Der Lungenfacharzt Dieter Köhler hat bei seiner Kritik an Schadstoffgrenzwerten mit falsch berechneten Zahlen argumentiert. Das bestätigte er gegenüber der taz, die die fehlerhaften Berechnungen aufgedeckt hat. Köhler hatte mit anderen eine Stellungnahme veröffentlicht, in der es hieß, es gebe "keine wissenschaftliche Begründung für die aktuellen Grenzwerte". Zahlreiche andere Wissenschaftlerinnen widersprachen.

Köhler hatte behauptet, wer an einer viel befahrenen Straße wohnt und 80 Jahre alt wird, atme während seines Lebens nur so viel Stickoxide ein wie jemand, der einige Monate eine Packung Zigaretten am Tag raucht. Laut taz ist die Belastung aber eigentlich so hoch wie bei jemandem, der sechs bis 32 Jahre lang diese Menge raucht – je nach angenommenem Anteil von Stickstoffdioxid am Stickoxid.

Die Zeitung weist darauf hin, dass Köhler offenbar ein Fehler unterlief, als er den NO2-Wert einer Zigarette auf den einer Schachtel hochrechnete. Der Arzt bestätigte seinen Rechenfehler. Viele Wissenschaftler halten es ohnehin für problematisch, eine dauerhafte Belastung durch Stickoxide in der Luft mit der kurzfristigen Spitzenbelastung bei Raucherinnen und Rauchern zu vergleichen.

Auch beim Feinstaub verrechnet

Außerdem hatte Köhler argumentiert: "Die Konzentration an Feinstaub im Hauptstrom des Zigarettenrauches erreicht tatsächlich 100–500 g/m3 und ist damit bis zu 1 Million Mal größer als der Grenzwert." Nach Berechnungen der taz ist die Konzentration jedoch eigentlich zehn Millionen Mal so hoch. Auf Nachfrage der taz räumte Köhler ein, versehentlich mit falschen Werten gerechnet zu haben. Korrekt seien statt 100 bis 500 Mikrogramm pro Kubikmeter ein Wert von 10 bis 50 Mikrogramm im Zigarettenrauch. So wäre zumindest der Faktor von einer Million richtig.

Der taz zufolge ist jedoch auch diese Angabe nicht korrekt, da sie auf einer falschen Annahme zum aktuellen Schadstoffgehalt von Zigaretten beruht. In der EU gilt seit 2004 ein Grenzwert von 10 Milligramm Teer pro Zigarette.

"Die Vorgabe der EU kannte ich nicht", sagte Lungenfacharzt Köhler der Zeitung. Er sehe seine Fehler jedoch nicht als großes Problem, denn die Größenordnung stimme. "Ich mache ja praktisch alles allein und habe nicht einmal mehr eine Sekretärin als Rentner."

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