ist ein Nikotinrausch ohne Tabak möglich. Befüllt wird der Verdampfer mit Kapseln (Pods), in denen die Flüssigkeiten stecken. Sie gibt es in fruchtigen Geschmacksrichtungen wie Apfel oder Mango, aber auch mit Tabak-Aroma. Auf den Markt kam Juul erstmals im Jahr 2015 in den USA. Das Design dieses Verdampfers ähnelt einem USB-Stick – und das Gerät ist vergleichsweise klein. Beim Dampfen von E-Zigaretten entsteht generell kein Rauch wie beim Verbrennen von Zigaretten.

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Was ist das Problem in den USA?

Die Zahl der Minderjährigen, die E-Zigaretten dampfen, hat dort dramatisch zugenommen. Und das, obwohl Verdampfer und Liquid-Kapseln in den USA verhältnismäßig teuer sind und nach Bundesgesetz – wie in Deutschland – nur an Menschen ab 18 Jahren verkauft werden dürfen. Mit mehr als 70 Prozent Marktanteil leistet Juul einen erheblichen Beitrag dazu, dass Kinder und Jugendliche dort E-Zigaretten nutzen. Dieser Erfolg macht das Unternehmen zu einer Konkurrenz für Tabakkonzerne wie Philip Morris oder British American Tobacco. Die vertreiben selbst zunehmend E-Zigaretten als Alternative zu Tabakprodukten.

Die Ausbreitung der Verdampfer an Schulen habe "Ausmaße einer Epidemie" erreicht, schrieb der Chef der US-Arzneimittelbehörde FDA, Scott Gottlieb, schon im September. Damals ging er medienwirksam gegen das Unternehmen Juul Labs vor, ließ am Firmensitz Unterlagen beschlagnahmen. Sollte die Firma nicht überzeugende Maßnahmen vorlegen, wie sie Minderjährige vor Juul schütze, drohte der FDA-Chef den Herstellern die Lizenz zu entziehen. Das Ergebnis der Prüfung steht aus. Zwischenzeitlich jedoch hat Juul angekündigt, Liquids, die etwa nach Mango oder Sahne schmecken, nicht mehr in Läden zu verkaufen – damit kam die Firma einer Ankündigung der FDA zuvor, den Verkauf solch süßer Geschmacksrichtungen in Geschäften und Tankstellen zu verbieten.

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Wie verbreitet sind E-Zigaretten an Highschools?

Gerade erst veröffentlichte das Institut für Sozialforschung der Universität Michigan einen Bericht im New England Journal of Medicine zu Drogentrends unter Jugendlichen (National Adolescent Drug Trends 2018, pdf). Er basiert auf Daten einer groß angelegten und staatlich finanzierten Langzeitstudie, für die Forscherinnen und Forscher seit 1975 Zwölftklässler und seit 1991 auch Acht- und Zehntklässler jährlich zu ihrem Drogenkonsum befragen.

Dieser Studie zufolge gaben zuletzt 21 Prozent der US-Zwölftklässler an, innerhalb der 30 Tage vor der Umfrage, E-Zigaretten gedampft zu haben. Im Vorjahr 2017 seien es unter den üblicherweise 17- bis 18-Jährigen noch elf Prozent gewesen. Mittlerweile nutze jeder fünfte Schüler im letzten Jahr vor dem Highschool-Abschluss E-Zigaretten. Zählt man diejenigen dazu, die lediglich Liquids mit Geschmack aber ohne Nikotin dampfen, liegt der Anteil sogar bei fast 27 Prozent (gegenüber 17 im Vorjahr). Im gleichen Zeitraum sank der Anteil derer, die herkömmliche Zigaretten rauchen von fast zehn auf knapp acht Prozent.

Auch unter den Jüngeren haben sich E-Zigaretten rasant verbreitet. Dampften 2017 noch acht Prozent der Zehntklässler Nikotin, waren es dieses Jahr schon doppelt so viele. "Die derzeitigen Regeln und Maßnahmen, Jugendliche vom Dampfen abzuhalten, haben nicht gegriffen", sagte der Soziologe Richard Miech und Hauptautor der Studie. Schülerinnen und Schüler berichten im Netz davon, dass sie durch Juul in kurzer Zeit nikotinabhängig geworden sind. Die in den USA erhältlichen Nachfüllkapseln der E-Zigarette enthalten mit 50 Milligramm pro Milliliter Flüssigkeit mehr als doppelt so viel Nikotin wie hierzulande zugelassen wäre. Entsprechend hoch ist das Suchtpotenzial.

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Wie stehen deutsche Kinder und Jugendliche zur E-Zigarette?

So genaue Zahlen wie aus den USA gibt es dazu bislang nicht. Vor wenigen Jahren zeigten erste Studien, dass Jugendliche in Deutschland zwar neugierig sind und mal eine E-Zigarette ausprobieren. Allerdings galt das vor allem für diejenigen, die vorher schon geraucht hatten. So ergab eine Befragung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) aus dem Jahr 2014, dass jeder oder jede Vierte der jungen Raucherinnen und Raucher zwischen 16 und 19 schon mal E-Zigaretten getestet hatte. Das Motiv dahinter könnte aber auch die Suche nach einer weniger schädlichen Alternative sein. Oder sogar der Wunsch, übers Dampfen letztlich vom Nikotin wegzukommen.

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Wie viele Jugendliche rauchen noch?

Zuletzt war die Raucherquote unter Jugendlichen in Deutschland nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf einen historischen Tiefstand gesunken. Schon bevor E-Zigaretten auf den Markt kamen, war sie stark rückläufig. Griffen im Jahr 2001 noch 27,5 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen zur herkömmlichen Zigarette, waren es nach den aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2016 nur noch 7,4 Prozent. Auch von den Männern und Frauen zwischen 18 bis 25 rauchen mittlerweile deutlich weniger.

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Helfen E-Zigaretten beim Aufhören?

Das Wissenschaftsnetzwerk Cochrane Collaboration ist in einer Übersichtsarbeit zu der Erkenntnis gekommen, dass die E-Zigarette beim Aufhören unterstützen kann (Hartmann-Boyce et al., 2016). Nach Ansicht der Forscherinnen und Forscher könne das vielleicht sogar genauso gut funktionieren wie mit einem Nikotinpflaster. Die dafür zusammengetragenen Studien hatten jedoch kleine Probandenzahlen, waren also nur bedingt aussagekräftig.

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Warum fasziniert Juul junge Menschen?

Wissenschaftlich untersuchen konnte man das in den drei Jahren seit der US-Markteinführung noch nicht. Allerdings haben die Entwickler der E-Zigarette ein paar ziemlich eindeutige Features eingebaut, die Juul für Minderjährige spannend machen. Dass es die E-Zigarette in süßlichen Fruchtaromen gibt, ist sicher kein Zufall: Denn Kinder mögen normalerweise keine Bitterstoffe, entsprechend eklig finden die meisten Kaffee, Alkohol oder eben auch Zigaretten. Ähnlich wie in Alkopops süße Limonaden den Alkoholgeschmack überlagern, ist es in diesem Fall mit den E-Zigaretten: Sie kommen ohne den typischen rauch-bitteren Tabakgeschmack aus – es sei denn, man kauft mit Absicht ein solches Aroma. Damit treffen Verdampfer ganz generell eher den Geschmack Jugendlicher als Zigaretten. 

Im Fall von Juul kommt das puristische Design hinzu, weswegen manche sie als das "iPhone unter den E-Zigaretten" bezeichnen. Dass der Verdampfer klein ist und einem USB-Stick zum Verwechseln ähnlich sieht, hat einen für die Nutzerinnen und Nutzer praktischen Nebeneffekt: Wer heimlich im Unterricht dampft, kann Lehrer leicht täuschen.  

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Wie ungesund ist Juul?

Die Pods, die es hierzulande gibt, enthalten mit maximal 20 Milligramm Nikotin pro Milliliter (1,7 Prozent) die in Europa zulässige Höchstmenge. Genau vergleichen lässt sich das mit Nikotinmengen aus Zigaretten nicht. Aber in Dampferkreisen würde man sagen: Juul ist so etwas wie die Marlboro unter den E-Zigaretten. Jedenfalls wird sie in einschlägigen Foren starken Rauchern empfohlen, die vorher regelmäßig eine ganze Schachtel am Tag gequalmt haben. Auch wenn es nicht so krebserregend ist, wie der Teer und andere Verbrennungsrückstände aus herkömmlichen Zigaretten: Allein das Nervengift Nikotin ist ungesund.

Diverse Studien haben gezeigt, dass Nikotin nicht nur stark abhängig macht und sich negativ auf die Konzentration auswirkt – es schädigt auch Organe und Gefäße. Insbesondere auf die Hirnentwicklung Jugendlicher hat es nachweisliche Auswirkungen (Brain Research: Slotkin et al., 2003). Und indirekt fördert es vermutlich auch die Entstehung von Krebs (Indian Journal of Medical and Paediatric Oncology: Mishra et al., 2015).

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Wo können Eltern und Jugendliche sich informieren?

Auf der Seite rauch-frei.info informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) über Rauchen und Dampfen, die Risiken und Nebenwirkungen. Seit dem Jahr 2016 dürfen an Jugendliche unter 18 keine Tabakerzeugnisse, E-Zigaretten, Shishas oder ähnliches verkauft werden. Minderjährigen ist es zudem verboten, all das in der Öffentlichkeit zu konsumieren. Auf den Seiten finden Eltern außerdem Informationen, wie die Entwöhnung vom Tabak und dem Nikotin gelingt. Eltern, die sich Sorgen machen, dass ihre Kinder mit dem Rauchen, dem Dampfen anfangen, kiffen oder andere Drogen nehmen, empfehlen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor allem, das Gespräch zu suchen (ein paar Tipps dafür finden sich hier).

Lesen Sie hier einen ausführlichen Artikel zu den bisher bekannten Risiken von E-Zigaretten im Vergleich zu Tabak. ZEIT ONLINE informiert außerdem in einem Schwerpunkt über illegale und legale Drogen.

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