Was wir ein Drittel unseres Lebens machen? Schlafen! Jedenfalls wenn's gut läuft. Warum tut der Mensch es überhaupt, wie viele Stunden sind genug und was hilft, wenn wir abends nicht einschlafen können und morgens wie gerädert aufwachen? Diesen und weiteren Fragen widmet ZEIT ONLINE den Schwerpunkt "Besser schlafen".

Es dröhnt im Schlafzimmer. Lauter als der Verkehrslärm einer Hauptstraße. Doch das Grollen entspringt nicht dem Motor eines Lkw, sondern dem Schlund der Schlafenden: In den Engstellen ihrer Atemwege wird die Luft verwirbelt, lässt die Schleimhäute des weichen Gaumens vibrieren. Unterdruck entsteht und zieht die Wände der Atemwegen aufeinander zu. All das macht ordentlich Lärm, sie schnarcht – wie ein beachtlicher Teil der Gesellschaft.

Ein Fünftel aller Frauen und ein Viertel aller Männer schnarchen regelmäßig. Darauf deuten verschiedene Studien hin (etwa BMJ: Ohayon et al., 1997 und Sleep Medicine Reviews: Counter, 2004). Andere Studien sprechen von 25 bis 40 Prozent. "Je älter und je kränker, desto häufiger taucht Schnarchen auf", erklärt Armin Steffen, Oberarzt an der Klinik für HNO-Heilkunde in Lübeck. Ebenfalls entscheidend: Gewicht und Alkoholpegel. Je dicker und betrunkener, desto wahrscheinlicher entweicht nächtens das rumpelnde Grunzen, das zu Erschöpfung führt und in manchen Fällen gefährlich krankhaft ist.

Wie lässt sich Schnarchen vermeiden? Gibt es verschiedene Formen des Schnarchens und ab wann gilt das Dröhnen aus dem Schlund als belastend krankhaft?

Einfaches, rhythmisches und gutartiges Schnarchen

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20 Prozent aller Frauen schnarcht regelmäßig.

Schnarchwissenschaftler bemühen sich um Antworten. Doch auch nach jahrzehntelanger Forschung kommen HNO-Ärztinnen und Schlafforscher bei der Arbeit mit Betroffenen immer wieder an ihre Grenzen. Ein wesentliches Problem: Bis heute gibt es keine "befriedigende Definition" des Phänomens, wie es in der offiziellen Leitlinie von 2013 steht, die derzeit überarbeitet wird. Oberste Schnarchforscher hantieren demnach mit Begriffen wie "primäres Schnarchen, habituelles Schnarchen, einfaches Schnarchen, gutartiges Schnarchen, kontinuierliches Schnarchen, rhythmisches Schnarchen, nicht apnoisches Schnarchen und ungefährliches Schnarchen" – klare Zuordnungen aber gibt es nicht, was es erschwert, objektive Parameter zu finden und somit eine geeignete Therapie.

Und auch wenn im Internet Bezeichnungen wie "Nasenschnarcher, Rachenschnarcher, Zungenschnarcher, Mundschnarcher" kursieren – in der Leitlinie ist davon nicht die Rede, weil solche Kategorien zu grob sind. Seine Kollegen und er seien zwar bemüht, Schnarcher in Gruppen einzuteilen, sagt Steffen, Mitverfasser der Leitlinie, "aber das wird der Wirklichkeit oft nicht gerecht". Die Krux sei es, den Ort des Schnarchens genau festzulegen, sagt der HNO-Arzt weiter. "Wer diesen bei einem Einzelnen kennt, kann häufig dagegen vorgehen. Grundsätzlich festzulegen, wer Zungenschnarcher oder Gaumensegelschnarcher ist, ist in der Tat deutlich schwieriger."

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85 Dezibel sind bei lautem Schnarchen keine Seltenheit.

Geräuschanalysen sollen hier weiterhelfen. Da ist zunächst einmal die Lautstärke: 85 Dezibel sind bei lautem Schnarchen keine Seltenheit (European Archives of Oto-Rhino-Laryngology: Herzog et al., 2011). Das entspricht ungefähr einer Waschmaschine, die gerade schleudert oder einem Rasenmäher. Steffen berichtet von einem Patienten, dessen Nachbar noch ein Haus weiter genervt war. Einem weiteren wurde am nächsten Morgen im Hotel nahegelegt, sich das nächste Mal eine andere Unterkunft zu suchen, weil es so viele Beschwerden aus anderen Zimmern gab. Und er weiß von Eheleuten, die im Urlaub zwei Zimmer buchen müssen – "das ist nicht nur nervig, sondern auch noch teuer".

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70 Hertz bis 200 Hertz ist die mittlere Schnarch-Frequenz.

Dabei interessieren sich Forscherinnen und Ärzte weniger für die Lautstärke als für die Frequenz. Denn die bedingt, als wie nervig Schnarchen empfunden wird. "Stellen Sie sich einen Rasenmäher und einen Lkw vor. Beide können den gleichen Schalldruckpegel haben. Aber wahrscheinlich werden Sie den Rasenmäher als belästigender empfinden. Hier spielt die Frequenz eine Rolle", erklärt Michael Herzog, Chefarzt des Carl-Thiem-Klinikums in Cottbus, der im Team erforscht, ob sich der Grad der Belästigung objektiv messen lässt (European Archives of Oto-Rhino-Laryngology: Fischer et al., 2016).