Wichtig ist, dass der REM-Schlaf dem Geist die Möglichkeit bieten könnte, den Schwierigkeiten des Tages in der Nacht ohne Stress und Angst zu begegnen. Oder wie Walker es beschreibt, "die bittere emotionale Schale von der Frucht der Informationen zu lösen". Um das zu ermöglichen, reguliert der Körper im REM-Schlaf das Level des Stresshormons Noradrenalin im Gehirn besonders stark herunter. Und genau das scheint bei Menschen mit PTBS nicht gut zu funktionieren. Sie fallen nicht nur seltener und kürzer in den REM-Schlaf, sondern weisen im REM-Schlaf – genau wie im Rest des Tages – hohe Level von Noradrenalin im Hirn auf (Biology of Mood and Anxiety Disorders: Pace-Schott et al., 2008). Keine guten Voraussetzungen, um Traumata zu verarbeiten.

60 bis 70 Prozent der Patienten entwickeln nach 10 bis 30 Jahren Morbus Parkinson.
Wolfgang Oertel, Professor für Neurologie

Im REM-Schlaf, wenn wir unsere Psyche umstrukturieren und träumen, müssen die Muskeln zudem komplett ruhen. Bei manchen Menschen aber funktioniert das nicht. Sie schlagen – ihre Traumbilder verarbeitend – wild um sich, treten und stürzen während des REM-Schlafs aus dem Bett, ohne dabei aufzuwachen. Das kann an Drogen oder einem Entzug liegen oder an handfesten Schäden im Gehirn der Menschen (Ärzteblatt: Meyer & Kotterba, 2004). Oft genug aber findet sich kein Grund.

Und das ist mitunter eine schlechte Nachricht, wie katalanische Neurologen nachwiesen. Sie untersuchten 44 Patienten mit dieser REM-Schlafverhaltensstörung über 14 Jahre. Am Ende der Beobachtung litten 36 von ihnen an einer neurodegenerative Erkrankung, vor allem an der Parkinson-Erkrankung, aber auch an einer bestimmten Form der Demenz (The Lancet Neurology: Iranza et al., 2013). "60 bis 70 Prozent der Patienten [...] entwickeln nach 10 bis 30 Jahren Morbus Parkinson oder die seltenere neurodegenerative Erkrankung Multisystematrophie (MSA)", fasste Wolfgang Oertel, Professor für Neurologie an Uni Marburg, das Risiko auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zusammen.

Stockender Atem ist ein Alarmzeichen

Aber am Schlaf lässt sich nicht allein der psychische Zustand ablesen. Manche Untersuchungen deuten auf ein gestörtes Herz-Kreislauf-System hin. Denn kommt es nachts zu langen Atemaussetzern, erhöht das einerseits das Risiko für spätere Herzerkrankungen und kann andererseits Zeichen einer bereits vorliegenden schweren Herzerkrankung sein.

Atemaussetzer treten zumeist auf, weil die Rachenmuskulatur erschlafft und gemeinsam mit dem Zungengrund den Atemweg blockiert. Folglich fließt die Atemluft nicht mehr von der Lunge über den Mund und es kommt zu Aussetzern, die länger als eine Minute dauern können, bis der Körper in Panik gerät und den Schlafenden so weit aufweckt, dass er japsend einige tiefe Atemzüge nimmt, bis er wieder einschläft. Das alles kann sich in der Nacht vielmals wiederholen und ist, weil der Körper immer wieder in großen Stress gerät, potenziell sehr gefährlich. Es zerstört nicht nur den Schlaf und macht die Betroffenen müde, sondern erhöht langfristig auch den Blutdruck und macht damit anfällig für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Ärztinnen sprechen in diesem Fall von dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom. Neben anatomischen Besonderheiten, einem zu kurzen Unterkiefer oder einer vergrößerten Zunge zum Beispiel, und Bindegewebsstörungen sind vor allem Übergewicht, Rauchen und Alkohol wichtige Risikofaktoren (Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin: S3-Leitlinie, 2017).

Hinter Atemaussetzern im Schlaf kann sich aber auch etwas anderes verstecken. Eine Schwäche der linken Herzkammer führt regelmäßig dazu, dass sich das Blut in den Lungengefäßen staut. Das wiederum reizt Atemzentren. Die schlafende Kranke atmet in seufzenden Atemzügen tiefer und immer tiefer, bis fast alles Kohlendioxid aus dem Blut weggeatmet ist und der Atemantrieb des Gehirns erlischt. Die Atmung wird dann langsam flacher, bis sie vollständig aussetzt, nur um anschließend langsam wieder tiefer zu werden. Ein beträchtlicher Teil der Menschen mit Herzschwäche hat dieses spindelförmige Atemmuster (Kardiologie: Orth et al., 2013).

Die Erkenntnisse zeigen: Ärztinnen und Ärzte sollten genau hinschauen, wenn Menschen die Augen schließen. Und ihren Patientinnen und Patienten zu besserem Schlaf zu verhelfen, ist keine Wellness – es könnte viel psychisches und körperliches Leid verhindern.

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