Was wir ein Drittel unseres Lebens machen? Schlafen! Jedenfalls wenn's gut läuft. Warum tut der Mensch es überhaupt, wie viele Stunden sind genug und was hilft, wenn wir nicht einschlafen können und morgens wie gerädert aufwachen? All diesen Fragen widmet ZEIT ONLINE den Schwerpunkt "Besser schlafen".

Lieben Sie es, an all den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr auszuschlafen? Pfeifen Sie da auf die anderen, die sich mit ihrem Kurzschlaf brüsten? Genießen Sie diesen Schlaf und die gute Laune, die er macht? Kommt Ihnen dabei wieder einmal in den Sinn, wie erstaunlich es doch ist, was wir da Tag für Tag erleben – und ein paar ureigene Fragen außerdem? Fünf davon beantwortet unsere Schlafexpertin für Sie.

Warum zucken wir vorm Einschlafen?

Das Gehirn ist ständig elektrisch aktiv, im Wachen arbeitet es schnell, im Schlaf langsam. Wenn es einschläft, verlangsamt sich die Aktivität – nicht plötzlich, sondern schleichend. Im Einschlafprozess pendelt das Gehirn eine Weile zwischen entspanntem Wachsein und leichtem Schlaf hin und her. Ganz ähnlich verhalten sich die Muskeln. Auch von ihnen spannen sich einige ab und zu wieder an, und zwar ungezielt und sehr kurz: So entstehen die typischen Einschlafzuckungen, die viele wohl schon mal bemerkt haben. Zwei von fünf Erwachsenen erleben solche Zuckungen regelmäßig, nicht vor, sondern während des Einschlafens. Bei einigen neurologischen Erkrankungen kommen sie etwas häufiger vor (Sleep Medicine: Chiaro et al., 2016) – insgesamt sind sie aber ungefährlich.

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Ist es normal, dass wir nachts aufwachen und nicht mehr einschlafen können?

Wir alle wachen mehrmals pro Nacht für Sekunden oder auch Minuten auf. Das merken wir normalerweise nicht, ärgern uns deshalb nicht darüber, können es aber auch nicht im Gedächtnis speichern. Am Morgen sind wir überzeugt, durchgeschlafen zu haben. Längere Aufwachepisoden nehmen wir schon häufiger wahr. Auch die sind meist zwar gesundheitlich unproblematisch, wir erleben den Schlaf dann aber trotzdem als unterbrochen. Schwieriger wird es, wenn jemand sehr oft länger als 30 Minuten nicht mehr einschlafen kann. Das kann sich zu einer Durchschlafstörung entwickeln (mehr dazu in Crönlein: Schlafen können, 2018). Es hält auch zuverlässig wach, darüber nachzugrübeln, dass man wach ist.

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Wenn wir im Schlaf reden, wieso erinnern wir uns morgens nicht dran?

Manche Menschen sprechen ab und zu im Schlaf. Woran das liegt, ist nicht ganz klar. Was man weiß: Zwei von drei Personen (Sleep Medicine: Bjorvatn et al., 2010) tun es irgendwann im Leben, doch das Verhalten endet häufig mit der Kindheit. Etwas mehr Männer als Frauen sprechen im Schlaf, Menschen mit psychiatrischen Problemen doppelt so häufig wie andere. Mehr als die Hälfte der Äußerungen ist sinnfrei – dazu zählen Lachen oder unverständliches Gemurmel. Der Rest sind echte Wörter oder Sätze, das häufigste Einzelwort ist "nein" (Sleep: Arnulf et al., 2017). Das Phänomen des nächtlichen Redens zählen Schlafforscherinnen und -forscher zu den Arousal- oder Aufwachstörungen, bei denen nicht alle Areale des Gehirns richtig schlafen. Ganz wach wird man dabei aber nicht und so fehlt später dann auch die Erinnerung.

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Schlafen wir in fremder Umgebung schlechter?

Im Schlaflabor ist es Basiswissen: Dort schlafen fast alle Versuchspersonen in der ersten Nacht physiologisch auffällig schlecht. Das hat sogar einen Namen: First night effect (FNE – Psychophysiology: Agnew et al., 1966). In dieser  ersten Labornacht ist der Schlaf kürzer und flacher und enthält viel mehr wache Zeiten. Das liegt an der fremden Umgebung und an den Kabeln, die am Kopf kleben.

Ab der zweiten Nacht ist das vorbei. Und ganz ähnlich ist es auch anderswo, falls Bett und Zimmer schlaffreundlich sind. Ob daheim, zu Gast bei anderen oder im Hotel: Ist es im Raum zu laut, zu hell oder zu heiß, dann schlafen wir schlechter. Für Menschen, die ohnehin schon Schlafprobleme haben, kann es auch anders sein. Sie schlafen in der ersten Nacht zumindest im Schlaflabor oft sogar besser (Journal of Sleep Research: Hirscher et al., 2015).

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Brauchen wir im Winter mehr Schlaf?

Unsere innere Uhr schwingt parallel zur Erdumdrehung, allerdings nur ungefähr, weshalb Franz Halberg 1959 den Begriff "circadianer Rhythmus" prägte (von Lateinisch circa für ungefähr oder auch um herum und dies, Tag). Doch praktisch muss der Schlaf-Wach-Rhythmus genau 24 Stunden dauern. Der Grund dafür sind die Zeitgeber, allen voran die Sonne. Nun schläft man traditionell im Nord-Winter länger als im Sommer und das scheint tatsächlich damit zusammenzuhängen, dass die Sonne im Winter weniger Stunden scheint. Das belegt jetzt erstmals ein Experiment aus dem Schlaflabor mit künstlichem Licht: Je länger es dort im Lauf von 24 Stunden hell war, desto kürzer schliefen die Versuchspersonen (Current Biology: Stothard et al., 2017). Parallel dazu hatte ihre Zirbeldrüse im Gehirn weniger Melatonin produziert. Melatonin ist das Dunkelhormon und reguliert unsere Schlafbereitschaft.

Alles rund um den Schlaf, unsere innere Uhr und Neues aus der Schlafforschung lesen Sie auf dieser Seite.

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