Dürfen Kinder allein entscheiden, was sie essen, wird es salzig und süß und eigentlich nie bitter. Her mit Pommes-Mayo, Chicken-Nuggets, Nudeln in Tomatensoße und Sahnejoghurt. Weg mit Spinat und Kohl, Brokkoli oder Oliven. Das Problem dabei: Eine ausgewogene Ernährung sieht anders aus, eine gesundheitsfördernde ebenso.

Auch wenn der Anteil in den vergangenen Jahren gestiegen ist: Noch immer nehmen gerade einmal 14 Prozent der Drei- bis Zehnjährigen hierzulande die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag zu sich. Das hat die langjährige Kiggs-Studie ergeben. Kein Wunder, dass 15 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe übergewichtig, etwa ein Drittel davon adipös, sind. Etwas, das bis ins Erwachsenenalter fortwirkt. Wer schon im Kindesalter übergewichtig ist, isst auch im Erwachsenenalter schlechter und bekommt häufiger Herz-Kreislauf-Probleme (Appetite: Schwartz et al., 2011 & Current Obesity Reports: Nicklaus & Remy, 2013).

Früh übt sich also. Und das lässt sich auch positiv betrachten. Es lohnt sich, Kindern eine gute Ernährung beizubringen. Doch wenn es ihm nicht schmeckt, wie bekommt man sein Kind dann dazu, gesund zu essen? Was heißt hier überhaupt gesund? Wie viel Zucker und Fett und wie viele Kohlenhydrate sollten sie essen? Welcher Salzkonsum ist gesundheitlich vertretbar, und was ist von den vielen Kindermilchprodukten, von Obstmus in Tüten oder Kinderkeksen zu halten?

Geschmack wandelt sich

Vielleicht der wichtigste Rat überhaupt: Eltern sollten beim Thema Essen entspannt bleiben. Kinder sind zwar besonders anfällig für die Ernährungssünden unserer Gesellschaft. All die Produkte überreich an Zucker, Salz und Fett, die die Lebensmittelindustrie heute zu bieten hat – sie bergen die Gefahr, schon in frühen Jahren Ernährungsgewohnheiten und Geschmackspräferenzen zu prägen, die oft ein Leben lang erhalten bleiben (The American Journal of Clinical Nutrition: Mennella, 2014). Glücklicherweise aber ist Geschmack nicht allein genetisch veranlagt oder wird ausschließlich von dem Essverhalten der Schwangeren bestimmt, sondern wandelt sich (Obesity Prevention: Mennella & Beauchamp, 2010 / Textbook on human lactation: Mennella, 2007). Was eine Einjährige voll Inbrunst ablehnt, kann sie mit drei Jahren plötzlich lieben. Und umgekehrt.

"Geschmacksvorlieben entwickeln sich die ganze Zeit und können damit auch im Verlauf der Kindheit erlernt werden", sagt Margareta Büning-Fesel, die als Ökotrophologin das Bundeszentrum für Ernährung leitet. Bis zum zehnten Lebensjahr und somit noch in der Kita- und Grundschulzeit sei relevant, was Mädchen und Jungen über Ernährung erfahren und erleben. "Kinder in diesem Alter sind neugierig und experimentierfreudig – das lässt sich nutzen", sagt Büning-Fesel. Weil Ernährungsbildung zu 70 Prozent informell erfolgt, leben Betreuerinnen in der Kita, Lehrer in der Grundschule und natürlich Eltern bestenfalls vor, was gesundheitsförderlich ist (SchulVerwaltung spezial: Oepping, 2016). Sie können begeistern, etwa indem sie mit Kindern auf den Markt gehen, geeignete Lebensmittel entdecken und zubereiten (siehe Infobox unten "Essen lernen im Kindesalter"). "Aber wenn ich nur Fast Food esse", betont Büning-Fesel, "kann ich nicht erwarten, dass mein Kind Salat isst."

Für gesunde Kinder empfehlen Ernährungswissenschaftlerinnen und Kinderärzte eine optimierte Mischkost (Aktuelle Ernährungsmedizin: Kersting, Kalhoff & Lücke, 2017). Auf den heimischen Tisch kommen drei Haupt- und zwei Zwischenmahlzeiten. Diese sollten verschiedene Lebensmittelgruppen in unterschiedlichen Mengenanteilen abdecken.

Auf der Basis der wissenschaftlichen Referenzwerte für die tägliche Zufuhr von Energie und Nährstoffen wie Fett, Kohlenhydraten, verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen, die die deutsche Gesellschaft für Ernährung herausgibt, kann man errechnen, wie viel Gramm von was Kinder verschiedenen Alters im Schnitt essen sollten. Ein Ergebnis sind Speisepläne wie der folgende, der geeignet ist für Kinder zwischen vier und sechs Jahren, die der Erfahrung nach durchschnittlich rund 1.350 Kilokalorien am Tag verbrauchen, wobei Kinder, die besonders viel Sport machen, etwas mehr Energie brauchen.

  • Frühstück: Kiwi-Müsli bestehend aus einer Kiwi, 50 Gramm Zerealien, 50 Gramm Joghurt, 10 Gramm Sonnenblumenkernen und 150 Gramm Milch.
  • Zwischenmahlzeit: Schinken-Mehrkornbrot mit Margarine und 50 Gramm Kohlrabi
  • Mittagessen: Nudelauflauf mit 120 Gramm Vollkornnudeln, 80 Gramm Spinat, 20 Gramm Saurer Sahne, 20 Gramm Zwiebeln, etwas Mehl, Rapsöl und 12 Gramm Reibkäse
  • Zwischenmahlzeit: Zwei Handvoll Kartoffelchips (Ja, Sie lesen richtig!) und ein Stück Obst, etwa eine Orange
  • Abendessen: Eine Scheibe Vollkornbrot mit 50 Gramm Mozzarella, 80 Gramm Tomaten, ein wenig Olivenöl und Essig

"Wir arbeiten in der Ernährungsbildung mit den Kategorien reichlich, mäßig und sparsam, denen die Farben grün, gelb und rot zugeordnet sind", erklärt Büning-Fesel. Lebensmittel der roten Kategorie seien nicht per se verboten, im Gegenteil. Alle Nahrungsmittel sind okay, manche davon aber eben nur in Maßen. Zum Beispiel vermeintlich gesunde Snacks wie Kinderkekse, Kinderzwieback oder Mus zum Quetschen, die reich an Zucker oder Fruchtzucker sind (Journal für Ernährungsmedizin: Kersting & Hilbig, 2012 / Journal of pediatric gastroenterology and nutrition: Kersting, Alexy & Clausen, 2005).