In Zahnpasta stecken lauter Fremdwörter: Silikatverbindungen, Natriumlaurylsulfat, Sorbitol, Fluoride. Silikate sind das Putzmittel, Natriumlaurylsulfat erzeugt den Schaum, Sorbitol verhindert, dass die Pasta in der Tube austrocknet. Und Fluoride? Sie schützen die Zähne vor Karies. Nachweislich.

Trotzdem suggerieren Schlagzeilen immer wieder, Fluorid wäre schädlich: "Fluorid macht dumm", "Fluorid ist giftig", "Fluorid macht unsere Knochen brüchig" – 2017 verunsicherte eine Studie aus Mexiko werdende Eltern (Environmental Health Perspectives: Bashash et al., 2017). Die Untersuchung kam zu dem Schluss, dass viel Fluorid in der Schwangerschaft die Intelligenz der Kinder beeinträchtigen könnte. Weltweit berichteten Medien darüber und bebilderten ihre Artikel mit Zahnpasta, dem Produkt, das viele Menschen mit Fluorid assoziieren. Sollten wir also besser auf Fluoridzahnpasta verzichten? Und ist sie für Kinder sogar schädlich?

Keinesfalls, sagt der Zahnmediziner Ulrich Schiffner. Er forscht und lehrt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zum Thema Zahnerhaltung. Die Studie, die gezeigt haben soll, dass Fluorid Kinder beeinträchtige, hätten viele Journalistinnen und Journalisten falsch interpretiert: "Die Intelligenz der Kinder lag im normalen Bereich, keines wies also überhaupt eine verminderte Intelligenz auf." 

Zudem sei es in der Studie niemals um Zahnpasta gegangen – die Autorinnen und Autoren selbst hätten das auch nie behauptet. Stattdessen sollte ermittelt werden, wie sich der Stoff auf Neugeborene auswirkt, wenn Mütter in der Schwangerschaft Fluorid über Nahrung und Trinkwasser aufgenommen haben. Der Fluoridgehalt im mexikanischen Trinkwasser schwankt stark. Überprüfen können ihn die Bürger nicht, denn er wird nicht regelmäßig erfasst. In Deutschland ist das anders: Hierzulande kann jeder bei seinem Wasserversorger nachschauen, wie viel Fluorid sein Trinkwasser enthält.

Dass Fluorid in Deutschland so in Verruf gerät, ist für Schiffner unverständlich. Schon lange beschäftigt er sich mit der prophylaktischen Wirkung des Stoffes auf Karies und ist sogar der Meinung, Kinderzahnpasta sollte noch mehr davon enthalten als bislang üblich.

Es sei unstrittig, dass Fluorid die Widerstandsfähigkeit des Zahnschmelzes stärke "und damit das Risiko für Karies reduziert", schreibt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung in einer Stellungnahme (BfR, 2018). Ohne Fluorid wäre es um die Zähne der Deutschen deutlich schlechter bestellt: Während vor etwa 30 Jahren mehr als 80 Prozent der Kinder im Alter von zwölf Jahren Karies hatten, waren es 2014 weniger als 20 Prozent (Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie, 2016).

Zu viel Fluorid ist auch nicht gut

Richtig ist, das Fluorid generell eine giftige Substanz ist. Doch wie bei den meisten Stoffen gilt auch hier: Es kommt auf die Dosis an. Erst wer auf einen Schlag mehr als fünf Milligramm Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht aufnimmt, kann sich vergiften. Die Symptome: Übelkeit und Bauchschmerzen. Ein 15 Kilogramm schweres Kind müsste etwa 150 Milliliter – also zwei Tuben – Kinderzahnpasta mit einem Gehalt von 37,5 Milligramm Fluorid verspeisen, um eine solche Dosis zu erreichen (siehe Infobox unten). Ab 30 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht kann so eine Vergiftung tödlich enden – das entspräche dann zwölf Tuben Zahnpasta (EFSA, 2006). Wer sich normal die Zähne putzt, braucht sich davor jedoch nicht zu sorgen.

Hinter der Angst steckt auch ein verbreitetes Missverständnis, das Edmund Maser, Toxikologie-Professor am Uniklinikum Schleswig-Holstein in einem Interview mit dem BR einmal eindrücklich beschrieben hat: die Verwechslung von Fluorid mit Fluor: "Fluor ist ein sehr aggressives, giftiges Gas, was aber erst bei minus 180 Grad flüssig ist. Es frisst sich durch alle Materialien. Doch Fluorgas ist etwas anderes als Fluorid. Fluorid ist das negativ geladene Ion, welches mit Natrium ein relativ harmloses Salz ergibt."

Eine durchaus negative, wenn auch nicht so gefährliche Folge von zu viel Fluorid sind dauerhafte weiße Flecken auf den Zähnen, Fluorosen genannt. Wird während des Wachstums zu viel Fluorid über die Nahrung aufgenommen, baut der Körper es übermäßig in den Zahn ein, der Zahnschmelz wird weniger widerstandsfähig. Diese Gefahr besteht allerdings nur, solange die Zähne noch wachsen – also etwa bis zum achten Lebensjahr.

In Deutschland haben schätzungsweise zehn bis 20 Prozent der Kinder milde Formen von Fluorosen (BfR, 2018). Sie treten auf, wenn der Nachwuchs dauerhaft mehr als 0,1 Milligramm Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht verschluckt. Wird dieser Wert extrem überschritten, kann es zu Skelettfluorosen kommen: Die Knochen werden dann anfällig für Brüche.