Das Ebola-Virus versteckt sich gern. Seit mittlerweile vier Jahrzehnten versuchen Forscherinnen und Forscher zu verstehen, wo überall sich das Virus in der Natur befindet, bevor es auf den Menschen überspringt. Die Suche ist mitunter frustrierend und die Ergebnisse sind rätselhaft, aber zugleich wichtig. Denn ist das Virus einmal auf den Menschen übergesprungen, verursacht es Epidemien mit manchmal Hunderten oder Tausenden Toten, wie bei der Epidemie in Westafrika zwischen 2013 und 2016. Damals starben 11.000 Menschen an den Folgen des Virus.

Diese Woche haben Forscher das Virus erstmals bei einer Fledermaus in Westafrika nachgewiesen. In einer Pressemitteilung des Gesundheitsministeriums von Liberia heißt es, es handele sich um eine Langflügelfledermaus der Art Miniopterus inflatus, die in Höhlen lebt und sich von Insekten ernährt. Dass diese Fledermausart Ebola übertragen kann, war bisher nicht bekannt. Das Ergebnis könne laut Mitteilung helfen, "Strategien zu entwickeln, das Risiko weiterer Epidemien zu reduzieren".

Nur eine positive Probe unter Tausenden

Die Entdeckung haben Forscherinnen eines Konsortiums gemacht: Neben den Behörden Liberias waren auch die NGO EcoHealth Alliance und die Columbia University aus New York eingebunden. Das Konsortium will dem Ursprung der verheerenden westafrikanischen Epidemie näherkommen. Dafür hat es bereits 11.000 Proben von Tieren gesammelt, von denen laut dem Virologen Simon Anthony, Privatdozent an der Columbia University, erst ein Viertel ausgewertet wurde. Die nun gefundene Probe, die Ende 2016 an der Grenze zu Guinea genommen wurde, ist die erste, die dabei positiv ausfiel.

Bisher konnten die Virologen in der Probe nur ungefähr ein Fünftel des Erbguts des Ebola-Virus nachweisen. Dieses Fünftel jedoch ähnelte dem Stamm, der für die Epidemie in Westafrika gesorgt hatte. Der Fund ist bislang nicht publiziert worden, weil die Untersuchungen andauern. Die Ergebnisse trotzdem öffentlich zu machen, sei der Wunsch der Behörden gewesen. Denn sie, sagte Anthony, wollten die Bevölkerung sofort vor der Tötung und dem Verzehr von Fledermäusen warnen, die in dem armen westafrikanischen Land üblich sind. "Daher wäre es falsch gewesen, diesen Fund zurückzuhalten", sagte Anthony.