Frühstück gilt als die wichtigste Mahlzeit des Tages. Gut gestärkt zu starten, bewahre vor Hungerattacken und unnötiger Kalorienzufuhr – so die Annahme. Daher heißt es auch: Wer abnehmen will, soll den Magen morgens füllen. Dass diese Strategie nicht grundsätzlich sinnvoll ist, legt nun eine umfassende Analyse nahe (British Medical Journal: Sievert et al., 2018).

Zwar finden sich in den Datenbanken mehr als 600 Studien zu dem Thema. Doch gerade mal 13 davon hielten den Kriterien der australischen Forschungsgruppe für ihre Metaanalyse stand. Reine Beobachtungsstudien, die nicht darauf eingingen, was die Probanden aßen, schlossen die Forscherinnen und Forscher aus der Analyse aus. Die ausgewählten Publikationen waren zwischen 1990 und 2018 in den USA und Großbritannien durchgeführt worden.

Allgemeines Fazit: Es gibt weder Belege dafür, dass Menschen zunehmen, wenn sie das Frühstück auslassen – noch sei belegt, dass Gewicht verliere, wer regelmäßig frühstückt, schreibt das Team.

Im Schnitt nahmen Frühstückende täglich 260 Kalorien mehr auf

Sieben der ausgewerteten Studien konzentrierten sich auf die Gewichtsänderungen von Menschen, die das Frühstück auslassen. Andere betrachteten zusätzlich, wie sich das Frühstück auf die tägliche Energieaufnahme auswirkt. Dabei wurden Menschen mit unterschiedlichem Gewicht untersucht, die entweder regelmäßig frühstücken oder völlig darauf verzichten. Außerdem wurden sie je nach Studie zwischen einem Tag und 16 Wochen überwacht.

Dabei fanden die Forscher und Forscherinnen heraus, dass die Frühstücker durchschnittlich 260 Kalorien mehr aufnahmen als Menschen, die aufs Frühstück verzichteten. Diese waren sogar im Schnitt 0,44 Kilogramm leichter. Zwischen Menschen mit Übergewicht und Normalgewichtigen konnte die Forschungsgruppe dabei keinen Unterschied feststellen.

Außerdem macht es wohl am Nachmittag nicht hungriger, wenn das Frühstück ausgelassen wird. Allerdings betonen die Autoren, dass die Qualität der ausgewerteten Studien nicht sonderlich hoch ist. Dementsprechend sollten die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden. "Regelmäßig frühstücken könnte positive Effekte haben. Das muss aber nicht zwangsläufig für jeden gelten", sagen sie.

Verzicht sei nicht zwangsläufig die beste Diätstrategie für jeden, schreibt der genetische Epidemiologe Tim Spector in einem begleitenden Kommentar (British Medical Journal, 2018). "Einige Menschen frühstücken gerne und andere nicht", sagt er. Um die perfekte Ernährungsform für sich selbst herauszufinden, müsse man einfach herumexperimentieren.

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