Im dänischen Padborg hat der Bau des umstrittenen Wildschweinzauns begonnen. Am Morgen setzten Arbeiter knapp 15 Kilometer westlich von Flensburg die ersten Pfosten in den Boden. Insgesamt soll der Stahlzaun 70 Kilometer lang und eineinhalb Meter hoch werden, unterbrochen von 20 permanenten Durchlässen, etwa für den Verkehr. Sein Fundament reicht einen halben Meter weit in den Boden, damit sich die Tiere nicht darunter durchwühlen können.

Mit dem Zaun, der im Laufe des Jahres fertiggestellt werden soll, will die dänische Regierung die heimische und für das Land extrem wichtige Schweinezucht vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) schützen. Sie sorgt sich vor allem um bereits infizierte Wildschweine aus Deutschland, wo bislang aber kein Fall gemeldet wurde. Allerdings kursiert die für den Menschen harmlose Krankheit derzeit unter anderem in östlichen EU-Staaten, auch in Belgien wurden bereits Fälle bekannt.

"Der größte Risikofaktor ist der Mensch"

Am Nutzen der Pläne für den dänischen Zaun, die die Regierung in Kopenhagen im vergangenen März bekannt gegeben hatte, gibt es erhebliche Zweifel. Sowohl das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald, als auch Schleswig-Holsteins Umwelt und Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) wiesen darauf hin: Das höchste Risiko gehe nicht von Wildschweinen, sondern von Menschen aus, die beispielsweise unabsichtlich kontaminierte Lebensmittel in ein Land brächten.

"Der größte Risikofaktor ist der Mensch", sagte eine FLI-Sprecherin. Der Grünen-Politiker Albrecht verwies auf strenge Hygienemaßnahmen und Aufklärung als die besseren Lösungsansätze. Auch der Minister konstatiert: "Das Virus breitet sich vor allem über Menschen aus – durch Tiertransporte, Jagdreisen, infizierte Lebensmittel." Auch im Internet formiert sich Widerstand von Menschen aus der Grenzregion. Der Jäger Hans Kristensen von der auf Facebook aktiven Initiative Vildsvinehegn – nej tak (Wildschweinzaun – nein danke) bezeichnete den Zaun als ein völliges Missverständnis. "Das ist eine politische Entscheidung und keine, die aus fachlicher Sicht Sinn macht."

"Wildschweine werden schnell ein Loch finden"

Tierschützerinnen und -schützer wiederum befürchten, dass der Zaun auch Wölfe, Otter und Goldschakale in ihrem natürlichen Lebensraum stören könnte. "Wir glauben, dass der Zaun eine wirklich schlechte Idee ist", sagt der Generalsekretär von WWF Dänemark, Bo Øksnebjerg. Der Zaun sei reine Symbolpolitik. Øksnebjerg sorgt sich, dass viele Tierarten die 20 permanenten Durchlässe im Zaun für Straßen und Wege nicht erreichten, während das für die Wildschweine kein Problem sei. "Die können 35 Kilometer pro Stunde schnell rennen. Ein Loch werden sie so innerhalb von ein paar Minuten finden und so trotz des Zauns auf die dänische Seite gelangen."

Der Dänische Landwirtschafts- und Lebensmittelrat sieht das anders. Der Direktor des Interessenverbands warnte: "Ein infiziertes Wildschwein würde ausreichen, um den Export von Dänemark in Länder außerhalb der EU zu stoppen." Er ist sich sicher: "Wir brauchen diesen Zaun definitiv."